„Waldkirch ist meine zweite Heimatstadt“
Waldkirch (db). „Waldkirch ist jetzt meine zweite Heimatstadt. Durch die Ehrenbürgerschaft fühle ich mich jetzt noch enger mit ihr verbunden. Es lebe die Freundschaft zwischen Waldkirch und Sélestat“, so ein sichtlich berührter Marcel Bauer, der am Samstag im Rahmen eines Festaktes im Pfarrsaal als erster „Nicht-Waldkircher“ zum Ehrenbürger der Orgelstadt ernannt wurde.
Bereits am Vormittag nahm die 22-köpfige Delegation aus der französischen Partnerstadt anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft an einem ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche teil, gefolgt von einer Führung durch das Elztalmuseum. Gegen Nachmittag folgte dann der große Festakt im gut gesuchten kath. Pfarrsaal im Beisein u.a. von „Hausherr“ Pfarrer Thomas Braunstein, Landrat Hanno Hurth und Jürgen Mack (geschäftsführender Gesellschafter, Europa-Park Rust).
OB Michael Schmieder würdigte die „Diamantene Hochzeit“ der Städtepartnerschaft und ging auf die wechselvolle Historie der deutsch-französischen Freundschaft (u.a. Elysée-Vertrag 1963, Rede von de Gaulles an die Jugend 1962 in Ludwigsburg) ein. Auch erinnerte an die Anfänge der Partnerschaft in den 1960er Jahren (u.a. Besuch von 80 Schlettstädter von dortigen Männerwerk am Waldkircher Patrozinium 1962, Waldkircher Schülerausflüge nach Sélestat) sowie an die Unterzeichnung des Partnerschaftsversprechens vor 60 Jahren durch die damaligen Bürgermeister Maurice Kubler (Sélestat) und Ernst Prestel (Waldkirch).
„Beide Bürgermeister betonten in ihren Reden die Notwendigkeit, ein vereintes Europa von der Basis aus zu schaffen. Der noch so kleine Baustein sei dabei wertvoll für das Gesamtwerk“, zitierte der OB, der auch an die Einweihung des Europabrunnens in der Allee erinnerte. Mittlerweile funktioniere er auch Dank der finanziellen Mittel des Europa-Parks wieder ganz hervorragend. Die Mehrheit der Europäer vertraue aktuell der EU, vor allem junge Menschen, zitierte der OB aus dem aktuellen „Eurobarometer“. In reichlich wirren und herausfordernden Krisenzeiten werde die EU von sehr vielen Menschen als „Fels in der Brandung“ empfunden, so der OB.
Vereine als „Schwungrad“„Das bestätigt uns, dass unsere Partnerschaft auch mit 60 Jahren, ebenfalls nicht in Rente gehen darf, sondern im Fluss bleiben muss“, so Schmieder. In sechs Jahrzehnten seien aus Partnern echte Freunde geworden. Der OB hob nochmals den Deutsch-Französischen Kreis Waldkirch-Sélestat explizit hervor. Deren Einsatz ging 2026 nach mehr als 30 Jahren mit einer Spendenübergabe zu Ende. Der CFA sei 1992 von Hildegard Neulen-Hüttemann gegründet worden und habe zeitweise über 100 Mitglieder gehabt. Das jetzige Jubiläum wertete er als „Schwungrad“ für die künftige Aktivitäten beider Städte, gerade für die jüngere Generation. Besonders lobte er die Verdienste der Vereinswelt für die Beständigkeit und Stabilität dieser gewachsenen Partnerschaft. Er und sein Amtskollege Denis Digel, neuer Bürgermeister von Sélestat, erneuerten hiernach mit ihrer Unterschrift das Partnerschaftsversprechen. „Unsere 60-jährige Partnerschaft ist ein Gemeingut. Nun gilt es, diese geerbte Freundschaft weiterzuführen und an die jüngere Generation weiterzugeben. Es lebe Waldkirch, es lebe Sélestat und die deutsch-französische Freundschaft“, so Digel. Es folgte der wechselseitige Austausch von zahlreichen Geschenken, Fotos und Gemälden.
„Leuchtturm der PartnerschaftAls erster „Nicht-Waldkircher“ wurde hiernach Marcel Bauer die Ehrenbürgerwürde verliehen (einstimmiger Beschluss des Gemeinderates). Schmieder würdigte dessen „herausragenden und bleibenden Verdienste um die Stadt Waldkirch“ sowie die gesamte Städtepartnerschaft und überreichte ihm die entsprechende Urkunde. „Lieber Marcel, damit gehörst du endgültig zu uns“, so der OB. Künstler Hans Hoch überreichte Bauer zudem sein Portraitgemälde. Der OB skizzierte in Zahlen und Fakten die gesamte Vita des langjährigen Bürgermeisters der elsässischen Stadt (seit 2001) und kam zum Schluss: „Marcel unterstützte die deutsch-französische Freundschaft und den europäischen Gedanken von Herzen und mit großer persönlicher Hingabe“. Es sei ihm stets ein wirkliches Anliegen gewesen, „dass die Menschen beider Städte zusammenkommen, sich begegnen, sich für das Leben der jeweils anderen interessieren und letztendlich füreinander da sind“. Mit seiner Haltung sei er ein echter „Leuchtturm“ für die Freundschaft gewesen und für alle Waldkircher sei er immer „der bekannteste Schlettstädter“ gewesen. Schmieder erinnerte an unzählige gemeinsame Aktionen, Feiern und Feste (u.a. Sprachenfeste). 2016 habe ihm die Stadt bereits den Ehrenring verliehen. Standing Ovation für den 77-jährigen Ehrenbürger. Zu den ersten Gratulanten gehörten die anwesenden Ehrenbürger OB i.R. Richard Leibinger (auch Ehrenbürger von Sélestat), Helmut Hummel und Prof. Wolfram Wette. Bauers langjähriger Weggefährte und Freund Richard Leibinger erinnerte an zahllose gemeinsame Aktivitäten (u.a. Sprachenfeste, Waldkircher-Euro-Initiative 1996) und überreichte seinem langjährigen Amtskollegen spürbar berührt u.a. ein Gemälde von Rudolf Riester.
Voller Freude und sichtlich berührt dankte Bauer hiernach für diese hohe Auszeichnung, die er mit „Stolz und großer Ehre entgegen nehme“. Mit seinem typischen „elsässischen Slang“ gab er anschließend noch einige Anekdoten und Geschichten beidseits des Rheins zum Besten, dankte allen Beteiligten, betonte die Wichtigkeit der Vereinswelt und benannte vor allem auch die großen Verdienste von OB i.R. Leibinger. Mit dem Eintrag in das Goldene Buch (u.a. auch mit den Künstlern Hoch und Kienzler, Landrat Hurth und allen Ehrenbürgern) endete dieser Festakt, der von Theresa Joos und Anni Bär (Musikschule) an der Harfe musikalisch umrahmt wurde. Die in Waldkirch lebende Lyrikerin Eva-Maria Berg bereicherte die Feierstunde zudem zweisprachig mit einer Auswahl ihrer Gedichte und Texte rund um den gemeinsamen und auch trennenden Fluss Rhein.
