Sinfonien auf der Harp: Konzert-Premiere im Mundinger Bürgerhüs
Turnraum, Probelokal, Kinderkino und nun auch Konzertsaal: der Mehrzweckraum im Erdgeschoss des neuen Mundinger Bürgerhüs füllt sich weiter mit Leben. Am Sonntagabend erlebten rund 60 Gäste eine musikalische Premiere der ungewöhnlichen Art.
Anderthalb Stunden lang gaben der Mundharmonika-Spieler Ulrich Müller-Froß und der Pianist Martin Klingler ein gemeinsames Konzert. Die beiden Freunde, die seit 30 Jahren gemeinsam musizieren, intonierten sechs Werke von ganz unterschiedlichen Komponisten. Die stilistische Bandbreite reichte von Johannes Brahms („Sonate Nr. 1“) und Bela Bartók („Rumänische Volkstänze“) bis hin zu Paul Lewis („Pavane“) und Hui Cheung Wai („Sound China“).
Besonders war der Abend in zweierlei Hinsicht. Zum einen verwendete Klingler den uralten Blüthner-Flügel des Gesangvereins, der jahrzehntelang in der Aula der Schule stand und im vergangenen Jahr neu gestimmt worden war. Zum anderen bediente Froß seine maßgefertigte und chromatisch aufgebaute Mundharmonika wie ein Klassikinstrument. Virtuos und mit bewundernswerter Kondition übernahm er die Solostimmen – mal schnell und kraftvoll, mal gemächlich und melancholisch.
Die sparsame Instrumentierung, vor allem aber der vertraute Klang der Mundharmonika machten die Stücke zugänglich. Im Publikum herrschte höchste 90 Minuten lang höchste Konzentration. Selbst nach den Sätzen wurde geklatscht. Hinzu kamen die illustrierenden Ansagen. „Dieses Stück spielte ich vor 20 Jahren einmal auf dem Hofgut von Berlichingen – und zwar in Anwesenheit der Witwe des Komponisten, die extra auf England angereist war “, erklärte Müller-Froß vor „Pavane“.
Dass sich die Besucher in dem Mehrzweckraum spürbar wohlfühlten, lag nicht nur an der Musik, sondern auch am Ambiente. Die Mitglieder des Mundinger Gesangvereins, die das Konzert veranstalteten, hatten den Saal mit Stehlampen, Teppichen, Blumen und gedimmtem Licht in ein gemütliches Wohnzimmer verwandelt. An einer kleinen Theke wurde Sekt ausgeschenkt, dazu gab es Hefezopf. Interessant: Pianist Martin Klingler ist seit zwei Jahren Dirigent des Mundinger TonAb!-Chores.
„Es war eine tolle Premiere – wir freuen uns, dass der Abend so gut angenommen wurde“, sagten Yvonne Noll und Andrea Voigt. Das Moderatorinnen-Duo aus den Reihen des Gesangvereins bedankten sich mit einer Weinflasche und schwarzen „Music Socks“ bei den beiden Künstlern. Ihren Dank richteten die beiden zudem an Ortsvorsteher Klaus Nunn. Von diesem stamme die Idee, in dem Raum regelmäßig Kulturveranstaltungen stattfinden zu lassen. „Wir wollen ein Haus für Klein und Groß – ein Haus für Klein und Groß ist es nun geworden“, sagte Nunn hierzu.
Text und Fotos: Daniel Gorzalka

