Trauer um den Kulturpreisträger Dieter Ohmberger
Denzlingen (hg). Am Montag vergangener Woche, 1. Juni, ist der verdienstvolle Denzlinger Kulturpreisträger und Ortshistoriker, Dieter Ohmberger, im Alter von 88 Jahren im Denzlinger Seniorenzentrum verstorben.
Begleitet von seinen Lieben, Partnerin Lucia Müller und Sohn Peter, ging er dort seinen letzten Gang, wo er die letzten Monate seines Lebens verbrachte. Mit Rücksicht auf Angehörige wird die Urnenbestattung auf dem Denzlinger Friedhof erst im Juli sein. Näheres dazu wird man zu gegebener Zeit einer Traueranzeige entnehmen können.
Geboren wurde Dieter Ohmberger am 14. November 1937 in Freiburg-Haslach, wo er seine ersten acht Lebensjahre bis zum Kriegsende verbrachte. Den schrecklichen Bombenangriff auf Freiburg am 27. November 1944 überlebte er mit seiner Mutter und seinem kleineren Bruder in einem Luftschutzkeller bei der Schwabentorbrücke. „Es war ein Inferno, das mir mein Leben lang nicht aus dem Gedächtnis gehen wird“, erzählte Ohmberger einst, der nach dem Angriff an der Schwabentorbrücke stand und dieses Inferno der brennenden Stadt mit verzweifelten flüchtenden Menschen sein Leben lang nie vergaß.
Dieter Ohmbergers Familie hatte Glück, weil sie etwa 200 Meter vom besonders stark zerstörten Zentrum entfernt war. Am Morgen danach kam der Großvater aus Denzlingen mit dem Fahrrad herbeigeeilt und rettete die Überlebenden über Trümmerberge hinweg nach Hause. In Bad Wurzach, wohin die Familie evakuiert wurde, erlebte Ohmberger schließlich das Kriegsende und kehrte erst im Sommer 1945 wieder zurück nach Freiburg, ehe er zu den Großeltern nach Denzlingen umzog. Dort besuchte er bis 1951 die Volksschule und absolvierte eine Lehre als Maschinenbauer. In Denzlingen war er 1952 Mitglied bei der Wiedergründung des Turnvereins (TVD) in der „Stube“ („Rebstock“) und trat 1954 dem Männerchor der Concordia als aktiver Sänger bei, wo er noch bis vor wenigen Monaten sowohl im Männerchor wie im Gemischten Chor sang. Die Geschichte des ältesten Denzlinger Vereins, des 1845 gegründeten Männerchores, hat er als Ortshistoriker gründlich beleuchtet.
Aktiv in mehreren Vereinen Von 1974 bis 1976 war Dieter Ohmberger zweiter Vorstand des Männerchores und von 1976 bis 1979 dessen Vorsitzender. In dieser Funktion war er mit dem damaligen Dirigenten Christoph Kühlewein bei der Gründung und dem Aufbau des Gemischten Chores initiativ. Seine besondere Vorliebe gehörte jedoch dem Tanzsport. So war er lange Jahre Vorsitzender des Tanzsportclubs Teningen. Er pflegte aber auch intensiv die Kontakte mit dem Partnerchor von Eguisheim im Elsass und war 1994 Gründungsmitglied des Denzlinger Heimatvereins, heute „Heimat- und Geschichtsverein“. In zahlreichen Denzlinger Vereinen war er überdies Mitglied und daher allseits sehr geschätzt. Dies nicht zuletzt auch als Schriftführer im polnischen Partnerschaftskomitee. 2014 wurde Dieter Ohmberger von Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer in Breitnau mit der Ehrennadel des Arbeitskreises Alemannische Heimat ausgezeichnet. Nur wo man sich zuhause fühle und sich gerne aufhalte, somit eine Heimat habe, bestehe auch die Bereitschaft, sich zu engagieren und Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Heimatgefühl sei die „Basis für ein bürgerschaftliches Engagement“, betonte die Regierungspräsidentin in ihrer Laudatio.
In seiner Jugendzeit war Dieter Ohmberger ein leidenschaftlicher Fußballer und einige Jahre auch beim FCD aktiv. 1957 heiratete er seine Frau Alma, die im Dezember 2020 verstarb. Interessante Etappen im vielseitigen Leben des Jubilars gab es auch bei der Luftwaffe der Bundeswehr und als passionierter Segelflieger, Kajakfahrer und Mountainbiker. Nach einer Ausbildung als Feinmechaniker legte er 1963 die Meisterprüfung ab und war danach 35 Jahre bei Intermetall in Freiburg bei der Fertigung von Halbleitern und später bei der Chipherstellung tätig.
Kulturpreisträger Dieter Ohmberger wurde bereits 2005 als zweiter Preisträger nach Einführung des Denzlinger Kulturpreises ausgezeichnet und erhielt diese Ehrung für seine „herausragenden Leistungen als Historiker und Ortschronist“ sowie für sein kulturelles Engagement in Denzlingen. Nicht nur die ersten beiden Bände der Denzlinger Ortsgeschichte, die der Verstorbene als Mitautor von Professor Dieter Geuenich in akribischer Detailarbeit verfasste, sondern auch zahlreiche weitere historische Veröffentlichungen stammen aus seiner Feder, zum Beispiel die Heftreihe „Denzlinger Jahresrückblick“, die er 1997 initiierte, sodass inzwischen 25 Ausgaben vorliegen. Der Heimat- und Geschichtsverein, dessen Ehrenmitglied Dieter Ohmberger ist, nahm dies zum Anlass, die bis zu Ohmbergers 85. Geburtstag erschienenen Hefte binden zu lassen, um ihm drei stattliche Bände zu schenken. In der historisch besonders bedeutsamen Denzlinger „Michaelskirche“, im Volksmund „Storchenturm“ genannt, wurde er damals vom Heimat- und Geschichtsverein und der Gemeinde gebührend geehrt.
Schicksal Denzlinger Auswanderer Nachdrücklich erinnert wurde anlässlich dieser Ehrung an Ohmbergers umfangreiches ortshistorisches Quellenstudium. Das Schicksal Denzlinger Auswanderer nach Amerika im 19. Jahrhundert, der Erste Weltkrieg ebenso wie das Kriegsende 1945 beleuchtete er mit zahlreichen schriftlichen – und Bilddokumenten. Fundierte Sachkenntnis und präzises wissenschaftliches Arbeiten zeichneten Ohmberger ebenso aus wie die „menschliche Zuwendung“ in seinen Vorträgen und nicht zuletzt seine „kooperative Zusammenarbeit“ und sein „Einbinden anderer Menschen“ in sein Hobby. Bei diversen Gelegenheiten veranschaulichte der Heimat- und Geschichtsverein Ohmbergers historische Quellen auch in Form von gespielten Szenen, wobei jeweils mehrere Personen des Heimat- und Geschichtsvereins einbezogen wurden.
Um die Gemeinde verdient gemacht Ein besonderer Höhepunkt seiner umfangreichen historischen Arbeiten war ein von ihm persönlich organisiertes „Ohmberger-Familientreffen“, wobei er im Mai 2016 insgesamt 208 Ohmberger-Familien anschrieb und ins Karl-Höfflin-Gemeindehaus einlud. „Man muss wissen, woher man kommt, wenn man wissen will, wer man ist“, war eine zentrale Aussage von Dieter Ohmberger bei seinen anschaulichen Darstellungen im Zusammenhang mit der Vorstellung seines Familienbuches. Auf 90 Seiten beschrieb er aus diesem Anlass das Schicksal von 704 Personen, die heute großteils in 15 Staaten der USA leben. Dieter Ohmberger beleuchtete in seinem historischen Rückblick besonders das Schicksal vieler Ohmberger-Familien, die im 19. Jahrhundert aufgrund akuter Not in der Heimat ihr Glück im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, nämlich in den USA, suchten. Mit sehr anschaulichen Bildern und Texten beleuchtete der verdienstvolle Ortshistoriker deren vielfach erlebtes Leid – bis hin zum Tod. Dieter Ohmberger hat sich auf vielfache Weise um die Gemeinde Denzlinger verdient gemacht. Mehrere Denzlinger Vereine und die Gemeinde insgesamt werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren.
