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Berthold Schuler führt als Bürgermeister erstmals durch den Teninger Neujahrsempfang

In der Winzerhalle veranstaltete die Gemeinde Teningen am Sonntag ihren Neujahrsempfang. Dabei war der Zulauf so groß wie schon lange nicht mehr. Rund 300 Gäste füllten den altehrwürdigen Saal bis in die hinteren Tischreihen.

Das Ambiente

Dass die „Moschti“ so voll war, lag vor allem an Berthold Schuler. Für den 63-jährigen Kaufmann, der seit August das Amt des Bürgermeisters bekleidet, war es der erste Neujahrsempfang. Das Publikum, das zu einem großen Teil aus Vereinsfunktionieren, Kommunalpolitikern und Wirtschaftsvertretern bestand, wollte das neue Gemeindeoberhaupt kennenlernen. Schuler war bestens vorbereitet: Am Eingang begrüßte er jeden Gast persönlich. In seiner Rolle als Moderator präsentierte er sich unverstellt, zugewandt und mitunter auch charmant.

Am bewährten Rahmen wurde festgehalten. Über der Bühne wehte die Gemeindeflagge. Auf einer Leinwand wurden die Namen der Gäste eingeblendet. Die Tanzgruppe „En Vogue“ und die Kraftsportabteilung des TV Köndringen servierten Wein und Brot. An jeden Platz lag eine druckfrische Ausgabe des Jahrbuchs 2025 der Gemeinde. Und für eine erfrischende musikalische Begleitung sorgte der Heimbacher Männerchor. Unter der Leitung von Petronella Rußer-Grüning sangen die 13 Herren unter anderem „Über sieben Brücken musst Du gehen“.

 Der Rückblick

Gespannt war das Publikum auf Schulers Neujahrsansprache. Darin blickte er zunächst auf 2025 zurück. Er erwähnte den Spatenstich für das Baugebiet „Gereut“, das Sommerfest anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Gesamtgemeinde“ und den Teninger Weihnachtsmarkt. Die Bürgermeisterwahl im Mai handelte er hingegen mit nur einem knappen Satz ab. Vielmehr beschrieb er seine bisherigen Eindrücke als neuer Rathauschef. Angesichts der schwierigen Finanzlage sei die Situation der Gemeinde Teningen für ihn „eine stolze Herausforderung“.

Schuler nutzte das Forum einerseits, um an Land und Bund zu appellieren. „Es kann nicht sein, dass Gesetze beschlossen werden, die von Gemeinden umzusetzen sind, es aber keine ausreichenden finanziellen Mittel dafür gibt“, sagte er. In Berlin und Stuttgart brauche es einen „Kurswechsel“, der den Kommunen „solideres“ Wirtschaften ermögliche und damit mehr „Sicherheit und Zuversicht“ vermittle. „Kein ehrenwerter Kaufmann gibt über Jahre und Jahrzehnte mehr Geld aus als er einnimmt“, gab Schuler seinen eigenen Berufsethos wieder.

Der Ausblick

Anderseits müsse ein Kaufmann immer das Beste aus der Situation machen. Schuler zufolge werde zu oft das Wort „Krise“ verwendet. Davon dürfe man sich nicht anstecken lassen. Es sei „besser, ein Licht anzuzünden als über Dunkelheit zu klagen“ (Tagore). „Das gemeinsame Bewältigen der künftigen Herausforderungen bedeutet neben dem sorgfältigsten Umgang mit den finanziellen Ressourcen durch den Gemeinderat und die Verwaltung auch die Verantwortung aller Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen“, so Rathauschef. Das „überragende“ ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde könne Dinge ermöglichen, die sonst nicht zu stemmen wären.

Als Bürgermeister will Schuler 2026 die Zuversicht wirken lassen, den Wechsel vollziehen, gemeinsam neue Wege gehen und sich zusammen vielen Akteuren weiter für Teningen engagieren und einsetzen. Dabei nannte er die Erweiterung der Industriegebiete, die Erschließung neuer Baugebiete sowie die Modernisierung des Bauhofs, der Lechhalle und auch der Gemeindewohnungen. Im Rahmen einer extern begleiteten Haushaltskonsolidierung wolle man prüfen, wo es Einsparpotenziale gibt. „Es geht um die Rückbesinnung auf die Kernaufgaben, dabei werden schmerzhafte Einschnitte nicht zu umgehen sein“, so der Rathauschef

Die Grußworte

Viel politische Prominenz besuchte den anderthalbstündigen Empfang. Neben den Mitgliedern des Gemeinderats und der Heimbacher Ortschaftsrats sah man unter anderem Alt-Bürgermeister Hermann Jäger, Landrat Hanno Hurth, die MdBs Yannick Bury und Johannes Fechner und MdL Rüdiger Tonojan. Letzterer übernahm das Grußwort seitens der Politik. Tonojan gratulierte Schuler zur gewonnenen Wahl. „Fast 70 Prozent bedeuten einen großen Rückhalt“, sagte er. Dass es in Teningen nun einen Bürgerbus gebe, den der Bürgermeister selbst fahre, sei ein gutes Zeichen. Lob gab es zudem für die Klimainitiative, den Jugendbeirat und die Innovationsbereitschaft der Betriebe. Die Kritik am Land relativierte Tonojan. „Aus dem Sondervermögen des Bundes gibt das Land zwei Drittel an die Kommunen weiter – die Gemeinde Teningen bekommt sieben Mio. Euro“, sagte er.

Landrat Hanno Hurth überbrachte die Grüße des Landkreises. Dabei erwähnte er unter anderem den Radweg entlang der Kreisstraße zwischen Mundingen und Landeck. „Im Februar wird er fertiggestellt“, versprach er.  Pfarrer Alexander Gripentrog brachte den Gästen die Jahreslosung „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb. 21,5) näher. „Es geht nicht darum, alles was einmal war, über den Haufen zu werfen“, so der Theologe. Gott transformiere aus Altem etwas Neues. Die Themen seien umfangreich. Gott trete als Macher auf, der Mensch müsse nicht alles allein bewältigen. Das „Siehe“ könne als Appell verstanden und mit „Sei dabei!“ übersetzt werden. Daniel Gorzalka