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Theater im Sängerheim Freiamt

Theater im Freiämter Sängerheim: Mit „Moschus-Brudal“ gegen die weibliche Dominanz

In Freiamt ist das “Theater im Sängerheim” erfolgreich in die Spielzeit 2026 gestartet. Bei der ausverkauften Premiere am Samstagabend bot die Schauspielgruppe des Gesangvereins Eintracht-Frohsinn genau das, für was sie so geliebt wird: verzwickte Dorfgeschichten, mitunter derbe Zoten, vor allem aber wunderbar gespielte Figuren, die Mundart sprechen.

Die Orte, an denen die alemannische Sprache zelebriert wird, sind weniger geworden. Mit dem “Theater im Sängerheim” trotzt der dort beheimatete Gesangverein erfolgreich dieser bedauerlichen Entwicklung. Die Stücke, die aus der Feder professioneller Schreiber stammen, übersetzt die Schauspielgruppe in Freiämter Mundart. Und weil die Akteure den Dialekt von Kleinauf kennen, werden die Figuren und die Sprache auf authentische Weise eins.
Dies jedenfalls ist den Akteuren auch in dieser Spielzeit gelungen. Bei der Premiere am Samstagabend im Sängerheim brannten die zwölf Akteure ein mitreißendes schauspielerisches Feuerwerk ab. Im Einakter “Donnerwetter und Blitzableiter”, einem Schwank von Max Neal, ging es um zwei altledige Schwester, die ein junges Mädchen großziehen, deren Mutter vom Vater im Stich gelassen wurde. Als der Erzeuger dann plötzlich auftaucht, um seine Tochter zurückzuholen, nimmt die Verwirrung ihren Lauf.
Erneut sind es die wunderbar gespielten Figuren, die das Stück tragen. Lara Daghero und Melanie Jauch schlüpfen großartig in die Rollen der hysterischen und mitunter handgreiflich werdenden Schwestern (“S’liädrig si haldet halt jung”). Michael Lürtzener als Vater muss mit diesem Drachen-Duo fertigwerden (“Sie henn mir g’sait, dass ich minni Knoche einzeln nummeriere muäß, bevor ich kumm”). Letztlich ist es die Liebe zwischen der schüchternen Ziehtochter (Fabienne Kern) und dem charmanten Bernd (Aron Haas), die alles auflöst.
Noch mehr Raum zum Austoben bekommen die Figuren beim diesjährigen Dreiakter “Rendezvous im Bauernkasten” von Hans Lellis. Darin steht ein Bauer unter der Fuchtel seiner dominanten Ehefrau, die neuerdings versucht, in ihrem „Fräuebund“ auch andere Frauen für die Emanzipation zu begeistern. Als dann der uneheliche Sohn des Bauern auf dem Hof auftaucht, sieht dieser seinem Untergang kommen. Doch dann stellt sich irgendwann heraus, dass er garnicht der Vater ist.
Star dieses Stücks ist zweifellos Simone Ohnemus. Als kommandierende Ehefrau schikaniert sie ihren hörigen Bauern (Timo Reinbold) nach allen Regeln der Kunst, streicht dessen Lokalausflüge und verbietet ihm sogar den Alkohol (“Dä Herr am Hof bin ich!”). Bestnoten verdient sich zudem Friedrich Stählin mit seinen staubtrockenen Sprüchen (“De Kilbi-Büä”). Schönste Szene: mit “Moschus brudaal” einparfümiert füllt der Viehhändler (Michael Lürtzener) gekonnt die Ehefrau ab.
Fließende Handlungsstränge, alemannische Sprüche am laufenden Band, derbe Zoten und mitreißende Figuren: Für die 260 Theatergäste vergingen die insgesamt viereinhalb Stunden am Samstagabend wie im Flug. Ein Sonderbeifall erhielt der junge Dominik Bühler, der bei seinem Debüt gleich eine wichtige Rolle spielte. Dass der Abend kurzweilig blieb, lag zudem an den gut gesetzten Pausen, in denen die Mitglieder der Gesangvereins direkt an den Tischen bewirteten.
Nach der Premiere am Samstag war auch die Aufführung am Montagabend ausverkauft. Für die Vorstellung am 10. Januar sind ebenfalls alle Tickets vergriffen. Karten gibt es nur noch für den 24. Januar (19.30 Uhr) und den 25. Januar (14 Uhr). Der Vorverkauf läuft über den Onlineshop auf der Homepage und das Versicherungsbüro Böcherer in Freiamt. Ein Ticket kostet elf Euro, an der Abendkasse dann 13 Euro. Es lohnt sich sehr! Daniel Gorzalka