Rücktritt nach fast 30 Jahren: Reutes Bürgermeister Michael Schlegel hört zum Jahresende freiwillig auf
Nach fast drei Jahrzehnten tritt Michael Schlegel als Bürgermeister der Gemeinde Reute zurück. Letzte Woche teilte der 61-jährige dem Gemeinderat mit, dass er zum Ende des Jahres aufhören werde. Wie kommt es, dass ein Rathauschef mitten in der vierten Amtsperiode aus freien Stücken seinen Stuhl räumt?
„Für einige mag dies überraschend kommen – wer mich kennt oder näher an mir dran ist, hat schon länger festgestellt, dass es Veränderungen gegeben hat“, erklärte Schlegel in der Sitzung am letzten Donnerstag. Die Entscheidung, aufzuhören, falle ihm nicht leicht. Reute und die Menschen hier seien ihm ans Herz gewachsen. Nach wie vor brenne er dafür, als Bürgermeister die Dinge voranzutreiben und aus den finanziellen Möglichkeiten das Beste zu machen – „und zwar so, dass nicht einige wenige etwas davon haben, sondern so, dass ein Mehrwert für möglichst viele entsteht“.
„Gerade jetzt sind wir wieder an einem Punkt, wo sich lange intensive, und geduldige Vorarbeit lohnt“, nannte Schlegel in seiner Rede beispielhaft die für den Neubau des Feuerwehrhauses notwendige Planfeststellung des Hochwasserschutzes, die Erschließung der Gewerbeflächen nördlich der K5130 oder den Spielplatz in der Ortsmitte. Generell sei in Reute in den letzten Jahrzehnten eine Infrastruktur entstanden, die sich mindestens auf Augenhöhe mit derer vergleichbarer Gemeinden befinde. Das Verhältnis mit dem Gemeinderat sei bestens, in der Verwaltung halte man trotz unbesetzter Personalstellen zusammen.
„Aber ich stelle schon einige Zeit fest, dass mir die Energie ausgeht“, nannte Schlegel den eigentlichen Grund für den Rücktritt. Dem Bürgermeisteramt und den damit verbundenen eigenen Anforderungen werde er nur durch enorme Kraftanstrengungen und dadurch, dass er dafür keinen Zeitaufwand scheue, gerecht. Dass gleichzeitig immer noch mehr Arbeit auf die Gemeinden abgeladen wird, ohne dass das notwendig Personal da ist, stehe all dem diametral gegenüber. „Dabei habe ich wenig Hoffnung, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändert“, so der Noch-Bürgermeister.
„Eigentlich will ich nicht gehen, aber ich muss“, sagte Schlegel weiter. Die Entscheidung habe er aus Respekt vor dem Amt getroffen. Als Rathauschef brauche es jemanden, der im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Dafür sei der Job einfach zu wichtig. „Ein bisschen Bürgermeisterin oder Bürgermeister geht nicht!“, findet er. Sein Tank sei nach fast drei Jahrzehnten leer, er müsse nun auf seine Gesundheit schauen. „Auch meine Frau hat es nach vielen Jahren längst verdient, mehr von mir zu haben, als einen Partner, der entweder nie zu Hause ist, oder völlig erschöpft“, fügte er hinzu.
Noch bis Ende des Jahres wird Michael Schlegel seine Amtsgeschäfte ausüben. Parallel dazu muss die Nachfolge geregelt werden. Noch vor den Sommerferien könnte der Gemeinderat die notwendige Bürgermeisterwahl anstoßen. Ein möglicher Zeitpunkt hierfür wäre Ende Oktober. Damit bekämen potenzielle Kandidaten genügend Zeit, sich zu positionieren. „Für die Gemeinde Reute wünsche ich mir Bewerber, die einen Kommunalverwaltungshintergrund mitbringen“, sagte Schlegel. Er selbst werde sein Kreistagsmandat, seinen Aufsichtsratssitz in der Raiffeisenbank und seine Mitgliedschaft im Vorstand des Carl Caspar-Hauses weiter ausüben. Weitere Posten – ob haupt- oder ehrenamtlich – strebe er jedoch nicht an.
Text und Foto: Daniel Gorzalka
