Widerstand gegen Transporte
Nach Schwerlastunfall in Schweighof fordert Ortsvorsteherin mehr Sicherheit / Unterschriftensammlung
Badenweiler-Schweighof. Am Donnerstag, 27. August, verunglückte ein Schwerlasttransport für den Windpark Sirnitz auf der L131 in der S-Kurve beim ehemaligen Gasthof Auerhahn. Zum Glück wurde niemand verletzt, als das etwa 27 Tonnen schwere Rotorblatt unmittelbar neben einem Wohnhaus auf die Transportfahrzeuge stürzte. Dieser Unfall, von dem die Anwohner noch immer geschockt sind, veranlasste die Ortsvorsteherin von Schweighof, Kerstin Reichert-Fuchs, zu einer Unterschriftensammlung gegen den Transport von 13 weiteren Rotorblättern für die insgesamt fünf Windkraftwerke (WKA).
Eigentlich wollte Regine Devant am 27. August auf Video dokumentieren, wie der Schwerlasttransport mit dem von einem Spezialauflieger (Bladelifter) steil aufgestellten 85 Meter langen Rotorblatt ihr Grundstück in der Kurve oberhalb des ehemalige Gasthauses Auerhahn umrundete, aber dann ereignete sich direkt neben ihrem Haus vor ihren Augen und ihrer Kamera einer der schwersten Unfälle beim Transport von Bauteilen eines WKA. Im Video kann man sehen, wie einer der Mitarbeiter sich gerade noch rechtzeitig vom Fahrzeug rettet. „Das Überschwenken des Rotorblatts über mein Grundstück ist eigentlich verboten, wird aber trotzdem gemacht. Wäre der Unfall drei Meter weiter vorne passiert, wäre mein Haus getroffen worden“, erklärte Devant. Sie kritisiert, dass es keine genauen Informationen der Anwohner von Seiten der Badenova gebe, „wir erfahren die Termine nur über den allgemeinen Newsletter“. So wurde sie davon überrascht, dass bereits am Samstag die Zufahrt zu ihrem Grundstück von der Security abgesperrt war, weil das Rotorblatt zersägt wurde. „Das sollte eigentlich erst am Montag passieren“. Befremdlich fand sie auch den Mangel an Sicherheitsvorkehrungen. „Die Arbeiter trugen keinen Mundschutz, es gab keine Einhausung, der Staub verteilte sich mit dem Kühlwasser in der Landschaft.“
Auch Kerstin Reichert-Fuchs, Ortsvorsteherin von Schweighof, kritisiert die mangelhaften Sicherheitsmaßnahmen. „Die Schwerlasttransporte fahren mitten durch Schweighof, das ist wie bei einem Fastnachtsumzug, viele Schaulustige säumen die Straßen oder begleiten den Transport, aber es werden keine Ordner abgestellt, um die Situation zu sichern. Die Menschen sind fasziniert, sie sind sich der Gefahr nicht bewusst. Wäre der Unfall im Ort passiert, hätte es eine Katastrophe gegeben.“ Sie ist überzeugt, dass die Transportmittel für das steile Gelände nicht ausreichen. „Dem Spezialtransporter waren ein Lastwagen und ein Traktor vorgeschaltet, das lässt darauf schließen, dass das Fahrzeug überlastet war. Schon der zweite Transport verzögerte sich, weil ein Hydraulikschlauch ausgewechselt werden musste. Jetzt ist eine Naht gerissen, da bestehen begründete Sicherheitsbedenken!“ Deshalb hat Reichert-Fuchs eine Unterschriftensammlung gestartet, um einen Antrag beim Landratsamt einzureichen, dass die Rotorblatt-Transporte nicht mehr durch Schweighof fahren dürfen, um Menschen und Häuser zu schützen. „Menschenschutz ist oberstes Gebot, das muss gewährleistet sein! Wurde sichergestellt, dass das Fahrzeug die Steigung bewältigen kann?“ Zur Zeit sind die Transporte mit dem Bladelifter gestoppt, die Staatsanwaltschaft ermittelt zu den Ursachen des Unglücks.
Das Video von Regine Devant kann man auf dem YouTube-Kanal „Sirnitzunfall“ anschauen.
Dr. Sabine Brandenburg-Frank
