WZO

Mundingen hat sein „Bierhiesli“ wieder: Am 3. Juni wagt Neu-Wirtin Martina Würstlin den Re-Start

In jedem noch so kleinen Dorf gab es früher mindestens ein Gasthaus mit gutbürgerlicher Küche. Leider sind viele davon mittlerweile verschwunden. Potenzielle Gastronomen scheuen das unternehmerische Risiko, die unregelmäßigen Arbeitszeiten und die ständige Suche nach Personal.

Insofern konnte sich Mundingen glücklich schätzen, einen Reinhard Busam zu haben. Der ausgebildete Koch führte fast fünf Jahrzehnte lang das „Gasthaus zum Eichbaum“ in der Eichholzstraße. Schon sein Urgroßvater Wilhelm Schaffhauser hatte es 1889 eröffnet. Dass die Dorfbewohner dem Lokal liebevoll den Beinamen „Bierhiesli“ verpassten, hatte einen Grund. Am Tresen wurde der Gerstensaft ausgeschenkt, den Schaffhausers Bruder in seiner Emmendinger Brauerei herstellte. Im Weinort galt Bier damals noch als „ebbis B’sunders“.

Als Busam das Gasthaus 1978 von seinen Eltern übernahm, spielte Alkohol nur noch eine Nebenrolle. Seinen „Eichbaum“ führte er als gutbürgerliches Speiselokal mit sieben Gästezimmern und einer Ferienwohnung. Das Haus, das der Familie gehörte, hatte er extra bis auf die Grundmauern abgetragen und neu aufgebaut. Mit der Ehefrau, dem Bruder und vielen langjährigen Mitarbeitern hielt er das Lokal am Laufen. Bis zum letzten Tag, dem 31. Dezember 2025, war der „Eichbaum“ ein regional bekanntes Gasthaus mit hervorragendem Ruf.

Dass er vorhat, aufzuhören, hatte Busam schon zwei Jahre vorher bekanntgegeben. Die Nachfolge gestaltete sich schwierig. Zwar bekundeten viele mögliche Pächter Interesse, jedoch war der Eigentümer von keinem so richtig überzeugt. So beschloss er, das Gebäude zum Verkauf anzubieten. Damit drohte Mundingen der Verlust seines letzten Gasthauses. Im Dorf brodelte bereits die Gerüchteküche. Nachdem im Internet das erste Exposé erschien, erhielt er die unterschiedlichsten Anfragen. Dann wurde eine Frau von schräg gegenüber vorstellig.

Dabei handelte es sich um Nachbarin Martina Würstlin. Die 53-jährige Chemielaborantin ist Mundingerin durch und durch. Die Tochter des ehemaligen Ortsvorstehers Willi Monke liebt und lebt das Dorf, seit sie klein ist. Sie ist Ortschaftsrätin sowie Stellvertreterin des Ortsvorstehers und war lange Vorsitzende des Musikvereins. Zuletzt arbeitete sie regelmäßig als Aushilfe im Eichbaum. Nun schlug sie Busam vor, das Haus zu kaufen und den Betrieb mit ihrer Familie weiterzuführen. Die beiden wurden sich einig. Zum 1. Januar 2026 ging der Besitz offiziell an Würstlin über.

„Als Kind träumte ich davon, im Hinterhof ein eigenes Café aufzumachen“, sagt die dreifache Mutter auf ihre ruhige Art. Letztlich hätten mehrere Faktoren den Ausschlag gegeben. Würstlin nennt ihre Leidenschaft fürs Kochen und Backen, ihren Hang zur Geselligkeit, die Nähe zum eigenen Haus, die Bedeutung eines Gasthauses für Mundingen, die Kochausbildung ihres Sohnes und vor allem die Unterstützung der Familie. „Mein Mann, meine Kinder sowie Freunde und Bekannte werden das neue ‚Eichbaum‘-Team bilden“, sagt sie. Auch Reinhard Busam werde weiter mithelfen.

Am 1. Januar startete das „Team Würstlin“ mit der Renovierung. Zunächst nahm man sich die Fremdenzimmer vor. Seit März übernachten dort nun regelmäßig Gäste. Parallel dazu begannen die Arbeiten unten im Gastraum. In den letzten Wochen wurde jeder Zentimeter gereinigt. Punktuell gestaltete man die Räume um. Die Küche ist kaum wiederzuerkennen und verfügt nun über neue Fliesen, eine neue Lüftung, höhere Türen sowie getrennte Zugänge für Essen und Geschirr. Der Ausschankbereich und die neugeschaffene Kinderecke erhielten ein neues Eichenholz-Design. Und unten im Keller soll künftig ein Darts-Automat stehen.

„Das Essensangebot bleibt badisch – wir servieren sowohl gutbürgerliche Klassiker als auch vegetarische Gerichte“, erklärt die neue Chefin. Neben Schnitzeln, Rumpsteaks oder badischem Dreierlei mit Pommes frites, Brägili und Spätzli gebe es nun auch Geflügelstückli, Pfanneknödel oder Blumenkohlschnitzel. Bestellen könne man nach dem Bausteinprinzip. Gekocht werde frisch, das Fleisch beziehe man von der Metzgerei Feißt. Zu trinken gebe es unter anderem Rothausbier, Storck-Weine und Holunderblütenschorli. Überhaupt betont Würstlin den regionalen Ansatz. „Die Speisekarte ist in badischer Sprache – wir können gerne beim Übersetzen helfen“, zwinkert sie.

Mittlerweile läuft der Countdown. Am 3. Juni startet das neue „Gasthaus zum Eichbaum“ aka „Bierhiesli“ mit dem Betrieb. Von Mittwoch bis Sonntag öffnet das Lokal dann jeweils ab 17 Uhr seine Pforten. Schon jetzt sind Tischreservierungen möglich. Die Küche hat bis 21.30 Uhr geöffnet. Tipp: Bereits am kommenden Sonntag, 24. Mai, veranstalten Martina Würstlin und ihr Team einen Tag der offenen Tür. „Von 11 bis 17 Uhr laden wir alle Wunderfitze zu einem Glas Secco, Fingerfood sowie Kaffee und Kuchen ein“, freut sie sich auf viele Gäste.

Text und Bild: Daniel Gorzalka