Flößerei und vieles mehr
Bernhard Walser ging auf die Nutzung der Fließgewässer in der Region im Mittelalter ein
Staufen. Auf sehr großes Interesse stieß der Vortrag, den Bernhard Walser vom Regierungspräsidium Freiburg auf Einladung des Breisgau Geschichtsvereins kürzlich im Stubenhaus hielt. Thema war die Nutzung von Möhlin und Neumagen seit dem Mittelalter, die Folgen für die beiden Gewässer und aktuelle Maßnahmen zu ihrer Revitalisierung.
Schon früh nutzte man die Wasserkraft der beiden Schwarzwaldflüsse zum Betrieb von Mühlen und Sägewerken, für Bergbau und Gewerbe, zur Wiesenwässerung und für die Wildflößerei, später zur Elektrizitätserzeugung. Besonders die massiven Eingriffe für den Flö-ßereibetrieb in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts veränderten Möhlin und Neumagen durchgreifend.
Für die Versorgung der Festung und Garnisonsstadt Breisach mit Bau- und Brennholz ließ die Krozinger Kaufmannsfamilie Litschgi den Neumagen vom Münstertal bis Hausen ausbauen. Man rodete das Ufergehölz, begradigte den Flusslauf, vertiefte die Sohle und errichtete seitliche Dämme. Zwischen der Möhlin bei Grezhausen und Breisach wurde ein Floßkanal gebaut. Als im Juli 1744 nach einem schweren Unwetter mit starken Regenfällen die Dämme brachen und es zu großen Überschwemmungen mit verheerenden Zerstörungen kam, gaben die Litschgis die Flößerei auf.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ Johann Gottfried Tulla als Leiter des Großherzoglichen Badischen Wasser- und Straßenbaus das Flussbett von Neumagen und Möhlin als badisches Doppel-trapezprofil ausbauen. Das Ergebnis: gerade, kanalartige Gewässer mit einem einheitlichen Strömungsverhalten. Mitte des 20. Jahrhunderts sicherte man Gewässersohle und Ufer erneut mit Steinpflaster. Erst 1980 begann ein Umdenken. Für mehr Ökologie sollte ein Saumwald aus vorwiegend Linden und Pappeln sorgen. Das führte dazu, dass das Flussbett eingeengt und der Abfluss geringer wurde, mit verheerenden Folgen bei Hochwasser.
Aktuell ist eine Revitalisierung von Neumagen und Möhlin auf 12,5 Kilometer Länge geplant, eine Ausgleichsmaßnahme für den Bau des dritten und vierten Gleises. Hochwasserdämme sollen zurückverlegt werden, so dass die Fließgewässer wieder einen natürlichen Verlauf nehmen können.
Mit der Anlage unterschiedlicher Lebensräume will man den Artenreichtum fördern. Dass solche Maßnahmen schon in kurzer Zeit erfolgreich sein können, zeigt die zwischen 2015 und 2017 naturnah umgestaltete Elz zwischen Köndringen und Riegel.
Andrea Hagemann-Raffs
