„Her mit dem Rathausschlüssel“
Denzlingen (hg). Am Abend des „Schmutzige Dunnschdig“ wurde Bürgermeister Fabian Nitz zum ersten Mal in seiner Amtszeit von der Narrenschar mit viel Tamtam abgesetzt. Mit weithin vernehmbarer musikalischer Begleitung durch die Guggemusik „Blächdängler“ transportierten die Welschkorngeister das Hoheitszeichen ihrer Machtfülle vom Rathausplatz zum Festplatz am Heimethues.
An der Spitze des Zuges sah man den Bürgermeister in Begleitung des hohen Narrenrates mit dem zur Übergabe vorbereiteten „Rathausschlüssel“. Unmittelbar nach der problemlosen Aufstellung des geschmückten Narrenbaumes durch ein Zimmerleute-Team von Hubert Ringwald ergab sich der Bürgermeister dem unvermeidbaren Schicksal. Widerstand war angesichts der närrischen Übermacht ohnehin zwecklos.
Bereits 14 Tage zuvor hatte eine Welschkorngeisterschar den hoch gewachsenen, schlanken Baum – mit Genehmigung des Försters – auf dem Flissert gefällt und zur weiteren Vorbereitung der bevorstehenden tollen Tage nach Denzlingen gebracht. Auf alle Fälle muss er länger sein als das Rathaus hoch ist, obwohl dies am Standort auf dem Festplatz nicht unmittelbar feststellbar ist. Zahlreiche Astreihen der Fichte mussten entfernt – und die Rinde geschält werden. An dem noch längs am Boden liegenden Narrenbaum befestigten die Zimmerleute gemeinsam mit den Welschkorngeistern den mit bunten Bändern geschmückten großen Kranz aus Tannenreis, ehe der Baum mit Hilfe eines mächtigen Montagekrans der Zimmerleute zunächst hochgezogen – und schließlich in einem bereits vorbereiteten Loch im Boden des Festplatzes eingesenkt wurde. Die ganze Show fand bei unüberhörbarer Narrenmusik der Blächdängler und erwartungsvollen Blicken aller Denzlinger Narrenzünfte statt.
Welschkorngeister-Kanzellar Andreas Schuler, der bereits seit 19 Jahren zur Stelle ist, um alle Teilnehmer angemessen zu begrüßen und den Ablauf der Bürgermeisterabsetzung auch für Fasnet-Neulinge entsprechend zu erläutern, rief wiederholt die Namen der anwesenden Zünfte auf, die sich nach der Gründung der Welschkorngeister im Jahr 1972 in Denzlingen bildeten, nämlich die Steinbruchhexen (seit 1994), die Grotte-Hexe (seit 2007) und die Schneesturmhexen (seit 2009).
Die Guggemusik Blächdängler, die ursprünglich zum Fanfarenzug der Welschkorngeister gehörten, sind heute ein eigenständiger Verein, jedoch keine klassische Zunft im engeren Sinn. Bei allen großen Veranstaltungen der Welschkorngeister sorgen sie auf der Straße für Stimmungsmusik. Anlässlich eine Jubiläums der seit über 50 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Denzlingen und St Cyr sur Mer in Südfrankreich fanden sie mit ihrer ungewöhnlichen Kostümierung und vor allem wegen ihrer schrägen Töne besonders große Beachtung.
Alles hat ein Ende Seit dem späten Dienstagabend dieser Woche ist die Narrenherrlichkeit wieder vorbei. Der Alltag hat uns wieder. Nicht wenige haben sich für die 50-tägige Fastenzeit bis Ostern etwas vorgenommen, um durch Verzicht möglicherweise ein paar Kilo abzunehmen. Doch von erfahrenen Skeptikern kann man in diesem Zusammenhang manchmal hören: „Gute Vorsätze sind wie ein Aal, nämlich leichter zu fassen als zu halten!“ Es wäre also ratsam, möglichst nur solche Vorsätze zu fassen, die man wahrscheinlich auch halten kann.
