Perfekt dem Narrenspiel-Thema gewidmet
Ettenheim (olb). Am Wochenende hat die Narrengesellschaft Hoorig die 61. Auflage des Narrenspiels auf die Bühne gebracht. Die musikalische Begleitung lieferte die Stadtkapelle unter Leitung ihres Dirigenten Jürgen Krieg.
Muckedatscher, Stadtlatschi, Babelotten und Narrenrat hielten Einzug in die Stadthalle, traditionell angeführt von der historischen Standarte und dem Narrenlicht. Oberzunftmeister Sebastian Winter konnte eine große Narrenschar in der fasnächlich dekorierten Halle begrüßen. Vor dem fantastischen Wild-West-Bühnenbild zeigten 140 Aktive der Hoorig ihre Kunst und ihre Fertigkeiten. Die Hähnlefeldhexen steuerten einen staunenswerten Beitrag zum Gelingen bei. Dabei zeigte sich, wie sehr tolle Kostüme und Tänze die Fasent prägen. In acht von insgesamt elf närrischen Auftritten war der Tanz das Salz in der Suppe.
Die Tänze Eine bestens aufgelegte Reihe von 34 jungen Clowns eröffnete das vierstündige Programm radschlagend und in pittoresken Harlekinkostümen. Christine Jäger hat 18 Jahre lang den Narresoome mit kindgemäßer Choreografie aufgebaut und trainiert. Der riesige Applaus des Publikums war ihr Lohn. Die Hästräger suchten mit ihren Glücksbärlis den richtigen Zugang zum Brauchtum und fanden ihn mit dem „Oben-unten-hinten-vorne“-Knaller. Die Narrenrat-Ritter zeigten ihr Talent in einem anspruchsvollen Bändertanz mit abschließender Englischer Kette. In der Italo-Western-Atmosphäre der Teenies sprang die Begeisterung der jungen Gondolieri sofort auf das Publikum über – spontane „Zugabe“-Rufe waren hochverdient.
Einen energiegeladenen, geradezu phänomenalen Auftritt präsentierten die Hähnlefeldhexen. Sie überrollten den Saal von rückwärts mit einer Discowalze, der Schlagzeuger wurde über die Köpfe der Besucher hinweg getragen. Darauf folgte „YMCA“-Akrobatik einer durchtrainierten Boygroup mit überraschenden Sprüngen und Landungen ohne Matte. Chapeau! Mit einer Revolte im Wild-West-Knast begann das Joker-Ballett und gefiel mit perfekter Synchronität der Schrittfolgen in ihren Knallfarben-Anzügen und Heavy-Metal-Bustiers.
Die Babelotten traten als Mary-Poppins-Gouvernanten auf. Singend gaben sie Ratschläge zu Erziehungsfragen und waren der Meinung, dass Alexa und ChatGPT den Eltern nicht die Verantwortung für einen respektvollen Umgang untereinander abnehmen können. Ihr Regentanz mit roten Schirmen sorgte für gute Stimmung. Da fehlte für Fasent eigentlich nur noch ein Männerballett: Glorreiche sieben Cowboys tanzten in ihrem Las-Vegas-Country-Flitter zum Abschluss des Programms.
Die Moderatoren Konstantin und Daniel Frey führten stilgerecht in Westernstiefeln, mit defektem Colt und der Filmmusik von Ennio Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“ die Akteure zu ihrem Auftritt vor dem Hintergrund einer kleinen City irgendwo in der Wüste. Christian Wenzinger hatte das Gastronomiesterben in Äddene eindrucksvoll im Bühnenbild umgesetzt.
Die Vereidigung Als neues Ehrenmitglied in der Narrengesellschaft Hoorig wurde am Samstag die evangelische Pfarrerin Severine Plöse nach geleistetem Eid und Stempel durch den Narrenrat aufgenommen. Sie versprach, die Hoorigen bei einem gemeinsamen Essen „zum Teilen des Brotes und zum Trinken des Weines“ mit vorausgehendem geistlichen Impuls einzuladen.
Zum Auftritt des Narrenrats gehörte die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für den am Jahresende scheidenden „König Bruno“. Beim Ritterturnier ging Hofnarr Hoorig als Sieger hervor. Die Unterlegenen könnten ja immer noch Ortsvorsteher werden, gehörte zur Pointe. In der traditionellen Moritat sang Alexander Jäger mit Tochter Lilly an der Orgel und Sohn Emil als Karikaturen-Wechsler ein Loblied auf die Vorgänger Thomas Dees und Michael Frey und deren unendliche Freundschaft. Als Sommelier und Chef im Restaurant „Zum fidelen Kardinal“ bleiben sie der Fasent erhalten.
Ohne Tanzbeilage kamen die zwei Kellergeister (Marianne Hunn und Rainer Kopp) auf der Suche nach einem neuen Domizil aus. Mit der anstehenden Sanierung des Palais Rohan würden sie wohnungslos. Der trinkfeste Conte und die barock herausgeputzte Gräfin trösteten sich: „Und scheint die Sonn‘ ins Kellerloch, eins trinke mr noch!“ Fritz und Sepp ( Michael Kirnberger und Wolfgang Kratt) genossen in vollen Zügen mit anderen die beim Entenrennen gewonnene Kreuzfahrt auf dem Traumschiff und entdeckten dort für sich neue Wege im Ruhestand.
Das Fazit Auch im 179. Jahr ihres Bestehens ist es der Narrengesellschaft Hoorig gelungen, ein buntes und närrisches, generationenübergreifendes Programm mit vielen fasentsbegeisterten Akteuren auf die Beine zu stellen.
