Hoffnung auf einen Neuanfang: Redakteur Thomas Gaess blickt auf das anstehende Jahr 2026
Ein weiteres Krisenjahr ist zu Ende gegangen und noch ist kein Ende in Sicht. Die Kriege in der Ukraine und in Nahost gehen trotz intensiver Friedensverhandlungen weiter und die deutsche Wirtschaft kommt obgleich eines milliardenschweren Infrastrukturprogramms nicht in Gang. Was wird uns das Jahr 2026 bringen? Im März wird der baden-württembergische Landtag neu gewählt und im Landkreis stehen fünf Bürgermeisterwahlen an. Familien, Gastronomen und Ehrenamtliche dürfen sich über Steuererleichterungen freuen.
Haben die schwarz-rote Koalition und unsere Landesregierung die richtigen Schwerpunkte gesetzt, um Bund und Land in einer Zeit mit großen geopolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen nach vorne zu bringen? Am 8. März steht in Baden-Württemberg eine richtungsweisende Landtagswahl an, bei der gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte, darunter rund 650.000 Erstwahlberechtigte, zum Urnengang aufgerufen sind. Durch das reformierte Wahlrecht erhält jede/r Wähler/in erstmals zwei Stimmen statt einer. Mit der Erststimme werden wie bisher die Kandidierenden aus dem Wahlkreis (Direktmandat) gewählt, die Zweitstimme entscheidet darüber, wie viele Sitze die jeweilige Partei im Landtag erhält. Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige zur Wahl gehen. Man darf gespannt sein, wie sich die Kräfteverhältnisse nach der Wahl präsentieren werden und wer Ministerpräsident Winfried Kretschmann nachfolgen wird? Laut einer Umfrage des Instituts Infratest dimap vom 16. Oktober 2025 läge die CDU bei der Wahl vorne mit 29 %, die AfD käme auf 21 %, die Grünen auf 20 % und die SPD auf 10 % der Stimmen.
BürgermeisterwahlenAuch im Landkreis und im ET-Gebiet wird gewählt. Fünf Bürgermeisterwahlen stehen an. Im Malterdinger Rathaus wird der Chefsessel neu besetzt. Nach 32 Jahren geht Amtsinhaber Hartwig Bußhardt, dienstältester Bürgermeister im Kreis Emmendingen, in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Amtszeit endet am 3. Oktober 2026 und am 5. Juli wählen die Bürger/innen seine/n Nachfolger/in. Den Auftakt der Bürgermeisterwahlen macht die Gemeinde Biederbach am 18. Januar. Amtsinhaber Rafael Mathis, einziger Bewerber, wird das Dorf im Zweitälerland also auch die nächsten acht Jahre führen. Drei Wahlen am Kaiserstuhl: Die Bürgermeister Tobias Metz (Endingen) und Daniel Kietz (Riegel) streben in ihren Kommunen eine zweite Amtszeit an und Bahlingens Gemeindeoberhaupt Harald Lotis will bei der Wahl am 14. Juni 2026 den Grundstein für eine vierte Amtszeit im Winzerdorf legen. Bei der Einwohnerversammlung Ende November gab er seine Kandidatur bekannt. Lotis war 2002 erstmals zum Bahlinger Bürgermeister gewählt und 2010 sowie 2018 im Amt bestätigt worden, zuletzt mit 63,3 Prozent gegen drei Mitbewerber.
Eine Viertelmilliarde Euro für BöllerAn Silvester wurde das neue Jahr mit Unmengen an Knallkörpern, Böllern und Raketen euphorisch begrüßt. Die Feuerwerksbranche darf sich freuen, denn die Kassen klingelten. Der Umsatz für Böller erreichte einen neuen Rekordwert. Eine Viertelmilliarde Euro für Feuerwerkskörper? So schlecht kann es uns also nicht gehen. Sind die Käufer dieselben, die sich ständig über hohe Preise und Inflation beschweren? Und was sagt das über unsere Ängste aus? Die Silvester-Feuerwerke wurden wieder von massiven Ausschreitungen, Exzessen, Sach- und Brandschäden sowie Gewalt gegen Einsatzkräfte begleitet. Allein in Berlin gab es über 430 Festnahmen. Mal abgesehen von Krach, Zerstörungswut und Gewalt, wer denkt beim Jahreswechsel eigentlich an Klimaschutz, Müll oder stark gestresste Haus- und Wildtiere? Anfang Dezember 2025 drängte ein Bündnis aus 55 Organisationen auf ein bundesweites Verbot privater Feuerwerke. Auch der Naturschutzbund (NABU) fordert ein Böller-Verbot. Unsere Nachbarländer machen es vor: In Frankreich, Österreich, in der Schweiz, in Italien und ab nächstem Jahr auch in den Niederlanden wird privates Feuerwerk an Silvester streng geregelt oder untersagt.
Was ändert sich im neuen Jahr?Zum Jahresbeginn 2026 treten zahlreiche Neuerungen in Kraft: Der Mindestlohn steigt deutlich von bislang 12,82 Euro auf 13,90 Euro brutto, die Minijobgrenze wird angepasst (von 556 auf 603 Euro) und Familien erhalten spürbare Entlastungen bei Kindergeld und Steuerfreibeträgen. Sinkende Stromkosten sollen private Haushalte und Unternehmen entlasten. Auch Gastronomen und Rentner können sich freuen. Der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent auf Speisen (bisher 19 %) wird dauerhaft eingeführt. Dass die Steuererleichterung an die Gäste weitergegeben wird, ist aber eher unwahrscheinlich. Im Juli ist die nächste Rentenanpassung geplant. Nach aktuellen Prognosen dürften die Renten um etwa 3,7 Prozent steigen. Neu eingeführt wird die Aktivrente, die Arbeiten nach dem gesetzlichen Regelrentenalter attraktiver machen soll. Wer freiwillig weiterarbeitet, erhält seinen Arbeitslohn in Höhe von bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei. Auch ehrenamtlich Tätige sollen von einer spürbaren steuerlichen Entlastung durch die Anhebung der Ehrenamtspauschale auf 960 Euro jährlich sowie der Übungsleiterpauschale auf 3.300 Euro profitieren. Neuer Wehrdienst: Ab Januar 2026 wird bei allen 18-jährigen die Motivation und Eignung für den Dienst bei der Bundeswehr abgefragt. Für Frauen ist die Teilnahme freiwillig. Für die Männer wird es ab Juli 2027 eine flächendeckende Musterung geben.
Was nehmen sich die Deutschen für 2026 vor?Mit dem Jahreswechsel verbinden viele Menschen die Hoffnung auf einen Neuanfang. Auch für 2026 nehmen sich zahlreiche Deutsche vor, ihr Leben bewusster zu gestalten und alte Gewohnheiten zu überdenken. Dabei steht die gesunde Lebensweise an erster Stelle: Mehr bewegen, gesunder ernähren oder mit dem Rauchen aufhören. Ebenso wichtig sind soziale Beziehungen und finanzielle Stabilität. Mehr Zeit für sich selbst, für Familie und Freunde, mehr persönliche Gespräche und weniger Zeit in sozialen Netzwerken verbringen. Von zentraler Bedeutung ist auch die finanzielle Situation. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten wollen viele 2026 sparsamer sein, bewusster konsumieren und Rücklagen bilden, kurzum nachhaltiger leben. Berufliche Ziele stehen ebenso im Fokus: Weiterbilden, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Bedürfnissen finden (Work-Life-Balance) und beruflich neue Wege gehen. Auch Sinnhaftigkeit im Beruf und flexible Arbeitsmodelle liegen im Trend. Und nicht zuletzt gewinnen gesellschaftliche und ökologische Vorsätze an Bedeutung: Sich stärker für Klimaschutz engagieren, den eigenen CO₂-Fußabdruck reduzieren oder sich ehrenamtlich einzusetzen.
Sportliche HighlightsNicht zu vergessen die sportlichen Highlights im Jahr 2026. Den Auftakt machen wie immer die Handballer. Das DHB-Team um Alfred Gislason will bei der Handball-Europameisterschaft vom 15. Januar bis 1. Februar 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen das Halbfinale erreichen. Ein ambitioniertes Ziel zumal schon in der Vorrundengruppe mit Spanien, Serbien und Österreich starke Gegner warten. Die DHB-Sieben startet am 15. Januar in Herning (Dänemark) gegen Österreich ins Turnier. Am 11. Juni 2026 (bis 19. Juli) beginnt die Fußballweltmeisterschaft der Männer, die erstmals in drei Ländern – USA, Mexiko und Kanada – sowie erstmals mit 48 Mannschaften (Rekordturnier) ausgetragen wird. Das DFB-Team um Chefcoach Julian Nagelsmann trifft in der Vorrunde auf die Mannschaften aus Curacao, Ecuador und der Elfenbeinküste. 15 verschiedene Anstoßzeiten sorgen bei TV-Verantwortlichen und Fans bereits im Vorfeld für Ärger. Bei den Vertragsverhandlungen war noch von vier verschiedenen Anstoßzeiten die Rede. Nun sollen die Spiele in Nordamerika in der Zeit von 18 Uhr bis 6 Uhr morgens (MESZ) angepfiffen werden. Nicht zu vergessen die 25. Olympischen Winterspiele, die vom 6. bis 22. Februar 2026 in Mailand und Cortina d’ Ampezzo stattfinden werden. Natürlich wird auch hierzulande in Hallen und auf Fußballplätzen gespielt. Handball-Drittligist SG Köndringen/Teningen startet am 17. Januar mit einem Heimspiel gegen den TuS Fürstenfeldbruck in die Rückrunde und will die Klasse halten. Fußball-Verbandsligist FC Teningen, bis dato unangefochtener Tabellenführer, hat den Aufstieg in die Oberliga im Blick und die Kicker aus dem benachbarten Emmendingen, die 2025 in die Landesliga aufgestiegen sind, wollen in der Rückrunde die nötigen Punkte für den Ligaverbleib holen.
Thomas Gaess
