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Von Hip-Hop bis Büttenrede

Beim Zunftabend der Riedmatte-Schlurbis wurde wieder viel gelacht, gesungen und getanzt

Schliengen-Liel. Ein Schlurbi-Chef, der es nie zuvor auf den Roten Teppich geschafft hat; zwei Mini-Bodyguards mit Profimienen und ein Neuer im Vorstand, der sich am meisten „uffs Esse“ freute – also auf Schinkenweckle: Um „Stars und Sternchen“ ging’s am Zunftabend der Riedmatte-Schlurbis.

In Glitzerpracht erstrahlte die „ausverkaufte Schlossberghalle“. Eröffnet wurde das Programm von den Gastgebern, die mit einem Klanggewitter die Bühne stürmten. Danach heizten die Jüngsten über den Tanzboden, um sich für ihre Hip-Hop-Künste ordentlich Applaus abzuholen. Dann kündigten die Vorsitzenden Simone Meyer und Fabian Müller „e echti Größi“ an.
Karl Lagerfeld wurde vorstellig, vom weißen Zopf bis zu den schwarzen Handschuhen, unter der Woche auch als Schliengener Rathauschef Christian Renkert bekannt. „Aufgewachsen im Norden het Lagerfeld für de Hanseate nit schaffe welle, so ne Seich“, sagte er. Als eigenes Ich ließ er wissen: „Mi Frau chönnet ihr als Vivien Westwood bestaune“. Selbige bestehe stets auf Sichtkontrolle, bevor der Gatte das Haus verlasse. Weitere Nöte teilte er mit, bevor es Beifall hagelte, und der jüngste Büttenredner übernahm.
Lennik erhob die Stimme, um den Saal mit diversen Versen zum Lachen zu bringen: Ein Aufsatz über Abstammung solle er schreiben. Woher er also komme? Laut Auskunft der Mama sei beim Sohn, bei ihr selbst und bei der Oma der Storch dagewesen. Fazit: Seit drei Generationen gebe es in der Familie keine natürliche Geburt.
Die Line Dancer traten in Aktion, stets ein synchroner Anblick und mit flotten Akkorden umrahmt. Sonja und Harald, zwei Neue, parlierten sich durch ihre fünf Minuten: Sie wollte reden, er schwätze. Sie mag Pärsching – Weißherbstschorle mit Fanta – und er Schorle pur. „Und wie kommt so einer wie du zu den Schlurbis?“ „In der Regel mit dem Auto“. Dann wurden Tränen gelacht. „Die drei Tenöre“ bogen sich in alle Richtungen beim Schmelz von Demis Roussos. Eine Zugabe musste her, und Müller jubelte: „Das war vom Feinsten“.
Alfred Dietl startete seine Büttenrede mit dem Herausnehmen des Gebisses. Er hatte die meiste Sendezeit des ersten Teils und nutzte sie für die Leidensgeschichte, die mit Arztbesuch und Krankenhaus begann und mit Reha endete. Als er meinte, endlich vor dem Doktor zu stehen, klärte sein Gegenüber auf, er sei der Schreiner und zum Ausmessen da. Zwischendurch verwechselte er „alten Kameradenmarsch mit kaltem Marmeladenarsch“. Später sollte es noch saftiger kommen.
Beim Lieler Treff gings um örtliche Promis, die eine Einladung missverstanden hatten. Es half nichts, aber in Hollywood hatte niemand je was von einem Schlurbi gehört. Die Bühne füllte sich mit fünfzehn Mannen im Shirt des SV Liel-Niedereggenen.
Sie sangen mindestens so gut wie sie Fußball spielen. „Kreisliga“, hieß der Song, also Aufstieg. Es dauerte nicht lange, und der Saal hielt mit und sang die Hymne vom griechischen Wein.
Der Stimmungspegel kletterte erneut mit dem Aufkreuzen des Hippies Stefan. Er tat Visionen kund und sang dazu. 50 Jahre Eingemeindung sei genug: Im Rathaus gebe es wieder mehr Lüt als Arbeit. Der SV schaffe den Aufstieg, Liel bekomme eine U-Bahn und einen Zugang zum Meer, werde zudem Königreich mit Schlossherrschaft, werde ein Tor zur Welt. „Nur der Puff chunnt uff Muuche“. Die Welle der Begeisterung legte sich schwer, aber DJ Ötzi schaffte es mit Heimatsongs auf Tirol und Schliengen. Erneut gehörte die Bühne dann den Schlurbis und ihrem Hästanz, bevor alle Akteure zum großen Finale geladen wurden und die Gugge die lange Zunftnacht einläutete. Ines Bode