Gegen das Vergessen
Stolpersteine wurden an zwei Häusern in Staufen verlegt / Erinnern an das Schicksal der Juden
Staufen. Am Dienstag, 6. Oktober, wurden in der Staufener Innenstadt die ersten Stolpersteine zum Gedenken an die von den Nationalsozialisten verfolgten jüdischen Bürger verlegt. Anwesend waren unter anderem Angehörige der Familie Schnorr, Sibylle Huerta Krefft für die Stolperstein-Initiative Staufen und Bürgermeister Benjamin Bröcker für die Stadt Staufen.
Musikalisch begleitet wurde die Verlegung durch die Jugendmusikschule Südlicher Breisgau. Das Interesse am Schicksal jüdischer Familien in Staufen während der NS-Diktatur war groß, viele Menschen hatten sich zu dem Termin eingefunden.
Stolpersteine sind kleine Messingplatten im Gehweg vor dem dem letzten frei gewählten Wohnort eines Opfers des Nationalsozialismus, die in ganz Europa an Menschen erinnern, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Der Name, das Geburtsjahr, das Jahr der Deportation sowie Ort und Datum des Todes der betreffenden Person sind darin eingraviert. Der Künstler Gunter Demnig hat die Stolperstein-Initiative als illegales Kunstprojekt begründet und 1992 seinen ersten Stolperstein verlegt. Seitdem wurden mehr als 100.000 Steine in 1.265 deutschen Städten und in über 30 Ländern platziert. Leider konnte Demnig nicht wie geplant die Verlegung persönlich vornehmen. In Freiburg gibt es inzwischen 558 Stolpersteine.
Im Januar 2025 gründete Sibylle Huerta Krefft den Verein Stolperstein-Initiative Staufen. Der Gemeinderat stimmte zu, und am 6. Oktober wurden erstmals in Staufen Stolpersteine verlegt. Im Strenzleweg 8 am ehemaligen Wohnort der Familie Schnorr fand die erste Verlegung für Helene Schnorr, Alois Schnorr und ihre Töchter Gertrude Rinderle und Christiane Kiefer-Schnorr statt. Die Familie überlebte Diffamierung, Verfolgung und Flucht. Alois Schnorr überstand die Zwangsarbeit im KZ Sonderlager Billroda. In der Hauptstraße 55 am Rathausplatz folgten Stolpersteine für die Familie Grumbach, Lina Grumbach, Emil Grumbach und ihre Töchter Flora Grumbach und Erna Bonem. Die Familie wurde aus Staufen vertrieben. Emil Grumbach wurde 1938 im KZ Dachau ermordet. Die Tochter Flora wurde über Gurs nach Drancy und von dort nach Auschwitz deportiert und getötet. Erna Bonem gelang die Flucht nach New York.
Sabine Brandenburg-Frank
