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Hemdglunker, Straßenfasnet und ein glitschiger Narrenbaum: die Wurzelgeister trieben in Freiamt ihr Unwesen

Die Freiämter Wurzelgeister werden immer mehr. In den letzten Jahren ist die Narrenzunft mit der knorrigen Larve, der gelben Wuschelfrisur und dem lila-schwarz-braunen Häs auf 160 aktive Mitglieder angewachsen. Hinzu kommen 40 Kinder und Jugendliche.

Dass es viele sind, konnte man letzte Woche beobachten. Schon am Schmutzige Dunschdig kamen Hunderte Häs- und Nachthemdträger nach Ottoschwanden und nahmen dort am Hemdglunkerumzug teil. Bei Regen und unangenehmen Windböen zog der Narrentross vom Heidhof durch die Hauptstraße bis zum Hof der ehemaligen Grundschule. Dort angekommen spielte zunächst der Musikverein ein Ständchen. Anschließend widmeten sich die Hästräger unter Trommelwirbel dem Aufstellen des Narrenbaums.

Nun, das erste Hochhieven verlief nicht ganz so elegant. Weil der Regen den frisch gehobelten Stamm glitschig gemacht hatte, rutschten die Wurzelgeister mit ihren Aufstellern immer wieder weg. Hinzu kam, dass sich der Wind oben in den Fahnen verfing und zu Luftverwirbelungen führte. Nachdem der erste Versuch gescheitert war, vergrößerte die Narrenzunft die Zahl der Helfenden. Hinten am Seil packten auch die umstehenden Feuerwehrleute mit an. Und mit drei gezielten Zügen rutschte der Baum in die Verankerung. Tusch!

Eindruck hinterließ dies auch bei Hannelore Reinbold-Mench. Die anwesende Bürgermeisterin händigte Zunftmeister Fabian Ruschke schnurstracks den Rathausschlüssel aus. „Die Kasse ist leer, was will ich noch mehr / Den Schlüssel könnt ihr haben, auch den zum Tresor / dort schaut kein Geld, nur ne hungrige Spinne hervor“ reimte das frisch entmachtete Gemeindeoberhaupt. Die Wurzelgeister hatten Mitleid: wegen des miesen Wetters kam Reinbold-Mench ausnahmsweise ohne das übliche Gaudi-Spiel davon.

Den Rest des Abends verbrachte das Freiämter Narrenvolk entweder im aufgestellten Partyzelt oder direkt in der Aula der Grundschule. Ähnlich verlief die Straßenfasnet am Fasnachtsfreitag, zu der sich die Wurzelgeister nach dem traditionellen Schnurren getroffen hatten. Hierbei wurde die Zunft von weiteren Vereinen unterstützt. Die Wurzelgeister jedenfalls hatten schon an den ersten beiden Fasnachtstagen ihren Pflichtteil hinter sich gebracht. Ab Samstag konnte in den anderen Gemeinden frei weitergespukt werden.

Text und Bild: Daniel Gorzalka