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Erfolgstipps aus der Sporttasche: Nils Petersen besuchte das Wirtschaftsnetzwerk Denzlingen

Am Donnerstagabend schrieb der SC Freiburg Geschichte. Erstmals gelang dem Verein der Einzug in das Endspiel der Europa-League. Nicht im Stadion war Nils Petersen. Der Rekordjoker des Clubs bejubelte den 3:1-Sieg ĂŒber Sporting Braga im Denzlinger Einbollenstadion.

Dorthin hatte ihn das Wirtschaftsnetzwerk Denzlingen zu einem Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion eingeladen. Da Petersen den Unternehmern schon Monate vor der Spielansetzung sein Kommen zugesichert hatte, hielt er sein Versprechen. Bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn betrat der 37-jĂ€hrige den glĂ€sernen VIP-Saal, schĂŒttelte wie selbstverstĂ€ndlich jede Hand, tauschte sich aufmerksam mit dem zustĂ€ndigen Medientechniker aus und baute auf der kleinen BĂŒhne dann in aller Ruhe den Laptop mit seiner PrĂ€sentation auf.

Um 19 Uhr waren alle 60 StĂŒhle besetzt. Neben Gewerbetreibenden aus Denzlingen, die dem Netzwerk angehören, war auch BĂŒrgermeister Fabian Nitz gekommen. Nach den BegrĂŒĂŸungsworten des Vorsitzenden Andy Tym ĂŒbernahm Moderator Wolfgang Koch das Mikrofon. „Die verĂ€nderten Rahmenbedingungen fĂŒr die Wirtschaft sind lĂ€ngst auch bei den regionalen Unternehmen angekommen – einer, fĂŒr den das Reagieren auf VerĂ€nderungen zur eigenen DNA wurde, ist Nils Petersen“, setzte dieser das Thema fĂŒr den Abend.

Mit einer roten SC Freiburg-Kicktasche in der Hand betrat Petersen die BĂŒhne. Dabei erklang Beifall. „Schön, dass ihr nach drei Jahren noch immer Bock auf mich habt“, zwinkerte er. Dass er nun nicht mehr im Team, sondern allein auf der BĂŒhne stehe, daran mĂŒsse er sich gewöhnen. Eigentlich habe er nie vorgehabt, Fußballprofi zu werden. Nichts im Leben sei bis ins Letzte planbar. Er sei seiner Passion gefolgt und habe sich immer kleine Ziele gesteckt. Auf diese Weise habe er die VerĂ€nderungen bewĂ€ltigt. Zudem sei er diszipliniert gewesen und habe auch das richtige Umfeld gehabt.

Seine mitgebrachte rote Tasche benutzte Petersen als Metapher. Aus ihr packte er nach und nach persönliche GegenstĂ€nde aus, anhand derer er seine Erfolgsgeheimnisse preisgab. Dabei zog immer wieder Parallelen zum Unternehmerleben. Sein SC-Trikot mit der Nummer 18 stehe fĂŒr „Identifikation und Kultur“, das weiße Adidas-Kickschuhpaar fĂŒr „Bodenhaftung“, das Schienbeinschoner-Set fĂŒr „Resilienz“, die silberne Olympiamedaille fĂŒr „Wettbewerb“, ein GlĂŒckbringer fĂŒr „Vertrauen und Umfeld“, die Pfeife fĂŒr „FĂŒhrung und Perspektivwechsel“, der Vertrag fĂŒr „Sicherheit“ und die Banane fĂŒr „gute ErnĂ€hrung und einen gesunden Lebensstil“.

Auf ein Mitbringsel ging der Rekordjoker nĂ€her ein – nĂ€mlich sein Notizbuch. „Ich schreibe jeden Tag darin meine Gedanken auf“, berichtete er. Diese innere Reflexion sei wichtig fĂŒr ihn. Dadurch bekomme er das GefĂŒhl, mit sich selbst zu kommunizieren. „2018 hatte ich meine schwierigste Phase – die Leichtigkeit war weg, ich konnte nicht mit Druck umgehen und litt unter Schlafstörungen“, erzĂ€hlte Petersen offen. Er habe daher entschieden, eine Therapie zu machen. Dabei habe er autogenes Training absolviert und gelernt, zu schreiben. „Schade eigentlich, dass ich das nicht frĂŒher gemacht habe“, so Petersen.

Als kompetenter TV-Experte, authentischer Buchautor und engagierter Amateurkicker bei den SF Oberried 2 ist der 37-jĂ€hrige Ex-Profi nach wie vor ein gefragter Mann. Er spiele derzeit mit dem Gedanken, die Fußballlehrerausbildung zu absolvieren. Was an dem Abend von Petersen vor allem hĂ€ngen blieb, war seine Offenheit in jedwede Richtung. Drei Jahre nach dem Karriereende erkundet der Ex-Profi bewusst die TellerrĂ€nder dieser Welt.

Zu spĂŒren war dies einerseits bei der anschließend Podiumsdiskussion mit Rathauschef Fabian Nitz sowie den Unternehmern Daniel Burger und Hermann Linder. Darin hörte der Ex-Profi auch bei politischen Themen aufmerksam zu. Anderseits sah sich Petersen das bislang bedeutendste Spiel seines SC Freiburg mit bis dato wildfremden Denzlinger Unternehmern an. „In zehn Tagen kicke ich hier mit Oberried 2“, hatte er schon bei seinem Vortrag gesagt.

 

Text und Fotos: Daniel Gorzalka