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Ehrenamt und Weinbauperspektiven

Eichstetten (rca). „Viva la Vida“ – übersetzt „Lebe das Leben“ – spielte der Akkordeonclub Eichstetten beim 31. Bürgerdank, zu dem der Gemeinderat kürzlich eingeladen hatte. Bei den zahlreichen Ehrungen und dem Gastvortrag wurde deutlich, wie vielfältig Leben in Eichstetten gestaltet wird.
Besondere Dankesworte von Bürgermeister Michael Bruder galten den Vereinsvorsitzenden und Jugendleitern, den ausgeschiedenen Vorsitzenden, dem Kirchen- und Pfarrgemeinderat sowie Hans und Waltraud Schöberl für die jahrzehntelange Filmdokumentation des Dorflebens. Besonders erwähnt wurde Gerhard Kiechles und Erika Müllers Engagement im Partnerschaftskomitee, Weinprinzessin Natascha Berwing sowie Eva-Anne Kirst als Gewinnerin des weltgrößten Chinesisch-Sprachwettbewerbs. Über 40 Eichstetter Mütter und Väter im besten Alter waren für die Betreuung der Freitagsöffnung des Jugendclubs eingesprungen. Für ihr Engagement in der Jugendarbeit von Vereinen und Kirchen erhielten acht Jugendliche eine Ehrung.
Im Gastvortrag wurde der Blick auf die Weinberge gerichtet. Weingutinhaber Martin Schmidt, Vizepräsident des Badischen Weinbauverbands, referierte zu den Herausforderungen und Perspektiven des sich verändernden Weinbaus. Dass die Weinbranche wie noch nie „heute aus so vielen Richtungen in die Zange genommen wird“, wurde anhand seiner Präsentation deutlich.
Zum einen ist der Konsum aus Gründen wie Gesundheitstrends oder restriktiver EU-Alkoholpolitik weiter rückläufig. Ein scharfer Wind weht von der WHO, die Alkohol kurz und knapp als krebserregend bezeichnet, obwohl in der jüngeren Vergangenheit Studien dem moderaten Alkoholkonsum, verbunden mit mediterraner Ernährung, positive Effekte für ältere Erwachsene bescheinigten. Interessant in diesem Zusammenhang sei, dass die USA die Ernährungsempfehlungen der WHO komplett ignorierten und sich nichts vorschreiben ließen.
Weitere Aspekte der Krise seien hoher Preisdruck und Preissensibilität, gesättigte Märkte, übermächtige Lebensmittelhändler, der demografische Wandel, Bürokratie und Auflagen, klimatische Veränderungen sowie neue Schädlinge und Krankheiten wie die Goldgelbe Vergilbungskrankheit, die von der Amerikanischen Rebzikade übertragen wird – mit einem Schadpotenzial, das mit der Reblaus verglichen werden könne.
Als eine Gegenmaßnahme zum Gesamtproblem nannte Martin Schmidt die Reduktion von Rebflächen. Man gehe derzeit von einer Flächenreduktion von 20 bis 30 Prozent in fünf Jahren aus. Für Eichstetten würde dies einen Rückgang von 70 bis 100 Hektar bedeuten. Chancen lägen in der Konzentration auf die Kernkompetenz Burgunder, PIWIs, mehr „Klasse statt Masse“ und in kreativen alkoholfreien Produktentwicklungen.