„Halt! Das ist unser Wald!“: Theater im Steinbruch setzt mit seinem Kinderstück ein Zeichen für den Klimaschutz
Zum Ende der 2010er-Jahre war die Klimaschutz-Bewegung in aller Munde. Nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Politik tat sich etwas. Dann kam Corona. Durch die Pandemie und die danach beginnenden Kriege geriet das Thema in den Hintergrund.
Und noch viel mehr als das. Autoritäre Staatschefs, die den Klimawandel leugnen, sind wieder salonfähig. Bei einer WM wird in vollklimatisierten Stadien gekickt. Und auch hier im Verbreitungsgebiet ist es wieder in, dass junge Menschen ins Flugzeug steigen, um sich auf Malle für drei Tage zu betrinken. Dabei vergegenwärtigt die Hitzewelle einmal mehr, wie wichtig es ist, dass etwas passiert. How do we sleep while our beds are burning?
Ein Zeichen diesbezüglich setzt das Theater im Steinbruch mit seinem diesjährigen Kinder- und Jugendstück „Aufstand der Waldtiere“. Darin wehren sich Bären, Füchse, Maulwürfe und viele weitere Bewohner des Waldes gegen den Bau einer Straße. Obwohl sie natürliche Feinde sind, schließen sie Frieden und tun sich zusammen. Angeführt von einer schlauen Waldfee (Pia Kesselring) schmieden sie einen Plan und wehren sich gegen die Mitarbeiter der zuständigen Baufirma.
Der Hase (Alin Rombach) sabotiert das Frühstück der Bauarbeiter, die Bärenkinder (Alin Rombach und Alexander Schlepp) bringen das Werkzeug durcheinander, der Maulwurf (David Wipfler) unterhöhlt den Bauwagen, der Biber (Belinda Grafmüller) setzt denselben unter Wasser und der als Oberförster verkleidete Bär (Janosch Hehr) erklärt die Baustelle wegen fehlender Genehmigungen für gesperrt.
Bei der nahezu ausverkauften Premiere am Sonntag erlebte das Publikum eine Inszenierung, die lange nachhallen dürfte. Die Regisseure Lorenz Allweyer, Lukas Kadlec und Pascal Jessen sowie das 30-köpfige Ensemble entfachten einerseits eine mitreißende Mischung aus Gewieftheit und Humor. Anderseits war die Solidarität unter den Waldtieren bis unters Tribünendach zu spüren. Szenen wie die Demo („Halt! Das ist unser Wald“) sorgten selbst bei 35 Grad für Gänsehaut. Und: den Schauspielern merkte man die Gluthitze nicht an. Was für eine Leistung!
Vor allem aber ist es gelungen, die Bedeutung des Klimaschutzes auf spielerisch-künstlerische Weise zu vermitteln. Als Tiere verkleidete Kinder und Jugendliche erklärten ihren Altersgenossen und deren erwachsenen Familienmitgliedern im Publikum, um was es in dieser Frage geht: das eigene Ego beiseitelegen, zusammenarbeiten, einen Plan aushecken und auch ein bisschen mutig und frech zu sein. Noch bis zum 2. August wird „Aufstand der Waldtiere“ 13 Mal aufgeführt. Tickets gibt es unter www.theater-im-steinbruch.de.
Text und Bilder: Daniel Gorzalka
