Hast Du etwas Zeit für mich? Beim „I EM Music!“-Auftakt am Donnerstag rockte Nena fast zwei Stunden lang die Bühne
Mit dem Konzert von Nena erlebte das diesjährige „I EM Music!“ am Donnerstagabend einen unvergesslichen Auftakt. Mit ihren Hits und einer unbändigen Lust, auf der Bühne zu stehen, beamte die 66-jährige Deutschpop-Ikone die 5.000 Fans auf dem ausverkauften Schlossplatz zurück in ihre eigene Teenager-Zeit. Dabei brauchte es jedoch etwas Zeit.
Zu den Aussagen von Nena während der Corona-Pandemie kann man stehen wie man möchte. Wie sehr die Lehrerstochter aus Hagen in den 1980er-Jahren eine ganze Generation von jungen Menschen prägte, machte der Auftritt in Emmendingen nochmal deutlich. Der Gig war innerhalb weniger Wochen ausverkauft. Für den Konzertabend hatten zahlreiche Fans ihre Klamotten von damals aus dem Schrank geholt. Neben Leggins, Stirnbändern und halbhohen Adidas-Turnschuhen erblickte man sogar das Stones-Shirt, das die Sängerin bei ihren ersten TV-Auftritten trug. Und natürlich baumelten weit mehr als 99 heliumgefüllte Ballons über der Menge.
Nach dem Support-Gig des Freiburger Singer- und Songwriters Niklas Bastian betrat Nena um 20.07 Uhr die Bühne. Begleitet von ihrer Band, zu der unter anderem Tochter Larissa Kerner (Gesang) und Sohnemann Simeon Kerner (Keyboard) gehörten, feuerte sie die ersten Hits „Da Da Dam (Ich Geb Dir Mein Ja)“, „Zurück In Die Zukunft“ und „Willst Du Mit Mir Gehn“ aus der Hüfte. Wenngleich sie sich für die Fotografen am Bühnenrand routiniert in Pose warf – mit Stiefeletten, Latex-Leggins, Lederjacke und ihrer wallenden Ponyfrisur bewegte sie sich so leicht wie bei den ersten Auftritten vor 44 Jahren im Musikladen.
So richtig oszillieren wollte der Funke zwischen Nena und ihren Fans zunächst nicht. Selbst das früh gespielte „Nur geträumt“ änderte nichts. Lag es daran, dass die Deutschpop-Ikone schnörkellos ihre Songs spielte und dazwischen nur wenig mit dem Publikum interagierte? Erst die untergehende Sonne und das unfassbar gefühlvoll vorgetragene „Wunder Geschehn“ brachen das Eis. Menschen umarmten sich – teils unter Tränen. Von da waren Künstlerin und Publikum eins. Mit einer Coverversion des Punk-Klassikers „Blitzkrieg Bop“ hievte Nena das Publikum in die Tanzspur. Danach schien die Künstlerin richtig angekommen. „Wohnt da oben eigentlich jemand? Rapunzel vielleicht? Sonst ziehe ich da ein“, witzelte sie über das Markgrafenschloss.
Und so wurde das von allen sehnsüchtig erwartete „99 Luftballons“ gegen 21.30 Uhr zum großen Höhepunkt. Nena und ihr Publikum legten alles hinein. Und mit dem letzten Synthie-Ton schwebten die vielen Ballons dem Abendhimmel entgegen. Der Rest des Konzerts glich einem Rausch. „Nehmt die Handys runter, ich kann Eure Hände nicht sehen“, trieb sie die Menge an. Erst um kurz vor 22 Uhr beendete eine sichtlich ergriffene Deutschpop-Ikone mit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ ihren fast zweistündigen Gig. Länger hätte sie nicht spielen dürfen. In der Hand hielt sie ein Bild, das ein Kind aus dem Publikum für sie gemalt hatte.
Text und Bilder: Daniel Gorzalka



