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Harter Stoff – aber wirksam

 Verkehrssicherheitskampagne an der Breisacher Gewerbeschule wurde mit Preis ausgezeichnet

Breisach. Seit 13 Jahren läuft an der Breisacher Gewerbeschule eine Aufklärungskampagne mit dem Ziel Verkehrsunfälle zu verhindern. Die Bezeichnung „Begegnungen – Realität erfahren“ klingt harmlos. Was dort aber zur Sprache kommt – die Unfälle, die beschrieben werden – das ist richtig harte Kost. Nun wurde die Kampagne mit dem Verkehrspräventionspreis Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Ein Montagnachmittag an der Gewerbeschule in Breisach. Etwa 50 Schüler, allesamt junge Männer, versammeln sich. Das Stühlerücken verstummt schnell, es ist ungewöhnlich ruhig im Klassenzimmer.
Als Referent anwesend ist Andreas Hoffmann vom Polizeirevier Breisach, er ist Initiator und Leiter des Projektes. Als Polizist hat er viel Erfahrung mit Verkehrsunfällen. Zu hohe Geschwindigkeit, Unachtsamkeit, Selbstüberschätzung und Unerfahrenheit, das seien typische Unfallursachen, gerade bei jungen Leuten, so Hoffmann. Er betont: „Mit den Vorträgen wollen wir auf die Konsequenzen hinweisen und so eine Veränderung des Bewusstseins im Straßenverkehr erreichen.“
Heinz Gutgsell von der Freiwilligen Feuerwehr Bad Krozingen, Dirk Borgmann vom DRK und Pfarrer Andreas Eisler von der Unfallseelsorge sind ebenfalls an diesem Nachmittag gekommen. Ruhig und sachlich berichten die Projektmitglieder über verschiedene Unfälle, zu denen man sie gerufen hatte. Von der Alarmierung, von der Fahrt zur Unfallstelle, von dem Moment, wenn klar wird, dass es sich um einen schweren Unfall handelt. Sie erzählen von der Professionalität, mit der gearbeitet werden muss, und auch von dem Zeitdruck, wenn es um Schwerverletzte und um Leben und Tod geht. Dirk Borgmann vom DRK schildert einem schweren Unfall, bei dem fünf Kinder beteiligt sind. Als er den vergeblichen Kampf eines Arztes um das Leben einer Vierjährigen erwähnt, stockt seine Stimme. Rettungshubschrauber aus ganz Baden-Württemberg waren an der Rettungsaktion beteiligt. 16 Einsatzkräfte benötigten hinterher eine psychologische Betreuung, darunter auch Borgmann selbst. Nach ihm spricht auch Sebastian Gutjahr, er wurde einst bei einem selbst verschuldeten Unfall schwer verletzt. Er erzählt von zahllosen Operationen, von seinem „Weg zurück ins Leben“, aber auch von bleibenden körperlichen Beeinträchtigungen. Auch Notfallseelsorger Andreas Eisler kommt zu Wort. Er weiß, dass bei solchen Einsätzen immer wieder die Grenzen des Erträglichen erreicht werden, manchmal werden sie auch überschritten. Den Opfern, den Angehörigen, aber auch den Einsatzkräften hinterher beizustehen, das ist seine selbst gewählte Aufgabe.
Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der drastischen Schilderungen wird die Kampagne von den Schülern positiv bewertet. Nach den Vorträgen sieht man viele nachdenkliche Gesichter. Auch Schulleiter Sven Steinlein ist von der Wirksamkeit überzeugt: „Hier an der Gewerbeschule haben wir eine der Risikogruppen.“ Steinlein weiter: „Das sind junge Männer, sie machen eine Ausbildung im Bereich Fahrzeugtechnik, da ist also Interesse an Fahrzeugen da. Gleichzeitig sind viele Fahranfänger.“
Vor kurzem wurde die Kampagne auf besondere Weise gewürdigt. Auf der zweiten Verkehrssicherheitskonferenz im Februar in Pforzheim zeichneten Innenminister Thomas Strobl und Verkehrsminister Winfried Hermann mehrere Projekte mit dem Verkehrsinnovationspreis Baden-Württemberg aus, darunter auch „Begegnungen – Realität erfahren“. Ein Großteil der Referenten war vor Ort um den Preis in Empfang zu nehmen. „Verkehrssicherheitsarbeit beginnt bereits im Kleinen“, lobte Innenminister Strobl. Die ausgezeichneten Projekte zeigten auf beeindruckende Weise, wie wichtig kluge Ideen, Engagement und Initiative für mehr Verkehrssicherheit seien. Peter Göpfert