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„Chancen und Möglichkeiten ergreifen“

Herbolzheim (ake). Der Neujahresempfang stand unter dem Motto „Wandelmutig statt wankelmütig! Warum wir 2026 mehr Mutausbrüche und Wutlosigkeit brauchen“.
Bürgermeister Thomas Gedemer appellierte in seiner Rede an (Mit)Menschlichkeit, Offenheit und Empathie sowie an den Glauben an Veränderung als etwas Positivem. Für die musikalisch passende Umrahmung des Abends sorgte der Musikverein Wagenstadt.
Zahlreiche Menschen hatten den Weg ins Bürgerhaus nach Tutschfelden gefunden, um dort gemeinsam mit dem Bürgermeister auf das neue Jahr anzustoßen. Gedemer forderte dazu auf, den Wandel, die Veränderung nicht passiv zu erdulden, sondern aktiv zu gestalten. „Veränderung ist doch etwas ganz Normales“, so Gedemer in seiner Neujahrsansprache. „Es braucht immer auch das Gespür für die Möglichkeiten und Chancen, die sich uns bieten.“ Zwar stecke die Wirtschaft bekanntermaßen in einer tiefen Krise, der Klimawandel schreite in Extremen voran, die Bildungskatastrophe entwickle sich zum Dauerzustand. Doch der Blick in die Vergangenheit zeige, dass auch vor 50 Jahren Politik und Gesellschaft vor großen Herausforderungen standen. „Immer auch begleitet von Angst vor Veränderung, Angst vor Verlust, ‚Angst vor Unsicherheit.“ Und Gedemer betonte, dass die größte Gefahr dabei mitunter der politische Populismus sei, der gerade in desorientierten Gesellschaften seinen Nährboden finde. Nichtsdestotrotz habe die Bundesrepublik Deutschland seit Jahrzehnten eine „starke, stabile, sichere Demokratie“ und für diese müsse man sich weiterhin stark machen. Man müsse wandel-mutig sein: „Veränderungen aktiv gestalten statt krampfhaft festzuhalten“, so der Bürgermeister.
Exkurs in die VergangenheitEin kurzer Film der Reihe „Der 7. Sinn“ aus den 70er-Jahren zeigte recht deutlich, wie sich in Sachen Straßenverkehr – in diesem Fall ging es um „die Frau am Steuer“ – vieles verändert hat. Zum Glück. Bemerkungen wie „Frauen missachten häufig die Vorfahrt und können nicht einparken“ oder – im Bezug auf eine Autopanne – „ist die Dame jung und hübsch, kommt die Hilfe meist schnell“, sorgten an diesem Abend im Bürgerhaus für so einige Lacher, heute wäre ein solcher Film undenkbar, ein absolutes No-Go. Hier hat sich dann doch so einiges zum Positiven verändert.
Gedemer hob hervor, dass es auch ein Abwägen von Argumenten und den Austausch mit anderen brauche, „um Demokratie zu leben und mutige Entscheidungen treffen zu können. Nicht die schnellen Erfolge führten zum Ziel, es sei häufig ein Prozess, der Zeit brauche: „Statt Demokratie zu trainieren, wird schnell gesprintet. Schnelle Rekorde statt gründlicher Prozesse Autokraten und Diktaturen liegen damit vorn.“ Und er stellte die daraus resultierende Frage: „Wie sollen wir unseren Kindern die demokratischen Haltungen lernen, wenn die Regierenden dieser Welt dauerhaft die Macht des Stärkeren anwendet?“
Goldende BürgermedailleDoch es gebe, so der Herbolzheimer Bürgermeister, zum Glück Menschen, die aktiv den Wandel mitgestalten die „wandelmutig statt wankelmütig“ sind. Andreas Marx ist einer davon. Seit über 60 Jahren ist er ehrenamtlich aktiv und hat in den verschiedensten Bereichen für positive Veränderungen gesorgt, unter anderem in Kirche, Bildung, Nachhaltigkeit und dem fairen Welthandel. „Man kann ihn Mr. Perukreis nennen“, sagte Gedemer. Marx habe die Partnerschaft mit der Gemeinde Putina in Peru auf den Weg gebracht sowie das Perulädele, das entstanden aus einem Warenlager im Haus der Familie Marx später im Pfarrhaus in Wagenstadt untergebracht war und heute als Shopf im Shop Teil des Bücherwurms in Herbolzheim ist. Seit 2008 ist der ökumenische Perukreis ein gemeinnütziger Verein dessen Erlöse und Mitgliedsbeiträge noch heute zu 100 Prozent in die Projekte flössen. Andreas Marx wurde für sein umfangreiches Engagement mit der goldenen Bürgermedaille der Stadt Herbolzheim geehrt.
EhrungenAn diesem Abend außerdem Emely Stöcklin sowie Benedikt Bauch und Fabio Tunno über eine Ehrung freuen. Stöcklin, die ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Herbolzheim absolvierte, ist 2025 von der Ausbildungsstiftung des Landkreises Emmendingen zur „Auszubildenden des Jahres“ ausgezeichnet worden. Zweirad-Mechatroniker Benedikt Bauch ist mit dem Abschluss seiner Ausbildung nicht nur Kammersieger und Landesbester in Baden-Württemberg, er hat außerdem auch den ersten Platz auf Bundesebene belegt und ist Deutscher Meister der Zweirad-Mechatroniker.
Auch Fabio Tunno hat eine weitreichende Veränderung durchlaufen, wie er selbst berichtete. Der erfolgreiche Apnoetaucher hat seine Leidenschaft für die doch außergewöhnliche Sportart in Zeiten des persönlichen Umbruchs entdeckt. Sie hat ihn aus seiner Depression herausgeführt, wie er während des Neujahrsempfangs erläuterte – Apneutauchen quasi als Therapie. Das war noch während der Covid-Zeit. „Es ging ziemlich schnell tief hinunter und hoch hinauf“, erzählte der Sportler. Zahlreiche Erfolge zeugen davon, zuletzt erzielte er im vergangenen Jahr als bester deutscher Taucher den vierten Platz bei den Weltmeisterschaften auf Zypern. Doch neben all seinen persönlichen Erfolgen will Tunno seine positiven Erfahrungen auch weitergeben, einen Einblick in die unbekannte Sportart ermöglichen. So kann er sich vorstellen, im Sommer im Herbolzheimer Freibad ein Tauch-Event zu veranstalten: „Das ist vor allem auch für Kinder die Möglichkeit, sich im Wasser richtig zu bewegen.“
Ehe der Bürgermeister zum gemeinsamen Sektumtrunk einlud, sprach abschließend noch Hannelore Reinbold-Mensch, Vorsitzende der Bürgermeister im Landkreis, zu den Gästen des Neujahrsempfang. Sie hob das gute Miteinander der Gemeinden im Landkreis Emmendingen sowie das lebendige Ehrenamt vor Ort hervor: „Darauf lässt sich aufbauen“, so Reinbold-Mensch. Vieles könne hier gelingen. Ihr Wunsch sei, den innovativen Geist zu fördern und Standardprozesse zu bündeln, damit Kräfte für neue Aufgaben frei würden. Und genau das sei gemeinsam möglich, denn: „Miteinander geht es besser als alleine.“