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Epizentrum der Guggemusik

Der wichtigste Termin im Schlurbi-Jahreszyklus wurde von einer traurigen Nachricht begleitet

Heitersheim. Wenn sich gestandene MĂ€nner in schrĂ€ger weiblicher Aufmachung auf die Straße wagen und die Damenwelt ungeniert ins Biene Maja-KostĂŒm schlĂŒpft, dann ist die nĂ€chste TschĂ€dder-Sause nicht weit: Wahre Hundertschaften von Besuchern zog es zum Regio-Guggetreff der StrauSchoeh-Schlurbi – und die Gastguggen ließen es ordentlich krachen.

Versprochen hatten die Veranstalter eine Besonderheit: Nach dem wohl geschichtstrĂ€chtigen JubilĂ€um vom Vorjahr werde sich Heitersheim erneut in ein Epizentrum der Guggemusik verwandeln. Oder wie es die Musiker der „Gmendr Gassa- fetza“ aus SchwĂ€bisch GmĂŒnd formulierten: Guggamusigg-isch-a-geile-Sach. Da wurde derart gehĂŒlt, gefĂ€tzt und geschrĂ€ddert, dass sich die StadtvĂ€ter Sorgen um die Grundmauern der Malteserhalle machen sollten. Das Klanggewitter fĂŒllte mĂŒhelos den Saal, der von Beginn an vom feierlustigen Publikum bevölkert wurde. Bis in die letzte Ecke sausten die schrill-schnurrigen Akkorde, um manchem in die Beine zu fahren und ein Allein-TĂ€nzchen auszulösen. Wer die SitzplĂ€tze mied und sich das Spektakel im Stehen besah, war klar im Vorteil, denn ganz nebenbei galt es, all die KostĂŒmierungen zu begutachten. Was da alles ans fastnĂ€chtliche Tageslicht gezerrt wurde – getreu dem Motto 2026 „Forever young“: Das alte brave Seemanns-Outfit als Dauerbrenner, das verlodderte T-Shirt eines Metal-Konzerts oder auch die missglĂŒckten Strickversuche der Vergangenheit als HĂŒftschmuck. Apropos: Direkt hinein in die musikalischen 70er-, 80er- und 90er Jahre fĂŒhrten die Mitglieder der Band „No Change“. Frontmann Alex und Frontfrau Angie gaben alles, um den Stimmungspegel ab Minute 1 hochzutreiben. Erstklassige Stimmen hatte die Kapelle im GepĂ€ck und darĂŒber hinaus die Mitstreiter Christoph, Matthi, Domi und (keine Band ohne einen) Michi. Da wurde gerockt, geschlagert und nochmal geschlagert. Die Wanne ist eben voll. Voll war auch das Stichwort in Sachen Frequenz. Überall in der Location bildeten sich Pulks von GĂ€sten, denn die StrauSchoeh-Schlurbi hatten fĂŒr eine weitlĂ€ufige Aufenthalts-Area gesorgt. Wer essen wollte, konnte futtern, wer Durst hatte, wurde bedient und auch sonst fehlte es organisatorisch wohl an nichts. HĂ€tte es Punkte fĂŒr den reibungslosen Ablauf gehagelt – vom Einlass bis zum Line up – die Schlurbis und ihre Helfer hĂ€tten Höchstnoten kassiert. Einmal mehr, da sich mit acht Gruppen aus dem DreilĂ€ndereck noch nie in der 36-jĂ€hrigen Geschichte des Regio-Guggetreffs so viele Musikanten eingefunden hatten. Los gings am spĂ€ten Nachmittag mit dem Open-Air-Konzert auf dem Lindenplatz. Große und kleine GĂ€ste brachten sich auf Betriebstemperatur. Der Gugge-ApĂ©ro wĂ€rmte durch, und die Schlurbis legten mit einem StĂ€ndele Scheite aufs tonale Feuer, ebenso wie die Langhoorguggis Dachtel und die Dachkirnerpfiefer St. Peter. Weiter ging’s in der Halle mit dem typischen Gugge-Brass-BlĂ€ser-Sound und zwischendurch mit den DJs Oliver und Martin. Die ersten, die auf der BildflĂ€che der BĂŒhne erschienen, waren die Ebringer GĂ€sslifĂ€tzer. Im Nu standen die Gelb-Lila-Akteure im Rampenlicht, umgeben von angeknipstem Publikum. Die Schweizer Guggezunft war spĂ€ter mit mehreren Formationen vertreten, zu nennen die Arvi-Hyler Kerns, die fĂŒr fette Monsterdarbietungen stehen, die Guggi Zunft Olten, auch als Guggi-Mafia unterwegs, und die Leuechotzeler LozĂ€rn (Luzern), die als Kafischlacht Leuechotzeler gelten – allesamt sehens- und hörenswerte Vorstellungen. Auch eine traurige Nachricht umgab das Event: Der ĂŒberraschende Tod des Posaunisten der StrauSchoeh-Schlurbi rief tiefe ErschĂŒtterung hervor. Es habe Überlegungen gegeben, alles abzusagen. Da eine Trauerfeier jedoch das Wort „Feier“ enthalte, sei der gegenteilige Beschluss gefallen, so Sprecher Kai Ullwer. Ines Bode