So vertreibt man richtig den Winter: „Krütsköpf“ weihten Kinder in die Kunst des Scheibenschlagens ein
Mit dem Scheibenschlagen wird im Breisgau traditionell der Winter vertrieben. Die „Krütsköpf“, die das Ereignis am Wochenende in Mundingen organisierten, hielten sich an das Versprechen. Tatsächlich lässt der Frühling seither endlich wieder sein blaues Band durch die Lüfte flattern.
Auf dem idyllisch gelegenen „Schiebebuck“ zwischen Kindergarten und Wöpplinsberg hatten die Mitglieder der Zunft wieder ihr bewährtes Setting aufgebaut. Oben auf der Kuppe stand ein großes Partyzelt, davor befand sich der Essensbereich mit Grillwagen und Flammkuchenofen. Weiter unten konnten die Gäste an zwei Feuerstellen ihre Holzscheiben zum Glühen bringen. Danach führte der Weg zu den acht Scheibenbänken, wo die Flugobjekte mit lautstarken „Schibii-Schiboo“-Rufen in Richtung Tal geschleudert wurden.
Weil das Wetter mitmachte, war bereits das „Warm-Up“ am Freitag gut besucht. Nach Einbruch der Dunkelheit herrschte Hochbetrieb auf dem „Schiebebuck“. Zu Hunderten segelten die Glühscheiben talabwärts in Richtung Dreschischopf. Dazwischen pflegten die Besucher das kommunikative Miteinander – erst auf den Sitzbänken am Lagerfeuer, später bei Partymusik im Zelt. Die milde Nacht sorgte für eine lange Verweildauer. Vor allem die „Krütsköpf“ selbst nutzten die Gelegenheit, um zu feiern.
Zu einem Großereignis wurde das Scheibenschlagen am Samstag. Gegen 15.30 Uhr spazierten die ersten Familien den steinigen Feldweg hinauf, um beim Kinderscheibenschlagen mitzumachen. Für zehn Euro konnten sie am Eingang bei Jugendleiterin Rebecca Jäger ein Set bestehend aus Haselnussstock, drei Holzscheiben, Grillwurst und Getränk erwerben. Zum Paket gehörte außerdem ein Crash-Kurs im Scheibenschlagen mit Theorie- und Praxisteil. Wegen des Andrangs musste dieser etwa 15 Minuten später beginnen.
Auf einem Anhänger stehend wiesen Tobias Haas (Vorstand Festbetrieb) und Thomas Gerber rund 160 (!) angemeldete Kinder zunächst in die Kunst des Scheibenschlagens ein. Wie toll sie das taten, konnte man an den gebannten Gesichtern der jungen Gäste ablesen. Anschließend standen die Mitglieder der „Krütsköpf“ an den Scheibenbänken bereit und zeigten den Kindern die Technik. Erklang ein Pfiff, musste kurz aufgehört werden. Dann durften die kleinen Teilnehmer ihre verschossenen Scheiben wieder einsammeln.
Auch am zweiten Tag wurde bis in den späten Abend hinein gefeiert. Für die Mundinger „Krütsköpf“, die das Ereignis seit 1993 jedes Jahr organisieren, war das Fest ein riesiger Erfolg. Punkten konnte die Zunft einerseits mit dem Wetter und einem der schönsten Scheibenbuckel der Region. Anderseits war es beeindruckend mitzuerleben, mit wie viel Herzblut die Mitglieder diesen faszinierenden Brauch an die nächste Generation weitergeben. Familien mit Kindern, die noch nie dort waren, sollten sich den Termin für 2027 vormerken.
Text und Fotos: Daniel Gorzalka

