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„Offenes Archiv“ eröffnet

Ein neuer Erinnerungsraum im Blauen Haus / Volles Haus zur feierlichen Eröffnung trotz Hitze

Breisach. Das „Offene Archiv“ ist ein neuer Raum im Blauen Haus Breisach, der Gedenk- und Bildungsstätte für jüdische Geschichte am Oberrhein, aber auch eine neue Form der Präsentation, die Erinnerungsarbeit, Kunst und Forschung miteinander verbindet. Breisach gehört damit zu den wenigen Orten neben Frankfurt am Main, Hagen und Braunschweig, an denen dauerhaft ein „Offenes Archiv“ von der berühmten Künstlerin Sigrid Sigurdsson eingerichtet wurde.

Bis vor kurzem noch versperrte ein Schild „Kein Eintritt“ den Zugang zu diesem kleinen Raum. Jetzt überrascht er mit einer unglaublichen Vielfalt an kunstvollen Bildern, die verwirren, einem Schaufenster mit historischen Alltagsgegenständen, Bildern und Büchern, wo man nach einem inhaltlichen Zusammenhang und eigenen Assoziationen sucht.
Neben dem Fenster steht eine alte Schreibmaschine von Rheinmetall, auf denen vielleicht Berichte zu den Auschwitzprozessen geschrieben wurden. Eine hauchdünn geschliffene Schallplatte erinnert an ausgelöschte jüdische Musiktraditionen. Besonders stolz ist der Freiburger Verleger Dieter Weber, der die Ausstellung mit gestaltet hat, auf ein altes Exemplar der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Zwischen all den Büchern, Dokumenten und Kunstwerken wird das plötzlich ganz bedeutsam.
Leere Rahmen als EinladungBesonders auffallend aber ist eine Wand mit nur leeren Bilderrahmen. Sie bilden den Kern des ungewöhnlichen Konzepts, für den künftig Menschen aus Wissenschaft, Kunst, Bildung und Gesellschaft eingeladen werden, sich mit einem vom Blauen-Haus-Team vorgeschlagenen Thema auseinander zu setzen und den leeren Rahmen mit Gedanken, Texten, Fotos, Collagen und anderem zu füllen. Sind alle Rahmen gestaltet, werden sie dokumentiert, archiviert und machen Platz für ein neues Thema. So wird Erinnerung zu einem lebendigen Prozess, der niemals abgeschlossen ist.
Den Anfang machten fünf Beiträge zum Thema „Gemeinsinn“, angeregt durch das Buch „Gemeinsinn. Der sechste Sinn“ von Aleida Assmann. Beteiligt an diesem ersten Themenzyklus waren Bürgermeister Oliver Rein, der dieses Archiv als große Bereicherung für die Stadt empfand und sich dafür bei der Künstlerin bedankte. Aus München war extra für dieses Projekt eine Fotografin angereist, aus Bielefeld eine Geschichtsstudentin, und aus Frankreich überraschten Gérard Hug, ehemaliger Bürgermeister von Biesheim und Françoise Elkouby, Präsidentin der Les Routes du Judaïsme Rhénan in Straßburg. Am 24. Juni war der historische ehemalige Wirtsraum bis auf den letzten Platz gefüllt. Weitere Besucher verfolgten im Garten auf Großleinwand die Veranstaltung. Zur Eröffnung des Offenen Archivs sprach die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann über die „Anatomie des Archivs. Was wir von Künstlern lernen können“ und verwies auf die Arbeiten der Künstlerin Sigurdssons, die mit diesem Raum die „Schmerzensspuren der Geschichte“ sichtbar machen würde, der historische Forschung, persönliche Erinnerung und gesellschaftlichen Dialog miteinander verbinde. Die Besucher sollten sich Zeit nehmen, selbst Assoziationen zu entwickeln und sich auf einen offenen Prozess des Erinnern einlassen. In einer nachfolgenden Gesprächsrunde wurden das „Offene Archiv“ und die Projektteilnehmer vorgestellt. Ingrid Wenz-Gahler