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Ein Abo für 45 Kreuzer: Vor 160 Jahren erschien in Emmendingen erstmals der „Hochberger Bote“

Zeitunglesen hat in Emmendingen Tradition. Mit der Badischen Zeitung und dem Emmendinger Tor gibt es in der Großen Kreisstadt zwei beliebte Printmedien. Den Grundstein legte vor 160 Jahren der „Hochberger Bote“.

 Am 28. April 1866 brachte Albert Dölter, der in der Karl-Friedrich-Straße einen eigenen Verlag betrieb, die erste vierseitige Ausgabe des „Hochberger Boten“ heraus. Mit seinem Team informierte er die Menschen in Emmendingen dreimal pro Woche über die Ereignisse in der Region. Das Drei-Monats-Abo war mit 45 Kreuzern relativ erschwinglich. Zum Vergleich: für eine Kutschfahrt im Gesellschaftswagen von Emmendingen nach Suggental musste man damals 30 Kreuzer hinlegen – hin und zurück wohlgemerkt.

Auf den 160. Geburtstag des „Hochberger Boten“ machte am Donnerstag das Stadtarchiv aufmerksam. Im Rahmen eines Pressgesprächs zeigten Leiterin Juliane Geike und die Auszubildende Lea Wissing einige Originalausgaben des 25 mal 35 Zentimeter kleinen Blattes. Gleichzeitig nutzten die beiden die Gelegenheit, um für die digitale Datenbank des Stadtarchivs zu werben. Während der Corona-Zeit wurde die von der Stadt gesammelten Ausgaben komplett digitalisiert. Auf der Internetseite können sie als PDF heruntergeladen werden.

„Gerade in den Werbeanzeigen steckt viel unbeabsichtigte Geschichte – das Stöbern in den Ausgaben ist so interessant, dass man oft vergisst, was man eigentlich gesucht hat“, erzählte Geike. Der „Hochberger Bote“ sei nicht die erste Zeitung in Emmendingen gewesen. Schon 1858 habe Mendel Auerbach, jüdischer Lehrer und Wirt des Gasthauses „Schwanen“ (später „Gasthaus Fuchsen“) das „Echo aus dem Breisgau“ herausgebracht. 1863 sei zudem „Der Elzbote“ erschienen.

Dauerhaft auf dem Markt hielt sich jedoch nur der „Hochberger Bote“. Generationen von Lesern informierten sich darin über lokale Ereignisse, das Vereinsleben und kommunale Entscheidungen. Schon 1894 erschien die Zeitung sechsmal pro Woche. Sieben Jahre später wurde der „Hochberger Bote“ in „Breisgauer Nachrichten“ umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt lag die Auflage bei  5.000 Exemplaren. 1946, also nach dem 2. Weltkrieg, gingen die „Breisgauer Nachrichten“ in der „Badischen Zeitung“ auf.

„Dass die Stadt Emmendingen die Zeitungen über 160 Jahre gesammelt hat, ist ein großes Glück“, sagte Geike. Einen offiziellen Auftrag, sie aufzubewahren und zu binden, habe es nie gegeben. Interessant: Noch weiter zurück reiche der Fundus an Unterlagen aus dem Stadtrat. Im Archiv finde man sämtliche Protokolle bis 1701 – und zwar lückenlos. Danach sei jedoch Schluss. „Das Protokoll von der Stadtgründung im Jahr 1590 existiert leider nicht mehr – es ist davon auszugehen, dass es dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer fiel“, so die Archivarin.

Text: Daniel Gorzalka / Bilder: Stadtarchiv Emmendingen