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Neue Risse in Staufen

Auch 20 Jahre nach den verhängnisvollen Geothermiebohrungen setzt sich die Katastrophe fort

Staufen. Kürzlich tagte zum zweiten Mal in diesem Jahr der Arbeitskreis (AK) Hebungsrisse. Wichtigstetes Ergebnis: Das Büro für Baukonstruktionen Karlsruhe (BfB) stellte weitere neue Schäden an den Gebäuden in der historischen Altstadt fest.

2027 jährt sich der Beginn der Risse-Katastrophe zum zwanzigsten Mal. Auslöser war eine nicht sachgerecht durchgeführte Geothermiebohrung im Zuge der Sanierung des historischen Rathauses. Im September 2007 führte die Auftragsfirma sieben Sondierungsbohrungen bis zu einer Tiefe von 140 Metern durch. Zwei der 135 mm starken Bohrlöcher stürzten ein, bevor die Geothermiesonden installiert werden konnten. Es entstand eine Verbindung zwischen dem unter hohem Druck stehenden Grundwasser und einer darüber liegenden Gipskeuperschicht. Durch die Wasseraufnahme begann das in dieser Schicht eingelagerte Mineral Anhydrit, sich in Gips umzuwandeln, wobei sich sein Volumen bis zu 60 Prozent vergrößern kann. Als im Oktober 2007 am Rathaus und an benachbarten Gebäuden Risse festgestellt wurden, die sich allmählich über die Innenstadt ausbreiteten, gerieten die Geothermiebohrungen in Verdacht, was ein Gutachten, das die Stadt bei der Universität Stuttgart in Auftrag gab, bestätigte. 2008 wurde ein Netz von 100 Messpunkten in der Innenstadt eingerichtet, die Messungen ergaben, dass der Boden sich mit einer Geschwindigkeit von 11 Millimetern pro Monat anhob. 120 Häuser waren bereits geschädigt. Im selben Jahr wurde der Arbeitskreis Hebungsrisse gegründet, mit Vertretern aus Stadtverwaltung, Gemeinderat und betroffenen Bürgern sowie Experten und Gutachtern, um die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur fachlich zu begleiten und Gegenmaßnahmen zu koordinieren. Die Erkundungsbohrung hinter dem Rathaus wurde zu einem Brunnen umgebaut, und man begann, das Grundwasser abzupumpen. Im Januar 2010 ergaben die Messungen erstmals eine Reduzierung der Hebungsgeschwindigkeit. Durch die Inbetriebnahme eines zweiten Brunnens Anfang 2011 konnte diese weiter reduziert werden. Inzwischen wird das Pumpmanagement zur Absenkung des Grundwassers standardmäßig mit drei Brunnen und mehreren dazugehörigen Pumpen betrieben. Anfang dieses Jahres wurde eine ältere Pumpe durch eine leistungsstärkere ersetzt, die das Wasser in 160 Metern Tiefe abpumpen kann. Lag die maximale Hebungsgeschwindigkeit anfangs bei rund 11 mm im Monat, zeigen aktuell zwei Messpunkte als größte Hebungsraten 0,84 mm pro Monat an. Ziel ist es, die Hebungen auf null zu bringen. Das Grundwasser muss rund um die Uhr abgepumpt werden, damit die Gipskeuperschicht nicht weiter aufquillt. Auch das Monitoring von Grundwasser und Pumpen, Infrastruktur und Gebäuden muss dauerhaft erfolgen. Der AK Hebungsrisse, der anfangs monatlich tagte, informiert dreimal im Jahr über den aktuellen Stand. In der jüngsten Sitzung berichtete das Büro für Baukonstruktionen (BfB), dass die Veränderungen der bestehenden Risse weiterhin gering sind und daher größere Gebäudesanierungen geplant oder bereits durchgeführt werden. Und trotzdem: Neben neuen Schäden an Gebäuden treten auch immer wieder Schäden am Pflasterbelag auf. Der Absenkbetrieb lief im Berichtszeitraum kontinuierlich und unauffällig. Der Druckwasserspiegel sinkt stetig langsam weiter. Die aktuelle Trockenheit hat keinen direkten Einfluss auf die Fördermengen. Die regelmäßigen Kontrollen des öffentlichen Erdgasnetzes erfolgen weiterhin planmäßig und blieben ohne Beanstandung. Mit dem Archivneubau und dem Wiederaufbau des Technischen Rathauses, will die Stadt Staufen zwei Gebäude mitten im Hebungsgebiet erstellen und damit ein Zeichen der Zuversicht setzen. Dr. Sabine Brandenburg-Frank