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Vom Kandel nach Livigno: Snowboarderin aus Emmendingen nimmt an den Olympischen Spielen teil

Wenn Anne Hedrich morgens um sieben Uhr aufsteht, ist das kein Zeichen von Schulstress oder Studentenalltag – sondern von Hochleistungssport. Die 19-JĂ€hrige aus Emmendingen steht kurz vor dem grĂ¶ĂŸten Moment ihrer bisherigen Karriere: der ersten Teilnahme an den Olympischen Spielen im Snowboard-Halfpipe. FĂŒr die Athletin des Ski-Club Emmendingen geht damit ein Traum in ErfĂŒllung, der mit einem einzigen Satz begann: „Mama, ich will Snowboarden ausprobieren.“

Mit neun Jahren tauschte Anne Hedrich die Skier gegen das Snowboard. Ein Snowboardkurs am Kandel wurde zum Startschuss einer steilen Entwicklung. Schnell fiel ihr Talent auf, erst im Baden-WĂŒrttembergischen Landeskader, spĂ€ter – nach dessen Auflösung – im bayerischen Team. Heute fĂ€hrt Anne Hedrich im deutschen Nationalteam Snowboard-Halfpipe und misst sich mit der Weltspitze.

Aktuell trainiert sie in Laax in der Schweiz, dort, wo eine der besten Halfpipes Europas steht. Der Tagesablauf ist streng getaktet: frĂŒhes Aufstehen, ein kurzes AufwĂ€rmprogramm, und dann ab 9 Uhr morgens startet die richtige Trainingseinheit. „Ich beginne mit leichten Tricks und steigere mich dann“, erzĂ€hlt Anne Hedrich. Um sich optimal zu fokussieren, lĂ€uft sie oft sogar die Pipe hoch – nur fĂŒr einen einzigen Trick. „So kann ich mich voll konzentrieren, und es ist sogar schneller als den Lift zu nehmen.“

Warum ausgerechnet Halfpipe? FĂŒr Anne Hedrich ist die Antwort klar. „Dieses GefĂŒhl, durch die Luft zu fliegen, bekommt man sonst kaum.“ Anders als im Slopestyle oder Big Air könne man in der Halfpipe viele verschiedene Tricks in einem Run zeigen – vielseitig, kreativ, individuell. Jeder Run ist eine eigene Geschichte.

Mental bereitet sie sich akribisch vor. Bewegungen werden im Kopf durchgegangen, AbsprĂŒnge visualisiert, der gesamte Lauf einmal „abgespielt“. Dann heißt es: loslassen. Besonders wichtig ist ihr dabei der erste Trick. Anne Hedrich startet ihre Runs fast immer mit einem sogenannten Switch Air to Fakie – rĂŒckwĂ€rts anfahren, gerade hochziehen, sauber landen. „Das machen nicht viele. FĂŒr mich ist es der perfekte Einstieg, weil ich mich dabei sehr wohlfĂŒhle.“

Ihr olympischer Wettkampf findet im italienischen Livigno statt. Die Qualifikation ist fĂŒr Mittwoch, den 11. Februar angesetzt, das Finale folgt einen Tag spĂ€ter, am Donnerstag, den 12. Februar. FĂŒr ihre ersten olympischen Spiele setzt sich Anne Hedrich selbst nicht unter Druck. „Ein erfolgreicher olympischer Auftritt ist fĂŒr mich, wenn ich mit meinem Run zufrieden bin, zeigen kann, was ich trainiert habe – und Spaß habe.“ Genau dieser Spaß sei es auch, den sie jungen Sportlerinnen aus der Region mit auf den Weg geben möchte. „Man darf ihn nie aus den Augen verlieren. Wenn der Spaß da ist, klappt es auch sportlich am besten.“

Text: Marike Aniol / Fotos: J. Hedrich