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Gigantischer Reinigungsprozess

Forchheim. Der Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht ist der grĂ¶ĂŸte seiner Art in Baden-WĂŒrttemberg. Dieser Tage feierte er sein 60-jĂ€hriges Bestehen. Aus diesem Anlass bot er freien Zugang zu dem auf Forchheimer Gemarkung liegenden KlĂ€rwerk. Ein Ereignis, das nur alle zehn Jahre vorkommt.
Die Anlage hat gewaltige Dimensionen. Die braucht es, denn von Endingen und Bötzingen im Westen bis Gutach im Osten sowie von Riegel und Malterdingen im Norden bis Pfaffenweiler, Oberried und Falkensteig im SĂŒden dehnt sich das Einzugsgebiet, von dem aus Gemeinden ihr Abwasser nach Forchheim schicken. Auch eine Großstadt ist dabei – Freiburg.
So nimmt es nicht wunder, dass die hier erbrachte Arbeitsleistung mit Zahlen von großen, von sehr großen Werten beschrieben wird: 40 Millionen Kubikmeter Schmutz- und Regenwasser werden jĂ€hrlich gereinigt, die ĂŒber ein Kanalnetz von 140 Kilometern LĂ€nge nach Forchheim gespĂŒlt werden.
Was im einzelnen Haushalt mit dem Aufdrehen des Wasserhahns beginnt, mĂŒndet hier in einen gewaltigen Kreislauf. Zuerst muss der grobe Schmutz raus: Rechen halten zurĂŒck, was nicht ins Abwasser gehört, von Papier bis Plastik und sonstigen Hinterlassenschaften, die eigentlich im Wasser nichts zu suchen haben.
Millionen Helfer auf kleinstem RaumSchwere Bestandteile wie Sand können sich absetzen und werden von unten, Öle und Fette hingegen (die leichter sind als Wasser) werden von oben entfernt. Um die hundert Mitarbeiter beschĂ€ftigt der AZV; denen im KlĂ€rwerk stehen außerdem einige Milliarden kleine Helfer zur Seite – Bakterien, die sich ĂŒber die im Wasser gelösten organischen Stoffe hermachen. Die Mikroorganismen wandeln die Schmutzstoffe um.
Der Schmutz verschwindet nicht einfach, er sammelt sich im KlĂ€rschlamm. Der wird getrocknet – 8.500 Tonnen getrockneter KlĂ€rschlamm können so als Ersatzbrennstoff genutzt werden. Wer im Zugangsbereich der Anlage fĂŒr die Schlammtrocknung stand, konnte ehrfĂŒrchtig zu den gewaltigen Kesseln hochschauen.
Vor dem Komplex stand AZV-Mitarbeiter Oliver Futterer bereit, auf Wunsch AblĂ€ufe, Details und VorgĂ€nge so fachmĂ€nnisch wie nötig und so verstĂ€ndlich wie möglich zu erlĂ€utern. Dass er dabei von seinen Silos sprach, war symptomatisch fĂŒr die Begegnungen auch mit den anderen AZV-Kollegen. Mit wem auch immer man sich austauschte, stets schwangen in den ErklĂ€rungen und Veranschaulichungen der Stolz auf ihr KlĂ€rwerk mit. Das galt am Rohwasserpumpwerk ebenso wie am NachklĂ€rbecken mit seiner stark beruhigten Wassermenge und den weiteren Stationen bis hin zu den drei gewaltigsten Bauwerken, den FaultĂŒrmen.
Ob Umwelttechnologin fĂŒr Abwasserbewirtschaftung, Chemielaborant, Industriemechaniker, Elektroniker (der AZV bildet in diesen Berufen aus!) – Christoph Reichenbach von der Zentrale sprach wohl stellvertretend fĂŒr die Kollegenschaft von einem erfĂŒllenden Beruf, der sich im Verband ausĂŒben lĂ€sst. Er tut es seit 36 Jahren.
„Jeder Tropfen wird behandelt“Im KlĂ€rwerk wird dafĂŒr gesorgt, dass aus dem Abwasser der beteiligten StĂ€dte und Gemeinden wieder reines Wasser wird. Ein gigantischer Kreislauf, der Tag und Nacht lĂ€uft – damit in jedem Haushalt das Wasser aus jedem Wasserhahn unbedarft genutzt werden kann. So bekamen alle die, die das KlĂ€rwerk besichtigten, nicht nur eine technische Anlage zu sehen, sie konnten diesen gigantischen Reinigungsprozess verfolgen, der rund um die Uhr funktioniert.