Teningen spart, wo es geht: Im Jahr 2027 droht der Gemeinde dennoch ein Rekord-Defizit von sechs Millionen Euro
Am Mittwochabend stellte Teningens Bürgermeister Berthold Schuler dem Gemeinderat den Entwurf für den Haushalt 2027 vor. Trotz der Einsparungen aus dem Konsolidierungskonzept droht der Gemeinde ein Rekorddefizit von sechs Millionen Euro. Gleichzeitig steigt der Schuldenstand.
Die Zahlen
Der eingebrachte Entwurf stellt Erträge in Höhe von 37,8 Mio. Euro Aufwendungen von 43,8 Mio. Euro gegenüber. Der daraus resultierende Fehlbetrag würde die negativen Ergebnisse der Vorjahre noch einmal deutlich übertreffen. Zum Vergleich: 2024 und 2025 hatte die Gemeinde Teningen jeweils mit einem Defizit von knapp über drei Millionen Euro kalkuliert. Für das laufende Haushaltsjahr 2026 rechnet die Kämmerei mit einem Minus von 3,6 Mio. Euro.
Dass Teningen 2027 ein Rekorddefizit von sechs Millionen Euro droht, hat zwei Gründe. Zum einen wirken sich die Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer, die 2025 verbucht werden konnten, zeitversetzt aus. Durch die damit verbundene Erhöhung der Steuerkraft steigen die Belastungen im Finanzausgleich um 1,85 Mio. Euro. Zum anderen kalkuliert Teningen mit einer Anhebung der Kreisumlage. Bei einem Umlagesatz von 36 Prozent müsste die Gemeinde 2027 rund 1,3 Mio. Euro mehr bezahlen.
Der Sparkurs
Tatsächlich hätte der eingebrachte Etat sogar noch negativer ausfallen können. Im Rahmen eines extern begleiteten Konsolidierungskonzepts hatten Gemeinderat, Rathaus und Bürgerschaft eine lange Liste mit Sparmaßnahmen ausgearbeitet. Zu den 105 Punkten zählen unter anderem die Streichung des jährlichen Zuschusses für den DRK-Ortsverein und die Umstellung des Amtsblatts. „Die Einsparungen von über 1,3 Mio. Euro sind Teil des Haushaltsplans“, erklärte Kämmerin Evelyne Glöckler.
Gespart wurde zudem beim Personal. Im Rathaus sollen 2026 keine neuen Stellen geschaffen werden. Durch die Einsparungen im Rahmen der Konsolidierung werden in der Verwaltung fast 100.000 Euro eingespart. Zu Buche schlagen lediglich die üblichen Stufen- und Tariferhöhungen, die ab April 2027 in Kraft treten. Damit hält sich der personelle Mehraufwand mit 262.000 Euro in Grenzen.
Die Investitionen
Investieren will die Gemeinde dennoch – und zwar insgesamt 6,65 Mio. Euro. Allein 1,5 Mio. Euro soll der Bau der Flüchtlingsunterkunft nach dem Herbolzheimer Modell kosten. „Dieses Geld bekommen wir langfristig wieder zurück, da der Landkreis uns die Mieteinnahmen garantiert“, so Glöckler. Mehr als 600.000 Euro fließen zudem in die Schlussrate für den neuen Kindergarten in der ehemaligen Neuapostolischen Kirche in Köndringen. Vorgesehen ist außerdem die Sanierung von sieben maroden Brücken.
Weitere Gelder sollen für ein Löschfahrzeug, ein Mannschaftstransportfahrzeug und ein Kommandantenfahrzeug für die Feuerwehr sowie für einen Traktor für den Bauhof bereitgestellt werden. Apropos Bauhof: Für den Neubau des Betriebshofs ist 2027 eine erste Rate eingeplant. Geht es nach der Verwaltung, soll das Großprojekt größtenteils mit den sieben Millionen Euro finanziert werden, die die Gemeinde aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität erhält. Außerdem sollen im Werk A die Abrissarbeiten beginnen.
Dennoch: Um überhaupt Investitionen tätigen und damit handlungsfähig bleiben zu können, ist die Gemeinde Teningen mehr denn je auf Fremdmittel angewiesen. Noch bis Ende des Jahres sollen Kredite in Höhe von 2,4 Mio. Euro aufgenommen werden. Für 2027 ist eine weitere Kreditaufnahme in Höhe von 3,8 Mio. Euro vorgesehen. Damit steigt der Schuldenstand der Gemeinde zum 31. Dezember 2027 auf 8,2 Mio. Euro. Zum Vergleich: Am 1. Januar 2026 waren es noch drei Millionen Euro.
Der Bürgermeister
„Wir müssen jetzt klug sein, richtig reagieren und nicht in eine Art Schockstarre verfallen“, sagte Bürgermeister Berthold Schuler in seiner Haushaltsrede. Es gehe nun darum, die richtigen Weichen zu stellen. Eines der wichtigsten Ziele werde es sein, eine stabile Finanzlage zu erreichen. „Und damit meine ich nicht nur den aktuellen Haushalt, sondern auch die Haushalte der nächsten Jahre. Denn wir haben auch eine Verpflichtung gegenüber unseren Bürgerinnen und Bürgern.“
Das in den vergangenen Monaten ausgearbeitete Konsolidierungskonzept sei ein erster Baustein für eine zukunftssichere Gemeinde. „Ich weiß, wie viel Frust und Sorge das ausgelöst hat. Aber ehrliche Politik bedeutet, die Realität auszusprechen. Ohne diesen Sparkurs würden wir die Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde infrage stellen und im schlimmsten Fall komplett verlieren“, so Schuler. Gleichzeitig dürfe man nicht nur den Mangel verwalten, sondern müsse auch nach vorne blicken. Es gehe auch darum, „überlegt und mutig zu handeln und bereit zu sein, neue Aufgaben zu übernehmen“.
Der Haushalt 2027
Der Entwurf der Verwaltung wurde in den Gemeinderat eingebracht. Nun sind die vier Fraktionen am Zug. Bis zum 23. November können sie ihre Änderungsanträge einreichen. Am 15. Dezember wird der Etat in öffentlicher Sitzung beraten. Am 12. Januar soll der Haushalt schließlich verabschiedet werden.
Text und Fotos: Daniel Gorzalka
