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Die Agenda von OB Kieber

Bad Krozingens Oberbürgermeister nimmt Stellung zu aktuellen Themen und Projekten

Bad Krozingen. Kürzlich ist Bad Krozingens Oberbürgermeister Volker Kieber aus dem Urlaub zurückgekehrt, hat den Dienst wieder aufgenommen und am Samstag, 12. September, seinen 64. Geburtstag gefeiert. Für den ReblandKurier stand das Stadtoberhaupt RK-Redaktionsleiter Frank Rischmüller Rede und Antwort.

Welchen besonderen Geburtstagswunsch haben Sie sich am oder hat man Ihnen zum 64. Geburtstag erfüllt?

Volker Kieber: Es war ein Familientag – endlich konnte ich mal Zeit mit der Familie verbringen. Diesen gemeinsamen Wunsch haben wir uns erfüllt. Wir haben zusammen gefrühstückt, haben eine lange gemeinsame Wanderung unternommen und sind abends zusammen essen gegangen. Es war wunderbar, auch wenn ich dadurch das SC-Spiel nicht im Stadion miterlebt habe.

Um auf die Politik zu kommen: Wie sehr bedrückt Sie der Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt?

Volker Kieber: Das Wahlergebnis bedrückt mich wirklich sehr. Obwohl die AfD in Sachsen-Anhalt als in Teilen rechtsradikal eingestuft wird, haben fast die Hälfte der Wähler diese Partei gewählt. Fallen wir jetzt zurück in die 30er Jahre? Sorgen mache ich mir, dass die politische Mitte, die „ja“ zu Europa sagt, die für wichtige Werte wie Freiheit, Demokratie und europäische Einheit steht, so dermaßen abgestürzt ist.

Wie gelingt es, in unserem Heilbad rechtsradikale Strömungen halbwegs im Zaum zu halten?

Volker Kieber: Ich denke, dass uns gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern bei den Geflüchteten ein gutes Integrationsmanagement gelungen ist. Wir hatten und haben viele freiwillige Helfer, der Umgang mit unseren neuen Mitbürgern war und ist gut. Wir haben zum Beispiel auch Geflüchtete hier bei der Stadtverwaltung eingestellt. Somit gab es in Bad Krozingen keine Konflikte und keine Polarisierung. Toll finde ich, dass die Bürger mitziehen. Unser Fest „Zusammen sind wir Heimat“, das jetzt im September wieder ansteht, ist ein gutes Beispiel für die Weltoffenheit und das positive Klima der Menschen unterschiedlicher Herkunft bei uns im Heilbad.
Während Ihres Urlaubs passierten in Bad Krozingen ungewohnte Dinge. Das Trinkwasser war über Wochen verunreinigt, dann gab es auch noch einen längeren Stromausfall. Wie nahe waren Sie daran, Ihren Urlaub abzubrechen?

Volker Kieber: Seit Anfang des Jahres sind wir Große Kreisstadt und seit dem 1. Februar habe ich mit Christoph Ober einen hauptamtlichen Stellvertreter. Wir waren während dieser Krise, trotz meines Urlaubs, im täglichen Austausch und ich hatte vollstes Vertrauen in meinen Stellvertreter.

Wie zufrieden waren Sie konkret mit der zweiten Reihe, angeführt von Bürgermeister Ober, in dieser Krisensituation?

Volker Kieber: Die haben das gut gemanaget. Die Aufgabe der Stadt war ja zuvorderst eine kommunikative. Zu allererst galt es eventuell vulnerable Gruppen, also etwa die Kliniken und Pflegeheime, zu informieren. Das ist an dem besagten Freitagmittag, nach Bekanntwerden der Art der Verunreinigung, mit viel persönlichem Einsatz geschehen. Auch die Bespielung der Online-Kommunikationswege und die Informationen an die Medien haben bestens funktioniert. Festzuhalten ist: Für die ganz normalen, gesunden Mitbürgerinnen und Mitbürger hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden.

Bad Krozingen bewegt sich – der Kurpark wird größer, die Innenstadt grüner – welche Projekte stehen jetzt für Bad Krozingen und den Oberbürgermeister an?

Volker Kieber: Die Liste ist lang, denn es gibt eine Menge zu tun: Seit Anfang dieser Woche gibt es in Bad Krozingen in der Grundschule Ganztagsunterricht. Durch den Beschluss der Bundesregierung ist das ein Rechtsanspruch. Bei uns haben sich etwa 50 Prozent der Eltern für diese Schulform, die ich persönlich aus Gründen der Chancengleichheit befürworte und schon 2014 in Bad Krozingen anschieben wollte, entschieden. Die mit der Ganztagsbeschulung verbundenen Personalkosten gehen übrigens zu Lasten des Landes und nicht der Kommune, was aus unserer Sicht natürlich ein weiterer Vorteil ist und uns entlastet. Perspektivisch sehe ich die Ganztagsschule als das Modell der Zukunft. Die aktuelle Pisastudie zeigt deutlich, dass wir mehr Bildungsgerechtigkeit brauchen. Baulicher Veränderungen an der Landeckschule bedurfte es vor dem Hintergrund der Ganztagsschule auch – mit einer neuen Mensa und Betreuungsräumen haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Bauen ist auch das Thema bei den Neubaugebieten, die wir auf den Weg gebracht haben: Am Wäldele in Schlatt, Schmidtackern in Hausen und das Richtberggelände an der Kirchhofener Straße. Zudem haben wir ein neues 4,5 Hektar großes Gewerbegebiet an der B3 in Tunsel angeschoben. Die Sanierung der Sporthalle ist gerade abgeschlossen, die Grundschule in Biengen wird baulich erweitert – es tut sich eine Menge in unserer Stadt. Ein ganz anderes aktuelles Thema ist jetzt im Herbst die seit 15 Jahren bestehende Städtepartnerschaft mit Bojnice in der Slowakei. Ich werde in Kürze, anlässlich des Jahrestages, mit einer kleinen Delegation in unsere Partnerstadt reisen. Während Bürgermeister Ladislav Smatana einen ähnlichen europäisch orientierten Wertekompass hat wie wir, tendiert der Präsident des Landes eher zu Moskau. Deshalb ist unser Besuch auch politisch von Bedeutung.
Von großer Bedeutung für unsere Stadt war und ist der scheidende Kurdirektor Rolf Rubsamen, den wir demnächst, im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum „115 Jahre Mineral-Thermalwasser in Bad Krozingen“ in den Ruhestand verabschieden. Mit Markus Matz folgt sein bisheriger Stellvertreter in der Rolle des Geschäftsführers der Kur- und Bäder GmbH. Das ist ein Einschnitt aber zugleich eine gute Nachfolgelösung. Außerdem auf unserer Agenda für die aller nächste Zukunft: Ein Hitze-Schutz-Konzept, der Hochwasserschutz und ein neues Pflegeheim, das im Kurgarten gebaut wird. Abgebaut werden jetzt hingegen die Wohn-Container in der Schwimmbadstraße. Ich bin zuversichtlich, dass auch die Container in den Teilorten bis Januar entwohnt und verschwinden werden. Unsere Stadtentwicklung geht weiter und es wird grüner und schöner in Bad Krozingen.

Zum Abschluss möchte ich ihnen gerne zwei sehr persönliche Fragen stellen: Was hat Sie in jüngster Zeit betrübt?

Volker Kieber: Der Umgang und die Kommunikation in der Stadtgesellschaft wird rauer. Persönliche Bedürfnisse werden höher bewertet als das Gemeinwohl – dabei bleibt ein wertschätzender Umgang oft auf der Strecke.

Und was hat Sie in jüngster Zeit besonder erfreut?

Volker Kieber: Ich freue mich riesig über den sportlichen Erfolg des SC Freiburg und wie dieser Verein die Region zusammenhält. Haltung und Mentalität des SC Freiburg sind wirklich vorbildlich. Es wäre wünschenswert, das auf unsere Gesamtgesellschaft zu übertragen. (fr)