„Weltoffene Metropole“: Leserinnen und Leser berichten von ihrer Reise zum Europa League-Endspiel nach Istanbul
Mit 0:3 verlor der SC Freiburg am Mittwochabend das Europa-League-Finale in Istanbul. Der englische Vertreter Aston Villa erwies sich dann doch als eine Nummer zu groß. Für die mehr als 11.000 Fans, die das Team an den Bosporus begleiteten, war es dennoch eine unvergessliche Reise. Unter ihnen befanden sich auch zahlreiche Menschen aus dem Verbreitungsgebiet. Hier schildern sie ihre Erlebnisse.
„In den türkischen Bars liefen plötzlich badische Lieder“

„Ich war mit meinen Kollegen von den Alten Herren der SG Wasser-Kollmarsreute Abteilung Kollmarsreute beim Endspiel. Wir sind schon ein paar Tage vorher von unterschiedlichsten Orten aus nach Istanbul geflogen und haben uns dann in der Stadt zusammengeschlossen. Dort hat man erstmal wahnsinnig viele Bekannte aus Emmendingen und der Umgebung getroffen. Es war wie ein großes Freundschaftstreffen in einer weltoffenen Metropole. Natürlich war das Endspiel selbst ein unglaubliches Erlebnis. Die steilen Ränge und die laute Atmosphäre im Besiktas-Stadion haben mich beeindruckt. Trotz der Niederlage war der Support leidenschaftlich. Die beiden Tore vor der Halbzeit dämpften die Stimmung leider etwas. Nach der Partie wurde trotzdem gefeiert. Was von der Reise vor allem hängenblieb, war die türkische Gastfreundlichkeit. Die Einheimischen waren sehr offen und haben mitgefeiert. In den Bars liefen plötzlich badische Lieder. Die Offenheit allen Kulturen gegenüber prägt diese Stadt. Dies hat sich auf die Fans übertragen – ob aus England oder Deutschland. Auffällig fand ich, dass die Aston Villa-Anhängerschaft fast ausschließlich aus Männern bestand. Die SC-Fans hingegen waren gemischt. Sogar Familien mit Kindern reisten mit. Für mich jedenfalls war der Tripp ein einmaliges Erlebnis.“
Ralf Armbruster, Kollmarsreute
„Nagelsmann und Völler saßen im gleichen Flieger“

„Für mich begann das Abenteuer am Mittwoch um 1.20 Uhr nachts mit der Fahrt zum Flughafen Frankfurt. Schon im Flieger war die Stimmung spürbar. Nach der Landung in Istanbul erreichte ich nach gut einer Stunde die Fanmeile – und dort begann das eigentliche Fußballerlebnis. Überall waren rot-weiße Farben zu sehen, aus allen Richtungen hörte man SC-Lieder und die Stimmung war einfach grandios. Besonders beeindruckt hat mich die herzliche Gastfreundschaft der Menschen vor Ort. Im Stadion angekommen hatte ich einen tollen Platz direkt hinter dem RTL-Kamerateam. Die Euphorie unter den Fans war riesig und alle hofften darauf, gemeinsam den Pokal feiern zu können. Das erste Gegentor trübte die Stimmung etwas, dennoch wurde unser Team bis zum Schluss lautstark unterstützt. Auch wenn es am Ende nur zum zweiten Platz reichte, bleibt dieses Finale für mich ein einmaliges Erlebnis. Nach dem Spiel ging es direkt zurück zum Flughafen. Dort blieb nur Zeit für etwa drei Stunden Schlaf, bevor schon der Rückflug anstand. Bundestrainer Julian Nagelsmann und Rudi Völler checkten ebenfalls ein und saßen sogar im gleichen Flieger. Zuhause angekommen ging es direkt weiter – um 19 Uhr begann bereits mein Nachtdienst. Trotz der kurzen Erholung war für mich klar: Diese Reise war es absolut wert. Noch schöner wäre die Reise natürlich gewesen, wenn meine Familie dabei gewesen wäre und ich zwei Tage länger Zeit gehabt hätte. Trotzdem werde ich diese besonderen Momente in Istanbul nie vergessen.“
Andreas Schieler, Mundingen
„Emmendinger Narrensitzung in einer türkischen Bar“

„Nachdem ich am Dienstagmorgen meinen Sohn in die Schule gebracht hatte, startete meine 60 Stunden-Tour zum Finale. Als Teil einer Dreier-Gruppe flog ich von Frankfurt aus nach Istanbul. Nach dem Check-In im Hotel machten wir abends erstmal eine VIP-Bosporus-Tour und erlebten diese eindrucksvolle Stadt bei Nacht. Die 80 Euro waren in Ordnung. Danach besuchten wir noch eine Bar, wo wir unter anderem auch SC-Fans aus Emmendingen trafen. In der Nacht vor dem Finale machten wir kaum ein Auge zu. Dies lag auch daran, dass sich unser Hotel mitten im Aston Villa-Hotspot befand. Für die Anhänger aus England war es nach 44 Jahren ohne europäischen Titel ebenfalls ein besonderes Spiel. Das spürte man in den vielen angenehmen Gesprächen. Am Mittwoch regnete es dann leider erstmal. Daher war auch das Fanfest mau besucht. Wir gingen stattdessen in eine Bar, trafen dort zufällig mehrere Mitglieder von Narrenzünften aus der Heimat und hielten dort in Bierlaune mit wildfremden Menschen eine kleine Emmendinger Prunksitzung. Vor dem Finale machten wir uns im Hotel nochmal frisch. Auf dem Weg ins Stadion trafen wir dann Rudi Völler und Andreas Rettig, die sofort ein Foto mit uns machten. Beim Endspiel selbst war die Stimmung einmalig. Die SC-Fans lieferten eine finalwürdige Performance. Natürlich ebbte es nach den zwei Toren von Villa etwas ab. Immerhin war das Ergebnis relativ klar – also nicht so wie vor vier Jahren beim DFB-Pokal-Endspiel in Berlin. Tags darauf sind wir zurückgeflogen. Für mich war es die Reise zum Finale ein einmaliges Erlebnis. Istanbul hat mir aber auch gezeigt, wie gut es uns in Deutschland geht. Neben prunkvollen Bauten sah man einsturzgefährdete Ruinen, kaputte Straßen und Kinder, die einen um 1 Uhr nachts auf den Straßen anbetteln.“
Patrick Metzger, Heimbach
„Der Jubel, als Noah Atubolu den Rasen betrat, hallt noch immer nach“

„Für sein riesiges Team buchte der SC Freiburg insgesamt vier Hin- und Rückflüge. An Bord waren alle Mitarbeiter – von Vorstand und Verwaltung bis hin zur den Beschäftigten der Fußballschule und der Frauenmannschaft. Als Sponsor durfte ich ebenfalls mitfliegen. Schon am Dienstagmorgen waren wir von Baden-Baden aus gestartet. Die Stimmung in dieser Reisegruppe, zu der viele Unternehmer aus Südbaden gehörten, war einzigartig. Schon mittags im Hotel sangen wir lautstark. Später schipperten wir über den Bosporus. Mit dabei waren auch die Ex-Spieler Johannes Flum, Daniel Schwaab und Nils Petersen. Der SC Freiburg hatte gleich mehrere Boote gebucht und alle Fans, die in Istanbul waren, zu einer kostenlosen Hafenfahrt eingeladen. Das fand ich eine tolle Aktion. Im Stadion war die Atmosphäre gigantisch. Der Jubel, als Noah Atubolu den Rasen betrat, hallt noch immer nach. Nach der Partie durfte ich bei der After-Hour dabei sein. In einer Disco wurde gefeiert. Dabei kamen auch die Spieler. Mit Chico Höfler teilte ich einige Erinnerungen an das Euro-League-Spiel in Estoril vor 13 Jahren. Damals war noch alles eine Nummer kleiner. Seinen familiären Charakter hat sich der SC Freiburg jedoch bewahrt. Das finde ich wichtig. Der SC ist ja für seine Zurückhaltung bekannt. In Istanbul durfte auch mal ein bisschen geträumt werden.“
Reinhold Kopfmann, Köndringen
