Pragmatismus und Synergien: Kreisfeuerwehrverband nimmt den Zivil- und Bevölkerungsschutz in den Blick
Im Freiämter Kurhaus fand am Freitag die Hauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbands statt. Im Beisein von 300 Kameraden aus 24 Städten und Gemeinden wurde intensiv auf das vergangene Jahr zurückgeblickt. Zudem hielt Nico Zimmermann eine wichtiges Plädoyer.
In seiner halbstündigen Rede sprach der 45-jährige Vorsitzende die Themen an, die die Wehren im Kreis umtreiben. „Mein letzter Bericht stand noch im Zeichen der Vorbereitung auf die zunehmend volatilen Zeiten“, sagte er. Verbunden habe er dies damals mit einem Appell an die Kommunen, sich mit ihrem Krisenmanagement zu befassen. Heute müsse man feststellen, dass man „mittendrin“ sei. Die letzten Wochen hätten „gezeigt, wie einzelne Personen globale Pulverfässer entzünden können“.
„Die Politik hat, wenn auch mit Verzögerung, den Ernst der Lage erkannt und ergreift jetzt Maßnahmen, die den Zivil- und Katastrophenschutz auf ein völlig neues Niveau heben“, so Zimmermann. Als Feuerwehr gehe es nun darum, die Gunst der Stunde zu nutzen. In Zusammenarbeit mit den Kommunen, den Behörden und den politischen Entscheidungsträgern gelte es, die Feuerwehr zukunftsfähig auszustatten, um sie für den Ernstfall bestmöglich vorzubereiten.
Bezüglich des „Wie“ gab der Vorsitzende ebenfalls Hinweise. Exemplarisch nannte er die Feuerwehrhäuser. Im Kreis entstünden derzeit sieben neue Gebäude. Statt Bürokratie brauche es mehr Pragmatismus. „Wir bauen keine Flughäfen, keine Philharmonien, keine Prestigeobjekte. Wir brauchen Fahrzeugstellplätze und ein Zuhause für unsere Kameraden“, so Zimmermann. Europaweite Ausschreibungen, energetische Bewertungen und weitere Regularien seien Zeitfresser und Kostentreiber.
Bezüglich der Infrastruktur schlug Zimmermann vor, die kreisweite Zusammenarbeit zu intensivieren. Vorbereitet zu sein heiße auch, Synergien zu nutzen. Dies beginne beim Atemschutzprüfkopf, gehe über das Vorhalten von Tauchpumpen oder Schlauchwaschanlagen und reiche bis zu den Fahrzeugen. „Diesbezüglich müssen wir unser Kirchturmdenken überwinden“, so der Vorsitzende. Ein weiteres Thema sei das Personal. Es brauche „klare Regeln, dass Feuerwehrangehörige im Spannungs- oder Verteidigungsfall nicht zum Wehrdienst eingezogen werden“.
Den Kreisfeuerwehrverband sieht Zimmermann als Mittler für diese Synergieprozesse. Schon vor drei Jahren habe man die Verwaltungssoftware „MP Feuer“ eingeführt. Mittlerweile werde das Programm von 22 der 24 Feuerwehren genutzt. Die Software sei nicht nur ein Ort, in dem Daten der Feuerwehren hinterlegt werden, sondern diene auch als Kommunikationsplattform. Excel-Listen, die per E-Mail verschickt werden, oder Videokonferenzen per WhatsApp seien weder zeitgemäß noch sicher.
Im Rahmen der Hauptversammlung ließ Kreisbrandmeister Christian Leiberich zudem das vergangene Jahr Revue passieren. Die 24 Wahren beherbergten insgesamt 51 Abteilungen mit 1.897 aktiven Mitgliedern, 22 Jugendfeuerwehren (558), 36 Seniorenabteilungen (511) und zwei musiktreibenden Zügen (72). Hinzu komme die ZfP-Werkfeuerwehr mit 46 Mitgliedern. „Knapp die Hälfte der aktiven Feuerwehrleute ist Atemschutzträger, aber nur 71 Prozent davon sind einsatzfähig“, appellierte Leiberich mit Blick auf die jährliche Prüfung.
2025 blieb die Zahl der Einsätze auf hohem Niveau. 2.320 Mal mussten die Feuerwehren im Landkreis ausrücken. Mehr als 1.500 Mal lautete das Stichwort „Technische Hilfeleistung“. „Dazu zählen Ölspuren, Türöffnungen, Tierrettungen, aber auch Verkehrsunfälle“, erklärte der Kreisbrandmeister. Brände habe es im letzten Jahr 366 gegeben. Als besondere Einsätze nannte Leiberich die beiden Großbrände in Endingen, den Dachstuhlbrand in Elzach sowie den tragischen Verkehrsunfall in Rheinhausen, bei dem ein junger Mann in der Elz ertrank. 2025 verstarben 34 Personen bei Einsätzen, 268 Menschen konnten gerettet werden.
Als Leiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz erwähnte Leiberich die personelle Erweiterung seiner Behörde und den Umzug in Gebäude einer ehemaligen Anwaltskanzlei in Emmendingen. 88 Mal seien er oder einer seiner Stellvertreter zu Einsätzen ausgerückt. Seitens des Landes seien 1,4 Millionen Euro in Feuerwehrprojekte im Landkreis geflossen. Ein großes Lob sprach Leiberich dem Kreisfeuerwehrverband aus: „Als solcher bringt ihr die Themen voran und könnt sie auch anders platzieren – ihr seid eine großartige Unterstützung“, sagte er.
Lob für den Verband gab es außerdem von Vertretern der Politik. Freiamts Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench, die als Unterstützerin der Feuerwehren bekannt ist, kritisierte ebenfalls die Bürokratie beim Bau neuer Gerätehäuser. Ein solches sei in ihrer Gemeinde geplant. Das Sondervermögen des Bundes werde helfen, es zu finanzieren. Landrat Hanno Hurth bezeichnete den Verband als „Sprachrohr, Ideengeber und Antreiber des Feuerwehrwesens im Kreis“. Bernd Schmidt vom THW wünschte „stets die notwendige Unterstützung“.
Für seinen Einsatz wurde Andreas Uebler, Dezernent für Sicherheit und Ordnung im Landratsamt, mit der Ehrenmedaille des Verbands in Silber ausgezeichnet. Verabschiedet wurde außerdem der Leiter des Polizeireviers Emmendingen, Christoph Dümmig. Schon Anfang März war er nach fünf Jahren ins Polizeirevier Freiburg-Nord gewechselt. „Es war mir eine Ehre, ein Teil dieser Familie zu sein“, sagte er den 300 anwesenden Kameraden. Begleitet wurde der die Versammlung vom Spielmanns- und Musikzug aus Köndringen, die Bewirtung übernahm die Feuerwehr Freiamt.

