Wie rettet man ein Freibad? Teninger Bürger informierten sich über positive Beispiele in der Region
Das Teninger Schwimmbad ist in die Jahre gekommen. Angesichts der defizitären Haushaltslage kann sich die Gemeinde eine Sanierung jedoch nicht ohne Weiteres leisten. Unter Beteiligung der Bürger wollen Rathauschef Berthold Schuler und der Gemeinderat nun nach Lösungen suchen.
Dass das Freibad saniert werden muss, ist schon länger klar. Eine neue Dimension erreichte die Diskussion vor sechs Wochen. Auslöser war eine Sitzungsvorlage im Gemeinderat. Darin wurde neben einer Sanierung in der aktuellen Form und einer Modernisierung mit Verkleinerung als dritte Option eine Schließung ins Spiel gebracht. Angesichts des Aufschreis trat der Bürgermeister auf die Bremse. Es werde erstmal noch nichts entschieden. Im Dialog mit den Bürgern gehe es darum, in den nächsten Monaten auszuloten, was man wolle, was man sich leisten könne und welche Möglichkeiten es für den Betrieb gebe.
Einen Beitrag dazu leistete am Donnerstag der Grünen-Ortsverein in der Zehntscheuer. Im Rahmen einer Infoveranstaltung hatte das Moderatoren-Duo Georg Bindemann und Peter Hahne drei Expertinnen eingeladen. Hannah Kegel vom Bürgerbad Merzhausen, Sabine Heizmann von der IG Bad Elzach und Nicole Rieser vom Freundeskreis Schwimmbad Gutach erklärten, wie ihre Einrichtungen durch bürgerschaftliches Engagement, durch neue Konzepte und eine neue Form der Zusammenarbeit mit der Kommune erhalten werden konnten.
Merzhausen

Kein Freibad, sondern ein Hallenbad mit kleinem Außenbecken und Liegewiese betreibt die Bürgerbad gGmbH in Merzhausen. Es ist eine Erfolgsgeschichte. In den 90ern war erstmals über den Fortbestand der Einrichtung diskutiert worden. Ein von Bürgern gegründeter Förderverein half zunächst, das Bad mit einfachen Mitteln attraktiver und wirtschaftlicher zu machen. Trotzdem sollte es 2004 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen und abgerissen werden. Die Fläche wollten der damalige Bürgermeister und Teile des Gemeinderats zu Bauland machen. Dies wiederum rief die Bürger auf den Plan.
„Wir gaben damals ein eigenes Gutachten in Auftrag – das war entscheidend“, erinnerte sich Hannah Kegel. Auf dieser Grundlage habe man einen Plan ausgearbeitet, wie das Bad selbst betrieben werden kann. Dies habe den Gemeinderat überzeugt. Danach habe man eine gemeinnützige GmbH gegründet, die die Einrichtung seither erfolgreich pachtet und betreibt. Das Bad sei durch die Kurse des VfR Merzhausen und der DLRG Hexental sowie den öffentlichen Badebetrieb komplett ausgelastet. Man beschäftige zwei hauptamtliche Bademeister. Die DLRG unterstütze ebenfalls. Der Förderverein sammle durch Aktionen Gelder. Das Defizit, das die Gemeinde zahlt, liege bei 100.000 Euro.
Gutach

Flächenmäßig deutlich kleiner als das Teninger Freibad ist das Schwimmbad in Gutach. Mit 122 Jahren zählt es zu den ältesten Einrichtungen dieser Art im Landkreis. 2005 wurde deutlich, dass das 18 auf 10 Meter-Becken und der kleine Pool renoviert werden müssen, jedoch fehlte der Gemeinde das Geld. Daraufhin gründeten 90 Personen einen Freundeskreis. Mit kleinen Reparaturen unterstützte man die Kommune. Die anstehende Generalsanierung erfolgte dann 2014. Unter der Bedingung, dass der Freundeskreis das Schwimmbad ehrenamtlich mitbetreut, entschied der Gemeinderat, die dafür notwendigen 1,3 Mio. Euro locker zu machen.
Durch die Arbeitsleistung des Freundeskreises sparte die Kommune bei der Sanierung satte 150.000 Euro. Und bis heute prägen die Ehrenamtlichen mit ihrem Einsatz das kleine Bad. Sie helfen bei der Inbetriebnahme im Frühling, übernehmen Reinigungsarbeiten und pflegen regelmäßig die Außenanlagen. Mit Aktionen („Rock am Pool“) sammeln sie zudem Geld. Auf diese Weise wurde in einen Wasserpilz, in eine Elefantenrutsche, in die Barrierefreiheit oder in ein Kleinspielfeld investiert. „Wichtig ist dabei, die Zusammenarbeit mit dem Rathaus und dem Kioskbetreiber, der die Badeaufsicht gewährleistet“, sagte Nicole Rieser.
Elzach

Dem Teninger Schwimmbad am nächsten kommt das Elzacher Bad. Betrieben wird es von den dortigen Stadtwerken. Die 1963 erbaute Einrichtung stand 2005 aus finanziellen Gründen vor dem Aus. Der Stadtrat hatte bereits den entsprechenden Beschluss gefasst. Daraufhin gründeten Elzacher Bürger die IG Bad. Damit konnte der Betrieb aufrechterhalten werden. Die Interessengemeinschaft unterstützt die Stadtwerke einerseits mit ehrenamtlichen Arbeitsstunden. Auf diese Weise werden regelmäßig die Grünanlagen gepflegt, Reinigungsarbeiten vorgenommen und viele weiteren Maßnahmen bewältigt.
Anderseits investierte die IG in einzelne Projekte wie in eine Wellenrutsche (2013), den Bau eines Kleinkindbereichs (2017), die Errichtung eines Kinder-WCs am Kinderbecken (2025) und die Dachsanierung mit PV-Installation für warmes Wasser in den Becken (2026). Realisiert wurden außerdem ein Boule-Platz und ein Volleyballfeld. 2021 und 2022 nahm die Stadt die Generalsanierung vor. „Die Sanierung eines Schwimmbads muss nicht von heute auf morgen durchgeführt werden – man kann den Prozess über mehrere Jahre verteilen“, sagte Sabine Heizmann. Das Defizit des Schwimmbads in Elzach liege bei 200.000 Euro jährlich.
Weitere Statements
„Auch in Ihringen wird derzeit über den Weiterbetrieb des Kaiserstuhlbands diskutiert“, fügte Moderator Georg Bindemann hinzu. Aktuell deute vieles daraufhin, dass die Kommune die Trägerschaft abgibt und die Einrichtung vom Förderverein betrieben wird. Die Zahl der privaten Unterstützer, die sich einbringen wollen, liege bei 200. Die Personalkosten wolle man halbieren, den Betrieb von 14 bis 20 Uhr öffentlich und von 10 bis 14 Uhr für Mitglieder anbieten.
„In Baden-Württemberg stehen derzeit viele Freibäder auf dem Prüfstand“, sagte Rüdiger Tonojan, Landtagsabgeordneter der Grünen. Für Modernisierungsmaßnahmen gebe es Fördertöpfe vom Land. Voraussetzung sei es, Konzepte zu haben. Wichtig sei, dass die Bürgerschaft mit im Boot sitze. Diese müsse mitarbeiten. „Sich darüber zu informieren, wie es andere gemacht haben, ist dabei von Vorteil“, lobte er die Veranstaltung.
„Ich habe mir die Bäder in Merzhausen, Elzach und Gutach vor Ort angeschaut“, sagte Bürgermeister Berthold Schuler. Mit Wolfgang Berke und Karl-Theo Trautmann war er der einzige Gemeinderat am Donnerstag in der Zehntscheuer. Im Vergleich sei das Teninger Schwimmbad riesig. Allein die Wasserfläche liege bei 1.800 Quadratmetern. Das ganze Gelände inklusive der Parkflächen sei 52.810 Quadratmeter groß. Bezüglich der Schwimmbad-Frage gebe es drei Fragen: Was wollen wir? Was können wir uns leisten? Und wie können wir es betreiben? Hier sei man in einem Findungsprozess. Die Veranstaltung trage dazu bei, ein Stück weiterzukommen.
Text: Daniel Gorzalka / Fotos: Daniel Gorzalka, Bürgerbad Merzhausen, Gemeinde Gutach und IG Bad Elzach
