Was wird aus dem Teninger Schwimmbad? Weil Geld für eine Generalsanierung fehlt, steht nun eine Schließung im Raum
Die Bürger der Gemeinde Teningen fürchten um die Zukunft ihres Schwimmbads. Auslöser war die im Vorfeld der gestrigen Gemeinderatssitzung veröffentlichte Tagesordnung. Behandelt werden sollte der Punkt “Grundsatzentscheidung über die Fortführung einschließlich Sanierung des Freizeitbads”.
Genährt wurden die Sorgen vor allem durch den Inhalt der dazugehörigen Sitzungsvorlage. Überraschend konkret wurde darin als Option die mögliche Schließung der Einrichtung aufgeführt. Noch am Morgen hatte die Badische Zeitung einen ausführlichen Artikel dazu veröffentlicht. Entsprechend groß war der Zulauf in der Gemeinderatssitzung gestern Abend. Rund 70 besorgte Bürger füllten den Sitzungssaal bis auf den letzten Platz. Teils mussten noch weitere Stühle bereitgestellt werden.
Rathauschef beruhigt Gemüter
Bürgermeister Berthold Schuler war vorbereitet. Noch vor dem Eintritt in die Tagesordnung setzte er den Punkt ab. “Der Begriff ‘Grundsatzentscheidung’ war leider irreführend und hat falsche Erwartungen und Befürchtungen geweckt”, räumte der Rathauschef ein. Vorgesehen gewesen sei eigentlich “nur eine Kenntnisnahme im Gemeinderat”. “Es sollte heute nicht um eine Grundsatzentscheidung gehen, sondern darum, verschiedene Optionen aufzuzeigen und eine Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt vorzubereiten”, führte er weiter aus.
Den Fokus lenkte Schuler daher auf die Einwohnerversammlung am heutigen Mittwoch um 19 Uhr in der Winzerhalle. Darin gehe es um die dringend notwendige Haushaltskonsolidierung. Auch das Schwimmbad stehe auf dem Prüfstand, “da es eine freiwillige Aufgabe handelt, die uns jährlich viel Geld kostet”. Nach dieser Versammlung hätten alle Bürger die Möglichkeit, Ideen und Vorschläge zur Konsolidierung beizusteuern. “Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen bezüglich des Schwimmbads wird nicht in den nächsten Wochen fallen”, versicherte er. Erst wolle man die Öffentlichkeit informieren, dann erst werde man dieses Thema im Gemeinderat beraten.
So steht das Bad aktuell da
Was dennoch bleibt ist die Sitzungsvorlage. Dort steht nun schwarz und weiß, wohin es mit dem Schwimmbad gehen könnte. Die fast 50 Jahre sieht man der Einrichtung an. Anders als in Emmendingen, wo das Bad in den 2010er-Jahren erst an die Stadtwerke ausgelagert und dann generalsaniert wurde, hat sich im Teninger Freizeitbad kaum etwas getan. Die Umkleiden und der Kiosk sind Relikte aus den Siebzigern, die viel zu großen Becken energetisch kaum noch vertretbar. Punkten kann die Einrichtung mit dem Kinderbecken und dem Freizeitbereich, vor allem aber mit der riesigen und einladenden Liegewiese.
Im Auftrag der Gemeinde wird das Bad seit 1999 von der Firma „Van der Vliet und Kunz Sportmanagement GmbH“ aus der March betrieben. Laut Überlassungs- und Nutzungsvertrag beträgt die jährliche Pacht 7.669,32 Euro. Dafür muss das Unternehmen den Badebetrieb vom 15. Mai bis zum 15. September täglich von 9 bis 20 Uhr aufrechterhalten. Im Gegenzug erhält es einen jährlichen Zuschuss von der Gemeinde von 214.698,16 Euro. Kleinere Maßnahmen bis 5.122,92 muss die Firma selbst bezahlen. Teurere Unterhaltsmaßnahmen oder die Erneuerung von Gebäuden und Anlagen obliegen der Gemeinde.
Verkleinern oder schließen?
Dass das Sport- und Freizeitbad dringend modernisiert werden muss, hat der Gemeinderat schon länger auf dem Schirm. Daher hatte das Gremium zwischenzeitlich eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ergebnis: eine Generalsanierung der Einrichtung würde zehn bis zwölf Millionen Euro verschlingen. Nur: Angesichts der defizitären Haushaltslage und Projekten, die eine höhere Priorität genießen – beispielsweise die Modernisierung des Bauhofs – kann sich die Gemeinde eine Investition in dieser Höhe nicht leisten. Auch dies bringt die Vorlage deutlich zum Ausdruck.
Im Raum stehen daher drei mögliche Optionen. Option 1: die Erstellung einer neuen Machbarkeitsstudie mit Planung in reduzierter Form, insbesondere der Reduzierung von Badeflächen, Attraktionen und Spitzentags-Besucherzahlen. Für diese Variante spricht eine mögliche Aufnahme in das Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“. Bis zu 55 Prozent der Kosten könnten dadurch gespart werden. Option 2: Durchführung von laufenden sowie rentablen Unterhaltungsmaßnahmen bis zur unabwendbaren Schließung des Freizeitbads aufgrund finanziell nicht darstellbarer Sanierungsaufwendungen. Option 3: Aufgabe und Schließung zum Ende der Saison 2026.
Text: Daniel Gorzalka / Bild: unsplash.com (Thomas Park)
Dazu ein Kommentar von Daniel Gorzalka:
„Gewünschte breite öffentliche Diskussion ist nun entfacht“
„Natürlich war der Begriff ‘Grundsatzentscheidung’ ein Eigentor. Er suggerierte einen endgültigen Beschluss und brachte damit unnötig Hektik in das Schwimmbadthema. Bürgermeister Schuler, der erstmals in seiner Amtszeit einem Sacherverhalt gegenübersteht, der die Gemüter erhitzt, bügelte den Fehler glaubhaft aus. Am Ende ist es jedoch nur eine Formulierung. Wirklich Sorgen bereitet den Teningern, dass Verwaltung und Gemeinderat plötzlich ernsthaft in Erwägung ziehen, ihr geliebtes Schwimmbad zu schließen. Ein Ort, der nicht nur Abkühlung an heißen Tagen bietet, sondern Menschen aller Schichten und aller Gesinnungen auf identitätsstiftende Weise zusammenführt. Die Einrichtung ist nach wie vor ein wichtiges Stück Teninger Kultur. Und diese kostet eben Geld. Mit der Sitzungsvorlage und dem damit verbundenen Echo wurde die gewünschte breite öffentliche Diskussion nun entfacht. Ob das emotionale Schwimmbadthema in die zahlengeprägte Haushaltskonsolidierung integriert werden kann, dürfte spannend werden. Vereinen lassen sich die beiden Themen nur durch kreative Lösungen. Die in der Vorlage genannte ‘Planung in reduzierter Form’ wäre eine solche. Doch dafür braucht es mehr Grundlagen. Es fehlen wichtige Zahlen. Wo beispielsweise sind die Angaben zu den Besucherströmen? Wie viele Spitzentage gibt es im Freibad? Lange haben Verwaltung und Gemeinderat die Schwimmbadfrage auf die lange Bank geschoben – zugunsten anderer Projekte. Daher sind sie auch in der Verantwortung, einen Lösungsweg aufzeigen. Das Bad zu schließen, wäre der einfachste. Aber ist er wirklich der richtige?
