Bürgerinteresse an der Wahl ist riesig
Ettenheim (ks). Volles Haus auch bei der vom Gemeindewahlausschuss (GWA) anberaumten Vorstellung der drei Kandidierenden, die sich am 4. Oktober für das Bürgermeisteramt zur Wahl stellen und damit bei den Wählern um die Nachfolge von Bruno Metz wetteifern.
Es sind ausschließlich Ettenheimer – mit unterschiedlicher beruflicher Herkunft, unterschiedlichem kommunalpolitischem Background, unterschiedlichen Engagements im Ehrenamt. Sie eint ihre Vorstellung, Ettenheim im Gespräch mit der Bürgerschaft weiter gut voranzubringen. Alle treten parteiunabhängig an.
Metz als Vorsitzender des GWA freute sich bei der Begrüßung über das anhaltend große Bürgerinteresse, über eine zum zweiten Mal schon proppevolle Stadthalle und das rege Interesse bei den von den Kandidierenden angebotenen Einzelveranstaltungen in der Kernstadt und den Ortsteilen. Demokratie sei ein hoher Wert. In ihr geht die Macht vom Volke aus – ein wichtiger Grund für Metz, am 4. Oktober zur Wahl zu gehen.
Mit Blick auf die Kandidierenden befand Metz, man habe in Ettenheim „eine wirkliche Wahl“. Die Weichenstellung obliege nun den Wahlberechtigten, wer vom Januar an das Bürgermeisteramt innehat. Er selbst trete an diesem Abend zum fünften Mal bei einer solchen Veranstaltung auf: „Nie zuvor so entspannt.“ Lächeln bei ihm, Lächeln bei Kandidierenden wie beim Publikum.
Klare Vorgaben Der GWA hatte die Rahmenbedingungen für diesen Abend festgelegt. Die drei Kandidierenden hatten jeweils 15 Minuten Zeit, ihr Wahlprogramm vorzustellen. Danach hatten die Veranstaltungsbesucher die Möglichkeit, den Kandidaten einzeln Fragen zu stellen. Maximale Zeit von einer Minute für die Fragestellung, maximal anderthalb Minuten für die Antwort. Im letzten Block der knapp dreistündigen Veranstaltung konnten Fragen gestellt werden, zu denen alle drei Kandidierenden ihre Sichtweise darlegen sollten.
Auf die Einhaltung all dieser Vorgaben achtete Jürgen Fleckenstein, Professor an der Hochschule Kehl, der den Abend moderierte. Als Reihenfolge der Kandidierenden übernahm man die des Wahlzettels, bei der Carina Kratt vor Alexander Ruchti und Dominik Eble steht. Über diese Reihenfolge hatte das Los entschieden zwischen Kratt und Ruchti, die beide ihre Bewerbung am erstmöglichen Tag abgegeben hatten, während Eble seine Kandidatur erst später bekanntgab.
Carina Kratt „Frischer Wind, starke Wurzeln, neue Generation“ – unter diesem Slogan stellte die 26-jährige gebürtige Ettenheimerin, Absolventin der Hochschule für Verwaltung, gegenwärtig Sachbearbeiterin bei der Baurechtsbehörde der Stadt Lahr, ihren Antrieb, erste weibliche Inhaberin des Bürgermeisteramts in Ettenheim zu werden. Dieses Ziel habe sie sich seit Kindesbeinen gesetzt, wie sie immer wieder betont. Sie zählte bei ihrer Vorstellung eine Vielzahl an Engagements im Ehrenamt auf. Seit sieben Jahren sitzt sie für die Freien Wähler im Gemeinderat.
„Heimat entsteht da, wo sich Menschen engagieren“, so Kratt. Wenn sie in ihrer Bewerbung auf ihre Jugend setzt, solle das nicht „Alt gegen Jung“ bedeuten, jedoch könne Jung-Sein eine Chance bieten, wenn man um den Blickwinkel, um die Herangehensweise junger Menschen an Dinge wisse. Die Vereinbarkeit von Familienplanung und Amt habe sie mit ihrem Partner geregelt.
Mit einem Unternehmer-Stammtisch will sie die Stadt wirtschaftlich stärken. Ettenheim müsse Schulstadt, das Angebot an Kita groß und vielfältig bleiben. Ehrenamtliches Engagement liegt ihr am Herzen. Im Bereich Wohnen will sie zuerst einmal nach Möglichkeiten bei Leerständen und Baulücken suchen. Zum Klimaschutz will sie vor allem durch mehr Grün in Straßen, auf Plätzen, in Kernstadt und Ortsteilen beitragen. „Ettenheim muss nicht neu erfunden, aber kontinuierlich weiterentwickelt werden“, so ihr verbaler Schlusspunkt.
Im Fragenblock aus der Zuhörerschaft ging es um Klimaschutz („Es ist schon später als 5 vor 12“), regenerative Energien („Da ist Ettenheim gut aufgestellt; Windräder aber nur in erträglichem Maße“), Verbot von Schottergärten („Erstrebenswert, aber rechtlich nicht ganz einfach“), Pflasterbelag in der Innenstadt („Der Gemeinderatsbeschluss für Granitpflaster steht zunächst einmal“). Und was, so wurde sie gefragt, wenn sich ihr Kindheitstraum am 4. Oktober nicht erfüllt? „Dann engagiere ich mich garantiert weiterhin im Ehrenamt für diese Stadt.“
Alexander Ruchti „Zuhören, abwägen, entscheiden“ – so das Amtsverständnis von Alexander Ruchti, seit 16 Jahren Ettenheims Stadtkämmerer, auch als Bürgermeister. „Weitblick durch Nähe“, so sein Motto – Nähe im Zuhören, im Austausch mit den Bürgern – Weitblick bei Entscheidungen. Zuhören können sei Teil seiner Identität, sei für ihn der richtige Weg bei Herausforderungen. Gewiss arbeite ein Kämmerer mit Zahlen, Tabellen, Haushaltsplänen. „Aber hinter jeder Zahl steht eine Entscheidung – und hinter jeder Entscheidung steht Lebensqualität“, verdeutlichte der 46-Jährige an Beispielen: Schulausbau, Hallensanierung, Unterstützung der Vereine, Sicherung der Wasserversorgung. Er verwies auf bedeutende Investitionen der Stadt bei gleichzeitiger, deutlicher Reduzierung der Schulden im Kernhaushalt in den zurückliegenden Jahren.
„Eine Stadt kann sich entwickeln, wenn Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft an einem Strang ziehen“, so seine Erfahrung. Ihm komme ein gewachsenes Netzwerk, das Wissen um hilfreiche Fördertöpfe zugute, „zugute für Ettenheim“. Interkommunale Zusammenarbeit ist für ihn wichtig. „Wir müssen eigenständig bleiben, aber nicht alles allein machen.“ Geplante Schwerpunkte: Stärkung der örtlichen Wirtschaft, der Innenstadt wie der Ortsteile, aktive Stadtgestaltung, Ausbau der Digitalisierung. Nicht alles, was neu ist, sei automatisch besser. Aber nicht alles, was vertraut ist, sei unbedingt zukunftsfähig. „Mich treiben diese Aufgaben an“, so Ruchti, „weil mir und unserer Familie Ettenheim längst als Heimatstadt ans Herz gewachsen ist“.
Im Frageblock über die Verkehrssituation (Otto-Stoelcker-Straße, Innenstadt, Radwege), über konkrete Schritte in der Wirtschaftsförderung, die Innenstadtgestaltung verwies Ruchti auf seine Zielsetzung: im kommenden Jahr mit all den Betroffenen Konzepte entwickeln und im Folgejahr angehen. Ob ihm als Haushaltsexperten bei Investitionen Zahlen im Wege stehen? „Wenn durch sie ein Mehrwert erzielt wird, wenn das Geld durch diese Investitionen zurückkommt, dann können Investitionen auf Zukunft sogar Ersparnis bedeuten“, so Ruchti anhand des Beispiels Erneuerung der Straßenbeleuchtung.
Dominik Eble Er habe seine Entscheidung zur Kandidatur sehr gut bedacht, so Eble, gebürtiger Elzacher, der seit sechs Jahren mit seiner Familie in Ettenheim wohnt, Das Leben hier sei angenehm, die städtischen Finanzen seien solide, in der Vergangenheit sei hier Respektables geleistet worden. Von einem Bürgermeister erwarte er Visionen, das Entwickeln von Strategien, das Bemühen, in Netzwerken Lösungen zu suchen. Ausdrücklich dankte Eble seinem Wahlkampfteam. Schwerpunkte seines viertelstündigen Vortrags waren Ehrenamt, Verkehrskonzept, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, solide Budgetplanung („Wir arbeiten schließlich mit Ihrem Geld“), Digitalisierung („In Ettenheim noch ausbaufähig“), tragfähige Visionen für Stadt und Ortsteile. Vereine seien „der Kitt der Gesellschaft“.
Er wolle das begonnene Sportstättenkonzept weiterdenken, ein Gesamtkonzept für die Innenstadt erarbeiten, eine Bürgeraktion „Lebensbaum für Lebensraum“ initiieren, ein cleveres Quartierskonzept erarbeiten sowie eine wohnortnahe Grundversorgung in den Ortsteilen anstreben. Als Visionen nannte der 43-jährige Diplom-Betriebswirt eine zentrale Begegnungsfläche für alle Generationen sowie die Einrichtung eines zentralen Kultur- und Bürgerzentrums. Im Bürgermeisteramt müsse man Veränderungen als Chance sehen, Visionen entwickeln, Vermittler zwischen unterschiedlichen Positionen sein. Aus seinen bisherigen Positionen bei Mercedes sehe er sich diesen Aufgaben gewachsen. Er versicherte, dass das angestrebte Amt nicht mit der Situation beim jetzigen Arbeitgeber zu tun habe.
Im Frageblock nach seinem Vortrag konnte er sich bei seinen Antworten einen Pop-up-Store in Leerständen in der Innenstadt vorstellen. Er strebt die Schaffung eines Ortes für Musik und Kunst als gesellschaftlichen Auftrag an, trotz der Anspielung des Fragestellers auf derlei bereits bestehende Räume. Auf die Verwunderung eines Besuchers, dass man Eble noch nie in Gemeinderatssitzungen gesehen habe, er dennoch „einen echten Wandel im Rathaus“ erreichen will, wie im Wahlprospekt propagiert, verwies Eble auf seine berufliche Tätigkeit in Stuttgart.
Fragen an alle drei Kandidaten Etliche der Besucherfragen an alle Kandidierenden im letzten Block des Abends griffen noch einmal Themen auf, die in diesem Wahlkampf immer wieder zur Sprache gebracht wurden: Pflasterbelag, Leerstände und Baulücken, Bürokratieabbau, Digitalisierung, Altstadtsatzung, Verkehrssituation (Otto-Stoelcker-Straße). Grundsätzliche Unterschiede waren bei den Antworten nicht wirklich herauszuhören. Was sie anders machen würden als der bisherige Bürgermeister? Was sie als persönlichen Unterschied zu den Mitbewerbern sehen? Wie sie ihr Verhältnis zu den Mitarbeitern im Rathaus verstehen? Diese Fragen gingen eher persönlich ans Eingemachte.
Eble räumte ein: „Ich kenne das Rathaus von innen nicht“, was er durch Führungserfahrung in der Wirtschaft ausgleichen zu können glaubt. Die Gabe, die Mitarbeiter zu motivieren, zu eigenverantwortlichem Handeln zu befähigen, davon sind alle drei Kandidierenden überzeugt. Ruchti zeigte sich sicher, dies bei seinem Mitarbeiterteam längst umzusetzen. Kratt zeigte sich überzeugt, dass eine weibliche und jugendliche Amtsführung ihre Vorteile habe, zudem habe sie entsprechende Führungsseminare besucht.
Angesprochen auf ihre Sichtweise zur AfD äußerten sich vor allem Ruchti und Eble in klaren Worten. Ruchti: „Ich bin nicht für Ausgrenzung und Angst machen, sondern für ein Miteinander und Integrieren.“ Eble: „Wir sollten den Boden der freiheitlichen Grundhaltung niemals verlassen, sondern gute Politik für alle Menschen machen.“ Kratt stellte klar, sich nicht für eine Partei, sondern für die Menschen einsetzen zu wollen.
Vom Wahlrecht Gebrauch machen Der noch amtierende Rathauschef dankte allen an diesem Abend Beteiligten: Organisatoren, Kandidierenden, Moderator, Besuchern. Er appellierte, am 4. Oktober vom Wahlrecht Gebrauch zu machen – um diese Chance von Demokratie zu nutzen und gleichzeitig gegenüber den Kandidierenden Respekt zu zollen, sich in solch außerordentlichem Maße für die Mitbewohner einzusetzen.
Die Kandidierenden-Vorstellung ist auf Youtube aufgezeichnet. Den Link zum Video gibt es auf der Homepage der Stadt Ettenheim.
