Historischer Tag fürs Kaiserstuhlbad
Der Ihringer Gemeinderat beschließt die Verpachtung an den Betreiberverein
Ihringen. Kein anderes Thema beschäftigte Ihringens Bürger in den letzten Monaten so wie die Ungewissheit um das Kaiserstuhlbad. Die Bandbreite der Alternativen bewegte sich zwischen Generalsanierung und dauerhafter Schließung. Auch im Gemeinderat war die Zukunft des Kaiserstuhlbads Topthema des Jahres 2026.
Vor dem Hintergrund der düsteren Finanzlage entschied das Gremium in seiner Sitzung am 27. Juli mehrheitlich, die ursprünglich geplante Generalsanierung trotz einer hohen Bundesförderung nicht zu realisieren, da die Gemeinde den Eigenanteil von 1,4 Millionen Euro zuzüglich prognostizierter Kostensteigerungen nicht stemmen könne. Vielmehr solle eine Sanierung auf Mindeststandard und eine Fortführung als Vereinsbad unter Regie eines zu gründenden Trägervereins geprüft werden.
Auf dieser Grundlage präsentierten Tanja Hohwieler, Gernot Hohwieler und Markus Bärmann, designierte Vorstandsmitglieder des in Gründung befindlichen Trägervereins „Kaiserstuhlbad e.V.“, in einer Sondersitzung des Gemeinderats die Eckpunkte einer Mindestsanierung.
Infos zur Mindestsanierung
In deren Rahmen sollen insbesondere eine Erneuerung der Beckenabdichtung und der Chlorgranulatanlage, die Ertüchtigung des Beckenkopfs, die Neueinrichtung eines eigenen Kreislaufs mit Mess- und Regeltechnik sowie die Erneuerung des Sonnenschutzes für das Plantschbecken umgesetzt werden.
Die Kosten für diese Maßnahmen werden auf eine Größenordnung von 500.000 Euro kalkuliert. „Damit versetzen wir das Bad in seinen ursprünglichen Zustand. Es werden aber sicher weitere Maßnahmen folgen,“ führte Markus Bärmann aus. Zur Umsetzung dieser Konzeption schlug die Verwaltung eine Anschubfinanzierung von 80 Prozent der tatsächlich entstehenden Kosten, maximal aber 400.000 Euro vor.
In der anschließenden Diskussion, von der die Räte Tanja Hohwieler, Florian Fringer, Manuel Flubacher und Bürgermeister Benedikt Eckerle wegen unterschiedlicher Befangenheitstatbestände ausgeschlossen waren, zeigte sich rasch über alle Fraktionen hinweg eine große Offenheit für die im Raum stehende Konzeption. Holger Frey (Bürgerliste Plus) blickte zunächst zurück: „Am 27. Juli standen wir am Scheideweg. Damals galt es, den Weg offen zu halten. Das Betreiberkonzept ist eine große Chance. Jetzt geht es um die Umsetzung.“ Ins gleiche Horn stieß Andreas Eberl (Grüne): „Die Hängepartie muss heute beendet werden. Wir haben volles Vertrauen in Expertise und Sachverstand des Trägervereins.“ Julian Geiger (CDU) dankte dem Verein: „Ohne Euch und euer ehrenamtliches Engagement gäbe es das Schwimmbad schon gar nicht mehr. Es liegt jetzt auch ein finanziell gangbarer Weg zur Rettung des Bades vor.“
Sven Breisacher (W.I.R.) bedauerte den Zeitverlust: „Wenn wir gleich auf die kleine Lösung gegangen wären, hätte uns das viel Zeit und Geld erspart.“
Eine kleine Zusammenfassung
Peter Graf (Bürgerliste Plus) fasste die jahrelange Diskussion im Gremium zusammen „Wir haben 2021 mit der Planungsphase begonnen. Der damals beantragte Zuschussbescheid des Bundes ging erst im Januar 2026 ein. Zwischenzeitlich haben sich jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen elementar verschlechtert, so dass eine völlig veränderte Geschäftsgrundlage entstand.“ Deshalb musste der Gemeinderat die Reißleine ziehen, da man Verantwortung auch für andere Vorhaben und Aufgaben trage. Trotzdem wollten alle Räte den Erhalt des Bades. Und dies werde Dank des ehrenamtlichen Engagements und der bürgerschaftlichen Unterstützung jetzt möglich. „Ihringen schreibt heute Geschichte,“ zog Peter Graf ein emotionales Fazit.
Das Stimmungsbild der Beratung spiegelte sich in der anschließenden Abstimmung wider: Einstimmig beschloss der Gemeinderat die Verpachtung des Kaiserstuhlbads zum symbolischen Preis von einem Euro an den Trägerverein und einen einmaligen Zuschuss von 80 Prozent, maximal 400.000 Euro für die anstehenden Instandhaltungsmaßnahmen. Das Publikum reagierte mit spontanem und anhaltendem Applaus.
Donnerstag: Gründung
Der nächste Schritt steht am Donnerstag, 22. Oktober um 19 Uhr an, wenn im Bürgersaal die offizielle Gründungsversammlung des Trägervereins Kaiserstuhlbad e.V. stattfindet. Und dann geht es Schlag auf Schlag: Bereits im Winter sollen die ersten Arbeiten beginnen. Wenn alles planmäßig verläuft, könnte das Kaiserstuhlbad bereits in der kommenden Saison wieder seine Pforte öffnen. Werner Seger
