WZO

Neu-Perspektive gesichert

Bürgerinformation über die Zukunftsausrichtung der Gesundheitsversorgung in Breisach

Breisach. Nachdem im vergangenen Oktober das Aus des Helios Rosmann Krankenhauses feststand, lag die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Breisach im Ungewissen. Seither hat sich eine Menge getan (der ReblandKurier berichtete). Mitte Mai lud die Stadt Breisach zu einer öffentlichen Bürgerinformation über die Neuausrichtung und die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Breisach und der Raumschaft ein.

Bürgermeister Oliver Rein blickte in seiner Begrüßung auf die Ausgangslage zurück: „Die Schließung eines Krankenhauses ist ein hoch emotionales Thema. Trotzdem ging es nie darum zu schimpfen oder Schuldige zu suchen, sondern immer um die Entwicklung einer Strategie in eine andere Zukunft des Standorts“.
Die politische Zielsetzung sah drei Schwerpunkte vor. Zunächst galt es zu sichern, was nach dem Ausstieg von Helios noch vorhanden war. „Dies waren das von Helios geführte Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) sowie die drei Facharztpraxen Urologie, Radiologie und Neurologie“, führte der Bürgermeister aus. Darauf aufbauend könnte der Standort zu einem Gesundheitscampus entwickelt werden. Bestenfalls würde dieser dann kostendeckend geführt werden. „Für diese Gedanken gab es damals Skepsis und Häme“, erinnerte Oliver Rein an die Stimmung in der Bürgerversammlung im Oktober. Doch mit der Ansiedlung der Mediclin Seidel Klinik Bad Bellingen wurde das letzte Puzzleteil gelegt und die Zielsetzung konnte, kritischen Stimmen zum Trotz, realisiert werden.
Namhafte Fachleute informierten über die medizinischen und wirtschaftlichen Hintergründe. Djordje Nikolic, früherer Geschäftsführer der Helios Klinik Müllheim und Berater der Stadt Breisach, erläuterte die aktuelle Situation in der medizinischen Landschaft: „Deutschland hat 1900 Krankenhäuser. Viele existieren aus der Historie, nicht aus Bedarfsgründen.“ Im internationalen Vergleich weise Deutschland mit die höchsten Kosten im Gesundheitswesen auf, liege aber hinsichtlich des objektiven Indikators der Sterblichkeit nur im Mittelfeld. Daher strebe die angestrebte Reform der Bundesregierung eine Verringerung und Spezialisierung an.
Djordje Nikolic zog das klare Fazit: „Breisach würde wegen des fehlenden Hinterlands durch die Grenze zu Frankreich im Westen und der Uniklinik Freiburg als eine der am besten ausgestatteten Kliniken des Landes im Osten objektiv nicht gebraucht.“ Trotz dieser negativen Rahmenbedingungen entstehe in Breisach etwas richtig Gutes, das so nicht zu erwarten war. Klar sei aber auch, dass die Neuausrichtung zu einem veränderten Angebot führen werde.
Den Bedenken, dass sich die Versorgungssituation für die Bevölkerung ändert, trat Andy Kaufmann, Bereichsleiter Rettungsdienst beim DRK Freiburg, klar entgegen: „Nein, es ändert sich nichts.“ Das Helios Rosmann Krankenhaus habe auch in der Vergangenheit keine Rolle in der Notfallversorgung gespielt, sondern es fanden in diesen Fällen stets Transporte nach Freiburg statt. Diese seien auch künftig sichergestellt.
Mit dem Ausstieg von Helios stand auch das bisherige MVZ Breisach vor einer unsicheren Zukunft. Doch mittlerweile wurde ein neues MVZ in der Rechtsform einer städtischen GmbH gegründet. Anteilseigner sind die Stadt sowie die Ärzte Klaus-Jürgen Engler und Normen Schatz.
Die Stadt hat die Geschäftsführung und nimmt zur Anschubfinanzierung ein Darlehen auf. Klaus-Jürgen Engler optimistisch: „Mit der Möglichkeit der Durchführung ambulanter Operationen hat das MVZ ein größeres Angebot als früher, weil diese Leistungen bisher in der Klinik erbracht worden sind.“ Damit könne man den wirtschaftlich defizitären Bereich der akuten Behandlungen kompensieren.
Eine zentrale Rolle im Gesundheitscampus kommt der Mediclin Seidel Klinik zu, die zum 1. Juli für zunächst 13 Jahre 7.300 Quadratmeter anmietet, mit Option auf weitere 1.600 Quadratmeter. Die kaufmännische Direktorin Heidi Bäumgen erläuterte die Ausrichtung: „Wir vertreten einen konservativen Ansatz und eine Kooperation verschiedener Fachbereiche, hier bieten das MVZ und die Facharztpraxen im Gebäude einen riesigen Vorteil.“
Landrat Christian Ante ging auf die Rolle des Landkreises in der Gesundheitsversorgung ein. Der Landkreis habe den Rückkauf des Gebäudes und die Übergabe an die Stadt Breisach zu einem symbolischen Preis von einem Euro realisiert. Oliver Rein zog ein erfreuliches Fazit: „Unsere Klinik ist wieder voll. Wir haben 123 Betten, das sind sogar mehr als zuvor. Durch die Genehmigung der Arztsitze ist das MVZ auf Dauer in Breisach gesichert.“ Trotz einiger kritischer Anmerkungen seitens der Bürgerinitiative zur Rettung des Krankenhauses überwogen bei der anwesenden Bürgerschaft Freude und Erleichterung über die Perspektive. Michael Mros, Vorsitzender des Seniorenbeirats, sprach erkennbar für den weit überwiegenden Teil der Anwesenden, als er unter lautem Beifall Bürgermeister und Gemeinderat für die jetzt gefundene Lösung dankte. Das Schlusswort gehörte Oliver Rein: „Lassen Sie uns jetzt motiviert in die Zukunft gehen. Werner Seger