Duell auf dem Podium: Reutes Bürgermeister-Kandidaten Rafael Kuliberda und Markus Degen trafen direkt aufeinander
Reute wählt am 25. Oktober einen neuen Bürgermeister: Zum ersten Mal seit 1997 Jahren gab es am vergangenen Donnerstag wieder eine Kandidatenvorstellung zwischen zwei Bürgermeisterkandidaten, die sich den Fragen der Bürgern stellten. Der Amtsinhaber Michael Schlegel begrüßte das Publikum in der voll besetzten Eichmattenhalle, in die zwischen 800 und 900 Personen gekommen waren.
Nach rund 30 Jahren beginnt in Reute eine neue Ära: Rafael Kuliberda und Markus Degen wollen Bürgermeister der Gemeinde werden, Amtsinhaber Bürgermeister Schlegel hört auf. In der Eichmattenhalle kam es am vergangenen Donnerstagabend zum Kandidaten-Duell zwischen zwei hochkarätigen Kandidaten.
Den Anfang machte Rafael Kuliberda. Der 29-Jährige, geboren und aufgewachsen in Reute, habe seine Kindheit und Jugend in den dortigen Vereinen verbracht. Der Polizist ist seit drei Jahren als parteiloses Mitglied im Gemeinderat tätig, studiert im Fernstudium Rechtswissenschaft. Sein Alter, das einige kritisch beäugen könnten, sehe er als Vorteil: „Was ich in meiner Amtszeit anstoßen kann, kann ich auch zu Ende bringen“, so Kuliberda. Unbequeme Behördengänge wolle er vereinfachen, auch wisse er um die schwierige Situation in den Kommunen: „Reute hat keine unbegrenzten Mittel und ich werde Ihnen auch nicht das Gegenteil versprechen“, so Kuliberda. Einen Fokus lege er auf Barrierefreiheit, ein selbstständiges Leben im Alter, aber auch auf die Kinderbetreuung. Gewerbeflächen sollen gemeinsam mit den Betrieben weiterentwickelt werden, der ÖPNV und erneuerbare Energien stehen ebenfalls auf seiner Agenda.
Publikum stellt beiden Kandidaten dieselben Fragen
Auf Fragen zur Neuen Ortsmitte und deren Gestaltung hob Kuliberda die kurzen Wege hervor: „Ich finde es gut, wie es jetzt gestaltet ist“, so der 29-Jährige. Ein Fokus müsse weiterhin auf Wohnraumgewinnung liegen, aber auch die Finanzen der Gemeinde müssten kritisch beäugt werden. Ausgleichsflächen aus Freiburg zu holen, wie Vörstetten es vorgemacht habe, um Baugebiete schneller zu entwickeln, sei eine Option, die man sich genauer ansehen müsse. Aber: „Reute ist nicht Vörstetten“, so Kuliberda. Das Ehrenamt zu unterstützen sei ein großer Punkt in seinem Wahlprogramm. Auf den Einwand eines Fragestellers, dass er keine Führungsstruktur bei ihm sehe, entgegnete Rafael Kuliberda, führen zu können sei eine individuelle Sache. Durch seine Ausbildung habe er eine gute Grundlage für das, was er im Amt als wichtig erachte: Das Recht. Für sinnvoll halte er auch, den DRK-Ortsverein und die Feuerwehr auf Dauer zusammen unterzubringen.
Überzeugt, in Reute etwas bewirken zu können, zeigte sich Markus Degen. Auch Degen ist in Reute aufgewachsen und kennt die Vereine aus eigener Hand. Nach einem beruflichen Abstecher nach München, in dem der Professor für Informatik große, internationale Teams geleitet habe, kam Degen vor vier Jahren mit seiner Familie zurück nach Reute. Man müsse Kosten und Folgekosten im Auge behalten und stets transparent sein. Reute sehe er als gut aufgestellt: Nahversorgung, Kinderbetreuung und weiteres – „da beneiden uns andere Gemeinden drum.“ Hochwasserschutz,
Feuerwehrhaus, Kanalsanierung und die Entwicklung des Gewerbegebietes seien Themen, die die Sicherheit und Zukunft betreffen. Beim Gemeindehaushalt werde er genau hinschauen. Er schätze die Eigenständigkeit in Reute, die er auch in Zukunft behalten wolle.
Die Bürgerinnen und Bürger traten in der Fragerunde mit denselben Themen an den zweiten Kandidaten heran. Auf die Frage, wie man den DRK-Ortsverein unterbringen könne, gab Degen zu, keinen Plan parat zu haben, befürwortete aber ebenfalls wie Kuliberda die Option, DRK und Feuerwehr gemeinsam unterzubringen. Er sehe den Hochwasserschutz als eines der Kernthemen vorher könne man kein Gewerbegebiet und kein Feuerwehrhaus entwickeln. Die ersten 100 Tage seien keine Zeit für große Wahlversprechen, sondern wichtig, um sich zu sortieren und einen Überblick zu bekommen. Die Fasnet und das Ehrenamt wolle er zum Beispiel durch vereinfachte Genehmigungen unterstützen.
Finanzen als großer Faktor
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten sich beide Kandidaten gleichzeitig den Fragen des Publikums. Einsparpotential wolle man erkennen und nutzen, so Rafael Kuliberda auf die Frage, wie man die Visionen für Reute mit dem vorgegebenen finanziellen Rahmen umsetzen wolle. Markus Degen sagte, man müsse an den großen Posten ein Stück weit einsparen, nicht an den kleinen Dingen. Im Rathaus sehe Degen bereits ein gut aufgestelltes Team, allerdings müssten auch jetzt schon viele Sachen synchron behandelt werden. Das Ziel dürfe auf Dauer nicht mehr sein, sieben Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, sondern diese auch ablegen zu können. Kuliberda lobte das Miteinander in der Verwaltung und wolle dafür sorgen, dass Kompetenzen gefördert und genutzt werden. Immer mehr Zuständigkeiten liegen bei der Verwaltung, so Kuliberda, sodass man Kapazitäten möglichst gut nutzen müsse. Auch für den Klimaschutz interessierte sich das Publikum: Dachflächen wollten die Kandidaten mit Solar ausstatten. Kuliberda warf das Thema Geothermie auf, Degen wünscht sich mehr öffentliche E-Ladesäulen.
Das Dauerbrennerthema Feuerwehrhaus kam auch bei der Kandidatenvorstellung mehrfach auf: Beide Kandidaten sahen das Thema als Pflichtaufgabe, an die man dringend ran müsse – gerade in der weltpolitischen Situation, so Kuliberda. Hier sahen beide Kandidaten auch das Sondervermögen des Bundes – immerhin 1,6 Millionen Euro. Weitere Kreditaufnahmen seien laut beiden trotzdem notwendig. Degen sah die Gemeinde bei der Pro-Kopf-Verschuldung gut aufgestellt und sehe auch eine Kreditaufnahme in den besagten Fällen nicht als kritisch an. Auch Kuliberda sah Finanzierungen als unumgänglich, man müsse jedoch bedenken, dass die Zinsen den nachfolgenden Generationen auf die Füße fallen könnten. Die Neue Ortsmittel sei derzeit vor allem ein Neubaugebiet, aber noch wenig, was es wirklich zu einem Zentrum mache, so Degen. Hier könnte das Bestandsgebäude der Feuerwehr eine Rolle finden.
Applaus gab es für Degens Aussage, er sei unglücklich darüber, wie die Kommunikation bezüglicher einer Flüchtlingsunterbringung nach dem Herbolzheimer Modell in Unterreute abgelaufen war. Gute Lösungen müsse man schnell betrachten und sonst bei dem Thema offen miteinander umgehen. Kuliberda betonte, dass es sich bei den Containern um eine Zwischenlösung handle. Er wolle mit den Bürgern frühzeitig ins Gespräch kommen und kommunizieren, was geplant ist.


Text und Fotos: Enya Steinbrecher
